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BBC (British Broadcasting Corporation) ist die britische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, gegründet am 18. Oktober 1927 durch Royal Charter und finanziert durch einen staatlich festgelegten Rundfunkbeitrag (Licence Fee), die als Pionier des Public Service Broadcasting weltweit als Maßstab für unabhängigen, gemeinwohlorientierten Journalismus gilt.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Fernsehens & Digitaler Medien · Niveau: Einsteiger


Geschichte & Gründung

Die Geschichte der BBC beginnt 1922 mit der Gründung der British Broadcasting Company, einer privatwirtschaftlichen Gesellschaft, die unter Lizenz des General Post Office Radioübertragungen vornahm. Erster Generaldirektor wurde John Reith, dessen Leitbild – Informieren, Bilden, Unterhalten – das Selbstverständnis der BBC bis heute prägt.

Am 1. Januar 1927 wurde die BBC durch eine königliche Urkunde (Royal Charter) in eine öffentliche Körperschaft umgewandelt und erhielt den Status der British Broadcasting Corporation. John Reith, nun Sir John Reith, wurde erster Director-General. Die Finanzierung erfolgte nicht durch Steuern oder Werbung, sondern durch eine Rundfunkgebühr (Licence Fee), die jeder Haushalt mit einem Empfangsgerät entrichten musste – ein Modell, das den Grundstein für staatsfernes, aber öffentlich finanziertes Rundfunken legte.

1936 eröffnete die BBC den ersten regelmäßigen öffentlichen Fernsehsendebetrieb der Welt vom Alexandra Palace in London aus. Im Zweiten Weltkrieg spielte die BBC eine entscheidende Rolle: Sie sendete in über 40 Sprachen, unterstützte die Moral der Bevölkerung und wurde zum Symbol des Widerstands gegen die nationalsozialistische Propaganda. Nach dem Krieg expandierte die BBC weiter: In den 1950er und 1960er Jahren brachte BBC2 (1964) eine zweite Fernsehkanal-Option, BBC Radio 1 (1967) Popmusik erstmals in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

In den 1990er Jahren begann die BBC mit der internationalen Expansion ihres Nachrichtenangebots: BBC World (Fernsehen) und BBC World Service Radio wurden in immer mehr Sprachen ausgestrahlt. Mit dem Start des iPlayer 2007 war die BBC Pionierin der Mediathek-Technologie – eine Plattform, die das Anschauen von TV-Inhalten auf Abruf ermöglichte. Heute ist die BBC in über 180 Ländern aktiv.


Geschäftsmodell & Bedeutung

Die BBC wird primär durch die Licence Fee finanziert: Jeder britische Haushalt, der Fernsehprogramme live oder zeitversetzt empfängt oder die BBC iPlayer nutzt, zahlt eine jährliche Gebühr (Stand 2024: 169,50 Pfund). Daneben generiert BBC Studios – die kommerzielle Produktionstochter – Einnahmen durch den Verkauf von Formaten und Co-Produktionen weltweit. Planet Earth, Sherlock, Downton Abbey (ITV-BBC-Koproduktion) und Doctor Who sind global bekannte Exportprodukte.


Wichtige Meilensteine (Chronologie)

JahrEreignis
1922Gründung British Broadcasting Company
1927Umwandlung in BBC (Public Corporation); John Reith als Director-General
1936Erster regelmäßiger öffentlicher Fernsehbetrieb der Welt
1939–1945Kriegssendungen in über 40 Sprachen; Rolle im Widerstand
1964Start BBC2
1967Start BBC Radio 1 (Popmusik)
1991BBC World Service TV
1997BBC Online (Pionier des Internetjournalismus)
2007Start BBC iPlayer (Mediathek-Pionier)
2022Debatte über Zukunft der Licence Fee; Inflationsdruck
2027Geplante Royal-Charter-Erneuerung

Einfluss auf die Medienlandschaft

Die BBC hat das Konzept des Public Service Broadcasting erfunden und weltweit exportiert. Das Modell – öffentlich finanziert, staatsfern, mit dem Auftrag Informieren, Bilden, Unterhalten – war Vorbild für die Gründung zahlreicher öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, darunter ARD und ZDF in Deutschland, ORF in Österreich und SRG in der Schweiz. Der BBC World Service, der in über 40 Sprachen sendet, gilt bis heute als verlässlichste internationale Nachrichtenquelle in Krisenregionen und erreicht wöchentlich rund 400 Millionen Menschen. Die BBC iPlayer-Technologie war eine der ersten Mediatheken der Welt und setzte technische Standards, die später von Netflix und anderen übernommen wurden.


Kritik & Kontroversen

Die BBC ist wiederholt wegen politischer Einseitigkeit kritisiert worden – sowohl von konservativer Seite (zu liberal) als auch von linker Seite (zu systemkonform). Der Savile-Skandal (2012), bei dem enthüllt wurde, dass der BBC-Moderator Jimmy Savile Jahrzehnte lang Missbrauch betrieben hatte und das Unternehmen weggeschaut hatte, war eine der größten institutionellen Krisen. Die Debatte über die Licence Fee – ob das Modell in einer Streaming-Ära noch zeitgemäß ist – wird in Großbritannien regelmäßig geführt, zuletzt mit der Ankündigung des Einfrierens der Gebühr durch die Regierung Johnson 2022.


FAQ

Was ist der Unterschied zwischen BBC und ITV? Die BBC ist öffentlich-rechtlich und durch die Licence Fee finanziert; sie sendet werbefrei. ITV (Independent Television) ist ein kommerzieller Sender, der sich durch Werbung finanziert. Beide sind britische Rundfunkveranstalter, aber mit grundlegend unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Aufträgen.

Was bedeutet „Public Service Broadcasting"? Public Service Broadcasting bezeichnet Rundfunk, der nicht primär kommerzielle, sondern gesellschaftliche Ziele verfolgt: Bildung, Information und kulturelle Identität. Die BBC gilt als Erfinderin dieses Konzepts, das auf den ersten Generaldirektor John Reith zurückgeht.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Jean Seaton: Pinkoes and Traitors: The BBC and the Nation 1974–1987. Profile Books, London 2015.
  • Asa Briggs: The History of Broadcasting in the United Kingdom (5 Bde.). Oxford University Press, 1961–1995.
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