Alte Social-Media-Plattformen wie SixDegrees (1997), Friendster (2002), MySpace (2003), StudiVZ (2005) oder Google+ (2011) waren die Vorläufer der heutigen Netzwerke. Facebook startete 2004 und ist seit März 2008 auf Deutsch verfügbar; es folgten Instagram (2010), Snapchat (2011), TikTok (2016/2018), Threads (2023) und Bluesky (offen seit 2024).
Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Fernsehens & Digitaler Medien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Geschichte der sozialen Netzwerke, Social Media Geschichte, Social Networking Sites (SNS), soziale Plattformen
Was waren die ersten sozialen Netzwerke?
Das erste soziale Netzwerk im heutigen Sinn war SixDegrees.com (1997): Profil anlegen, Freund/innen auflisten, deren Kontakte sehen. Danach kamen Friendster (2002), MySpace (2003) und in Deutschland StudiVZ (2005), bevor Facebook ab 2008 auch hierzulande die Massen erreichte. Soziale Medien sind Plattformen, auf denen Nutzer/innen eigene Profile führen, Inhalte veröffentlichen und miteinander vernetzt sind; ihr Wert wächst mit der Zahl der Mitglieder (Netzwerkeffekt).
Erklärung
Chronologie der sozialen Netzwerke (1997 bis 2026)
| Jahr | Plattform | Was neu war | Status 2026 |
|---|---|---|---|
| 1997 | SixDegrees | Profile und Freundeslisten | 2001 eingestellt |
| 2002 | Friendster | Vernetzung über Freund/innen von Freund/innen | 2011 zur Spieleplattform, 2015 geschlossen |
| 2003 | LinkedIn (Mai) | Berufsnetzwerk | aktiv, seit 2016 bei Microsoft |
| 2003 | MySpace (August) | frei gestaltbare Profile, Musik | existiert als Musikseite, bedeutungslos |
| 2003 | Xing (als openBC) | deutsches Berufsnetzwerk | aktiv |
| 2004 | Facebook (4. Februar) | Klarnamen, zuerst nur für Harvard | größtes Netzwerk, Teil von Meta |
| 2005 | YouTube (Februar) | Video für alle | aktiv, seit 2006 bei Google |
| 2005 | StudiVZ (Herbst) | deutsches Netzwerk für Studierende an Hochschulen | 31. März 2022 abgeschaltet |
| 2005 | Lokalisten | regionales Netzwerk (München) | 30. September 2016 abgeschaltet |
| 2006 | Twitter (Juli öffentlich) | Microblogging, 140 Zeichen | seit 2023 „X" |
| 2006 | wer-kennt-wen (Oktober) | Netzwerk für ältere Zielgruppen | 2. Juni 2014 abgeschaltet |
| 2006 | Facebook für alle (September) | Öffnung über Universitäten hinaus | |
| 2008 | Facebook auf Deutsch (März) | deutsche Oberfläche, von Nutzer/innen übersetzt | |
| 2009 | Messenger als soziales Netz | aktiv, seit 2014 bei Meta | |
| 2010 | Instagram (6. Oktober) | Fotofilter, mobil zuerst | aktiv, seit 2012 bei Meta |
| 2010 | visuelle Sammlungen | aktiv | |
| 2011 | Google+ (28. Juni) | „Circles", Googles Facebook-Antwort | 2. April 2019 eingestellt |
| 2011 | Snapchat (September) | verschwindende Nachrichten, Stories | aktiv |
| 2013 | Vine | 6-Sekunden-Videos | 2017 eingestellt |
| 2016 | Douyin / TikTok | algorithmischer „Für dich"-Feed | aktiv, Musical.ly 2018 integriert |
| 2016 | Mastodon | dezentrales Netzwerk (Fediverse) | aktiv, Nische |
| 2020 | BeReal | ein ungefiltertes Foto am Tag | aktiv, Nische |
| 2023 | Threads (5. Juli) | Metas Textnetzwerk, an Instagram gekoppelt | aktiv |
| 2024 | Bluesky (offen seit 6. Februar) | dezentrales Protokoll (AT), Twitter-Alternative | aktiv, Wachstum abgeflacht |
Alte soziale Netzwerke in Deutschland
Deutschland hatte zwischen 2005 und 2012 eine eigene Netzwerklandschaft. StudiVZ ging im Herbst 2005 in Berlin online, kopierte offen das Facebook-Prinzip für Studierende an Hochschulen und bekam mit SchülerVZ (2007) und MeinVZ (2008) zwei Ableger. 2007 kaufte die Verlagsgruppe Holtzbrinck die VZ-Netzwerke, die auf dem Höhepunkt rund 16 Millionen Mitglieder zählten. Ab 2009 wanderten die Nutzer/innen zu Facebook ab; am 31. März 2022 wurde StudiVZ endgültig abgeschaltet. wer-kennt-wen (2006, Koblenz) erreichte ältere Zielgruppen und wurde 2014 von RTL interactive eingestellt. Die Münchner Lokalisten (2005) lebten von regionalen Treffen und endeten 2016. Überlebt hat nur das Berufsnetzwerk Xing (2003, zunächst openBC).
