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Das Farbfernsehen in Deutschland wurde am 25. August 1967 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin offiziell eingeführt – das nach dem PAL-Verfahren entwickelte System des deutschen Ingenieurs Walter Bruch setzte sich weltweit als einer der führenden Farbfernseh-Standards durch und veränderte die visuelle Kultur des Fernsehens grundlegend.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Fernsehens & Digitaler Medien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: PAL-Fernsehen, Farbrundfunk, Colour Television Germany


Was ist/war das Farbfernsehen?

Das Farbfernsehen bezeichnet die Übertragung von Fernsehbildern in Farbe – im Gegensatz zum bis dahin üblichen Schwarzweißfernsehen. In Deutschland wurde es am 25. August 1967 durch Bundespostminister Werner Schwarz auf der IFA in Berlin öffentlichkeitswirksam präsentiert. Der entscheidende technische Grundstein wurde von dem Telefunken-Ingenieur Walter Bruch gelegt, der das PAL-System (Phase Alternating Line) entwickelt hatte. Deutschland gehörte damit weltweit zu den ersten Ländern mit regulärem Farbfernsehbetrieb.


Erklärung

Vorgeschichte: Der Wettbewerb der Systeme

Bereits in den 1950er-Jahren begannen verschiedene Länder mit der Entwicklung von Farbfernseh-Standards. In den USA etablierte sich NTSC (National Television System Committee) bereits 1954 als erster kommerzieller Farbfernseh-Standard. Doch NTSC galt als technisch anfällig für Farbverfälschungen durch Phasenfehler – eine Schwäche, die in der Branche spöttisch als „Never The Same Color" (niemals dieselbe Farbe) bezeichnet wurde.

In Europa konkurrierten zwei Systeme: das französische SECAM (Séquentiel couleur à mémoire) und das von Walter Bruch bei Telefunken entwickelte PAL-System. Der Unterschied lag in der Methode der Farbsignalübertragung: PAL korrigierte Phasenfehler automatisch durch eine spezielle Schaltung (die sogenannte PAL-Verzögerungsleitung), was eine erheblich bessere Farbtreue als NTSC ermöglichte.

Walter Bruch und die Erfindung des PAL-Systems

Walter Bruch (1908–1990) war Ingenieur bei Telefunken in Hannover. Er arbeitete seit den späten 1950er-Jahren an einem verbesserten Farbfernseh-Standard und präsentierte PAL 1963 erstmals der Öffentlichkeit. Das System wurde nach intensiver politischer und technischer Diskussion in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und weiteren Ländern als Standard eingeführt. Bruch erhielt für seine Entwicklung den Deutschen Fernsehpreis und zahlreiche internationale Auszeichnungen.

Die IFA 1967 und der offizielle Startschuss

Die Internationale Funkausstellung 1967 in Berlin war der symbolische Auftakt des deutschen Farbfernsehzeitalters. Bundespostminister Werner Schwarz drückte auf der Messe den berühmten „roten Knopf" – eine medienhistorisch inszenierte Geste, die den Beginn der regulären Farbausstrahlungen markierte. ARD und ZDF begannen ab diesem Tag, ihre Programme sukzessive in Farbe zu senden. Der erste reguläre Farbfernsehspot im deutschen Fernsehen warb für Persil-Waschmittel.

Die Verbreitung der Farbfernseher in deutschen Haushalten

Die Marktdurchdringung verlief langsam: Farbfernseher waren anfangs mit Preisen von 2.000 bis 3.000 DM (entspricht heute ca. 5.000–7.000 Euro) für viele Haushalte unerschwinglich. Erst im Verlauf der 1970er-Jahre – als Preise sanken und mehr Sendungen in Farbe ausgestrahlt wurden – hielt die Farbe Einzug in die breite Masse der deutschen Wohnzimmer. 1976 überstieg die Zahl der angemeldeten Farbfernseher erstmals die der Schwarzweißgeräte; bis Mitte der 1980er-Jahre hatte Farbe nahezu vollständig das Schwarzweißbild abgelöst.

Technische Grundlagen des PAL-Systems

PAL arbeitet mit 625 Zeilen und 25 Vollbildern pro Sekunde (im Halbbildverfahren: 50 Halbbilder). Das Farbsignal wird aus drei Grundfarben – Rot, Grün, Blau (RGB) – berechnet und in ein Luminanz- (Helligkeit) und zwei Chrominanzsignale (Farbinformation) aufgeteilt. Der entscheidende Trick des PAL-Systems liegt in der wechselnden Phasenlage des Farbträgers zwischen geraden und ungeraden Zeilen – daher der Name „Phase Alternating Line". Empfänger mitteln die Phasenfehler über zwei aufeinanderfolgende Zeilen aus, was eine deutlich stabilere Farbwiedergabe ergibt als beim NTSC-System.