Seit wann gibt es Facebook in Deutschland?
Facebook war ab September 2006 weltweit für alle offen, also auch für Deutsche, aber nur auf Englisch. Die deutsche Oberfläche startete im März 2008; mehr als 2.000 Nutzer/innen hatten die Übersetzung selbst erarbeitet. Damals zählte Facebook in Deutschland rund eine Million Mitglieder, StudiVZ ein Vielfaches davon. 2010 überholte Facebook die VZ-Netzwerke, 2018 meldete Meta 32 Millionen monatlich aktive Nutzer/innen in Deutschland.
Was aus den alten Plattformen wurde
| Plattform | Höhepunkt | Was geschah |
|---|---|---|
| MySpace | 2006 meistbesuchte Website der USA, 2005 für 580 Mio. USD an News Corp verkauft | 2011 für 35 Mio. USD an Specific Media und Justin Timberlake; 2019 gingen beim Serverumzug Millionen Musikdateien verloren; heute Musikportal |
| StudiVZ | ca. 16 Mio. Mitglieder (VZ-Netzwerke, 2009) | ab 2009 Abwanderung zu Facebook, mehrere Verkäufe, 2017 Insolvenz des Betreibers, 2022 Abschaltung |
| Google+ | 2011 bis 2013 schnell wachsende Anmeldungen, geringe Aktivität | 2018 Datenleck bekannt, 2. April 2019 Verbraucherversion eingestellt |
| Friendster | 2003 über 3 Mio. Nutzer/innen | technische Probleme, Verlust an MySpace, 2011 Umbau zur Spieleplattform, 2015 Ende |
| Vine | 2013 bis 2015 Keimzelle der Kurzvideo-Kultur | 2016 von Twitter eingestellt, Format lebt in TikTok und Reels weiter |
Muster von Aufstieg und Niedergang
- Netzwerkeffekt in beide Richtungen: Ein Netzwerk wächst, weil die Freund/innen da sind, und stirbt, sobald die Freund/innen gehen. StudiVZ und MySpace verloren nicht an Qualität, sondern an Gesellschaft.
- Technische Schulden: Friendster war zu langsam, MySpace zu unübersichtlich, StudiVZ verpasste mobile Apps. Wer die nächste Plattformwelle (Breitband, Smartphone, Kurzvideo) verschläft, verliert.
- Geschäftsmodell vor Nutzen: Übernahmen durch Konzerne (News Corp, Holtzbrinck, RTL) brachten Werbedruck und wenig Innovation.
- Der Schwächere kopiert, der Stärkere gewinnt: Facebook kopierte Stories von Snapchat, Reels von TikTok, Threads von Twitter. Kopien bei großen Netzwerken funktionieren, Kopien bei kleinen selten.
- Von Freund/innen zu Algorithmen: Bis 2015 zeigte der Feed, was Kontakte posten. TikTok setzte 2018 durch, dass der Algorithmus entscheidet. Seitdem ist „sozial" oft nur noch der Name.
Stand 2026
Meta meldet für Juni 2026 im Schnitt 3,60 Milliarden täglich aktive Menschen über Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads. TikTok liegt je nach Zählung bei rund 2 Milliarden monatlichen Nutzer/innen. X verliert seit der Übernahme durch Elon Musk (2022) Werbekunden und Reichweite; Bluesky zählt über 45 Millionen registrierte Konten, aber deutlich weniger aktive. Die junge Generation nutzt vor allem Kurzvideo (TikTok, Reels, Shorts) und Messenger. Gleichzeitig wächst die Regulierung: Digital Services Act in der EU, Altersgrenzen in Australien (seit Dezember 2025) und eine Debatte über Social-Media-Verbote für unter 16-Jährige in mehreren europäischen Ländern.
Beispiele
- MySpace und die Musik: Arctic Monkeys und Lily Allen wurden 2005/2006 über MySpace bekannt, bevor ein Label sie unter Vertrag nahm. Das Netzwerk war die erste Entdeckungsplattform der Musikindustrie.
- StudiVZ-Gruscheln: Das „Gruscheln" (Grüßen plus Kuscheln) war StudiVZ' Antwort auf Facebooks „Poke" und ein Beispiel dafür, wie deutsche Plattformen US-Vorbilder lokalisierten.
- Arabischer Frühling 2011: Facebook und Twitter dienten als Koordinationswerkzeuge der Proteste, woraus sich die Debatte über Social Media als politische Infrastruktur entwickelte.
- Cambridge Analytica 2018: Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzer/innen landeten bei einer Wahlkampffirma, der Skandal löste weltweit Datenschutzreformen aus.
- Threads-Start 2023: Über 100 Millionen Anmeldungen in fünf Tagen, möglich nur durch die Kopplung an Instagram. Das zeigt, wie stark der Netzwerkeffekt etablierte Konzerne begünstigt.
In der Praxis
Wer die Geschichte der Plattformen kennt, versteht die Gegenwart besser: Formate wie Stories, Reels oder Live-Streams sind nie aus dem Nichts entstanden, sondern Antworten auf Konkurrenten. Für Medienschaffende heißt das: Plattformen kommen und gehen, Inhalte und Erzählhandwerk bleiben. Wer Bewegtbild für Social Media produzieren will, lernt Dramaturgie, Schnitt und Kamera am besten plattformunabhängig, etwa im staatlich anerkannten Fachbereich Film und Mediendesign der Lazi Akademie, einer Berufsfachschule in Esslingen. Praktische Tipps für den Umgang mit alten Konten: Daten exportieren, bevor ein Dienst schließt (Google+ und StudiVZ gaben nur wenige Wochen Vorlauf), alte Profile löschen statt verwaisen lassen, und Reichweite nie auf eine einzige Plattform bauen.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Alte soziale Netzwerke (1997 bis 2010) | Heutige Plattformen (ab 2016) |
|---|---|---|
| Feed | chronologisch, nur Kontakte | algorithmisch, überwiegend Fremde |
| Zugang | Desktop, Browser | Smartphone-App |
| Kerninhalt | Profil, Text, Fotos | Kurzvideo, Stories, Live |
| Geschäftsmodell | Bannerwerbung, teils Mitgliedsbeiträge | personalisierte Werbung, Creator-Ökonomie |
| Identität | Pseudonyme (MySpace) oder Klarnamen (Facebook, StudiVZ) | gemischt, Creator-Marken |
Soziale Netzwerke vs. Foren und Usenet: Foren ordnen Inhalte nach Themen, Netzwerke nach Personen. Das Profil als Mittelpunkt ist das Unterscheidungsmerkmal seit SixDegrees.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche alten Social-Media-Plattformen gab es? International SixDegrees (1997), Friendster (2002), MySpace (2003), Bebo, Orkut und Google+ (2011); in Deutschland StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ, wer-kennt-wen und Lokalisten. Alle genannten sind heute eingestellt oder bedeutungslos.
Seit wann gibt es Facebook in Deutschland? Nutzbar war Facebook in Deutschland ab der weltweiten Öffnung im September 2006, die deutsche Sprachversion erschien im März 2008. Ab 2010 war Facebook hierzulande größer als StudiVZ.
Was wurde aus StudiVZ? Nach dem Höhepunkt 2009 verlor StudiVZ seine Nutzer/innen an Facebook, wechselte mehrfach den Besitzer, meldete 2017 Insolvenz an und wurde am 31. März 2022 abgeschaltet.
Warum ist MySpace gescheitert? Überladene Profile, langsame Technik, Werbedruck nach dem Verkauf an News Corp (2005) und ein Facebook, das schneller, aufgeräumter und über Klarnamen vertrauenswürdiger wirkte. 2011 wurde MySpace für 35 Millionen Dollar verkauft.
Welches soziale Netzwerk ist 2026 das größte? Metas Plattformfamilie mit 3,60 Milliarden täglich aktiven Menschen (Juni 2026). Einzeln betrachtet führen Facebook und YouTube, bei Jugendlichen TikTok und Instagram.
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Weiterführend
- boyd, danah; Ellison, Nicole B. (2007): Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(1), 210–230.
- boyd, danah (2014): It's Complicated. The Social Lives of Networked Teens. Yale University Press.
- Kirkpatrick, David (2010): The Facebook Effect. Simon & Schuster.
- Meta Platforms (2026): Meta Reports Second Quarter 2026 Results. investor.atmeta.com
- Meta Deutschland (2018): 10 Jahre Facebook auf Deutsch. about.fb.com/de
- Wikipedia (2026): StudiVZ, MySpace, Google+, Friendster (Artikel mit Primärquellen zu Gründungs- und Abschaltdaten).