Wichtige Meilensteine & Fakten

  • 1954: USA führen NTSC als erstes kommerzielles Farbfernseh-System ein
  • 1963: Walter Bruch präsentiert PAL erstmals öffentlich
  • 25. August 1967: Offizieller Start des Farbfernsehens in Deutschland (IFA Berlin)
  • 1967: Großbritannien, Australien und weitere Länder übernehmen ebenfalls PAL
  • 1970er-Jahre: Schrittweise Preissenkung macht Farbfernseher massentauglich
  • 1976: Zahl der Farbfernseher übersteigt erstmals die Schwarzweißgeräte in Deutschland
  • 1980er-Jahre: Nahezu alle deutschen Haushalte besitzen einen Farbfernseher
  • Heute: PAL ist durch digitale Standards (DVB, HDTV, 4K) weitgehend abgelöst

Gesellschaftliche & kulturelle Bedeutung

Das Farbfernsehen war mehr als eine technische Verbesserung – es war ein kultureller Quantensprung. Fernsehbilder in Farbe wirkten lebendiger, emotionaler und „echter". Sportübertragungen gewannen enorm an Attraktivität: Die Olympischen Spiele 1972 in München wurden erstmals in Deutschland vollständig in Farbe übertragen und zogen Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme. Naturreportagen, Spielshows und Unterhaltungssendungen profitierten ebenso.

Das Farbfernsehen veränderte auch die Werbung: Farbige Werbespots wurden zur Norm, Markenidentitäten über Farben definiert. Die Fernsehästhetik der 1970er-Jahre – mit kräftigen Farbtönen, ausgefeilten Kostümen und Bühnenbildern – ist bis heute stilprägend.

Zugleich war die Einführung des Farbfernsehens ein industriepolitischer Erfolg für Deutschland: Unternehmen wie Telefunken, Grundig, Loewe und Saba profitierten massiv vom Boom der Farbfernseher und machten die Bundesrepublik zum führenden Exporteur von Farbfernsehgeräten in Europa.


Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu NTSC (USA, Japan) bot PAL eine deutlich bessere Farbstabilität. Das rivalisierende SECAM-System (Frankreich, Ostblock) war technisch ähnlich stabil, aber weniger einfach zu handhaben und blieb auf wenige Länder beschränkt. Die Grenze zwischen PAL und SECAM verlief während des Kalten Krieges auch politisch: Westdeutschland nutzte PAL, die DDR SECAM. Erst nach der Wiedervereinigung wurde SECAM im Osten durch PAL ersetzt.


Häufige Fragen (FAQ)

Wer hat das PAL-System erfunden? Das PAL-System wurde von Walter Bruch, einem Ingenieur des deutschen Unternehmens Telefunken, entwickelt. Bruch arbeitete seit den späten 1950er-Jahren an der Verbesserung bestehender Farbfernseh-Standards und präsentierte PAL 1963 erstmals der Fachwelt.

Warum setzte sich PAL gegenüber NTSC in Europa durch? PAL bot durch seine automatische Phasenkorrektur eine deutlich stabilere und farbtreue Wiedergabe als NTSC, das empfindlich auf Empfangsstörungen reagierte. Zudem hatte die Entscheidung für PAL auch industriepolitische Gründe: Deutschland, Großbritannien und andere Länder wollten ihre eigene Fernsehindustrie fördern.

Ist PAL heute noch relevant? In seiner ursprünglichen Form für analoge Übertragung ist PAL weitgehend Geschichte – in Deutschland wurde die analoge terrestrische Ausstrahlung 2008 abgeschaltet. Allerdings lebt das PAL-Konzept in abgewandelter Form in digitalen Standards fort, und viele ältere Geräte unterstützen noch PAL-Signale über analoge Eingänge.


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Weiterführend

  • Abramson, Albert: The History of Television, 1942 to 2000. McFarland, Jefferson NC 2003.
  • Deutsche Kinemathek / Museum für Film und Fernsehen:
  • Walter Bruch: Die PAL-Geschichte. Telefunken-Archiv, Hannover 1983.
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