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Das World Wide Web (WWW) ist ein auf dem Internet aufsetzender Dienst für den globalen Austausch von Dokumenten und Daten über Hyperlinks, der 1989 von Tim Berners-Lee am CERN konzipiert und am 6. August 1991 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde – eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte.

Rubrik: Mediengeschichte & Chronologie · Unterrubrik: Geschichte des Fernsehens & Digitaler Medien · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: WWW, Web, World Wide Web, „das Internet" (umgangssprachlich, technisch ungenau)


Was ist das World Wide Web?

Das World Wide Web ist ein System aus verlinkten Hypertextdokumenten, auf die über das Internet zugegriffen werden kann. Es basiert auf drei grundlegenden Technologien: HTML (HyperText Markup Language) zur Strukturierung von Dokumenten, HTTP (HyperText Transfer Protocol) zur Übertragung dieser Dokumente, und URL (Uniform Resource Locator) zur eindeutigen Adressierung von Ressourcen. Oft wird das WWW fälschlicherweise mit dem Internet gleichgesetzt – das Internet ist jedoch die zugrundeliegende Netzwerkinfrastruktur, während das Web einer von vielen darauf aufbauenden Diensten ist (neben E-Mail, FTP, etc.).


Erklärung

Vorgeschichte: Das Internet vor dem Web

Das Internet als technisches Netzwerk existierte bereits vor dem Web. Seine Wurzeln liegen im ARPANET, einem 1969 vom US-Verteidigungsministerium geförderten Forschungsnetzwerk. Das ARPANET verband zunächst vier Universitäten (UCLA, Stanford, UC Santa Barbara, University of Utah) und war darauf ausgelegt, auch nach einem atomaren Angriff funktionsfähig zu bleiben.

Die 1970er und 1980er-Jahre sahen die Entwicklung von TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) als gemeinsamer Sprache aller vernetzten Computer. 1983 wurde TCP/IP als Standard eingeführt – das eigentliche Geburtsjahr des modernen Internets als Protokoll-Standard. Das Internet dieser Phase war jedoch primär ein Netzwerk von Wissenschaftlern und Militärs, zugänglich nur über Texteingabe, ohne benutzerfreundliche Oberfläche.

Tim Berners-Lee und der Vorschlag von 1989

Tim Berners-Lee, ein britischer Informatiker am CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) in Genf, stand vor einem konkreten Problem: Das CERN beschäftigte Tausende von Forschern aus aller Welt, und deren Informationen – Dokumente, Datenbanken, Computerprogramme – waren in vollkommen verschiedenen Systemen gespeichert, die nicht miteinander kommunizieren konnten.

Im März 1989 reichte Berners-Lee einen Vorschlag bei seinem Vorgesetzten Mike Sendall ein, betitelt „Information Management: A Proposal". Sendalls handschriftliche Notiz auf dem Deckblatt wurde legendär: „Vague but exciting" (Vage, aber aufregend). Der Vorschlag skizzierte ein System verteilter Hypertext-Dokumente, die durch Links miteinander verbunden sein sollten.

Die Kerntechnologien: HTML, HTTP und URL

Zwischen 1989 und 1991 entwickelte Berners-Lee gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Cailliau die technischen Grundlagen:

HTML (HyperText Markup Language): Eine Auszeichnungssprache, mit der Textdokumente strukturiert werden können. HTML ermöglicht es, Überschriften, Absätze, Listen, Bilder und – entscheidend – Hyperlinks in Dokumente einzufügen. Ein Hyperlink ist ein anklickbares Element, das den Nutzer direkt zu einem anderen Dokument führt, wo immer dieses auch gespeichert sein mag.

HTTP (HyperText Transfer Protocol): Das Kommunikationsprotokoll, über das Browser und Server Dokumente austauschen. HTTP definiert, wie eine Anfrage eines Browsers (z.B. „Gib mir die Seite unter dieser Adresse") aussehen muss und wie der Server darauf antworten soll.

URL (Uniform Resource Locator): Die eindeutige Adresse einer Webressource, nach dem Schema http://server.domain/pfad/dokument. URLs ermöglichten es, jede Ressource im Web weltweit eindeutig zu referenzieren.

Der erste Webserver und die erste Website (1991)

Am 6. August 1991 machte Tim Berners-Lee die erste Website öffentlich zugänglich: Sie war gehostet auf einem NeXT-Computer am CERN und erklärte, was das World Wide Web sei und wie es funktioniere. Der Rechner trägt heute noch den Aufkleber: „This machine is a server. DO NOT POWER IT DOWN!!"

Die CERN-Leitung beschloss, das World Wide Web als frei nutzbar für alle freizugeben – ohne Lizenzgebühren. Diese Entscheidung, getroffen 1993, war für die globale Verbreitung des Web entscheidend. Wäre das Web proprietär gewesen (wie andere zeitgleiche Systeme, z.B. CompuServe oder AOL), hätte es sich möglicherweise nicht zur globalen Infrastruktur entwickelt.

Die Erfindung des ersten Browsers: WorldWideWeb und Mosaic

Berners-Lee entwickelte selbst den ersten Browser, den er „WorldWideWeb" nannte (später in „Nexus" umbenannt). Er lief jedoch nur auf NeXT-Computern. Den Durchbruch zur Massentauglichkeit brachte der Browser Mosaic, 1993 entwickelt an der University of Illinois von Marc Andreessen und Eric Bina. Mosaic konnte Bilder direkt in Textdokumenten anzeigen – ein entscheidender ästhetischer Schritt. Aus Mosaic wurde 1994 Netscape Navigator, der erste kommerziell erfolgreiche Browser.

Das W3C: Standardisierung des Web

1994 gründete Berners-Lee das World Wide Web Consortium (W3C), eine internationale Standardisierungsorganisation, die bis heute die technischen Standards des Web definiert. Das W3C veröffentlicht Spezifikationen für HTML, CSS, XML und zahlreiche andere Web-Technologien. Berners-Lee leitet das W3C bis heute.


Wichtige Meilensteine & Fakten

  • 1969: ARPANET verbindet erstmals vier US-Universitäten
  • 1983: TCP/IP wird als globaler Internet-Standard eingeführt
  • März 1989: Tim Berners-Lee reicht seinen Vorschlag für das Web am CERN ein
  • 1990: Berners-Lee und Cailliau entwickeln HTML, HTTP und URL
  • 6. August 1991: Erste öffentlich zugängliche Website geht online
  • 1993: CERN gibt das Web lizenzfrei frei; Mosaic-Browser erscheint
  • 1994: Netscape Navigator; Gründung des W3C
  • 1995: Kommerzielle Internetprovider expandieren; das Web wird massentauglich
  • 2024: Über 2 Milliarden Websites; ca. 5,4 Milliarden Internetnutzer weltweit

Gesellschaftliche & kulturelle Bedeutung

Das World Wide Web hat die Informationsgesellschaft erst möglich gemacht. Vor dem Web war Wissen lokalisiert – in Bibliotheken, Archiven, Expertenköpfen. Das Web demokratisierte den Zugang zu Information radikal: Jeder mit Internetanschluss kann heute auf dasselbe Wissen zugreifen wie ein Harvard-Professor.

Die kulturellen Auswirkungen sind tiefgreifend und noch nicht vollständig absehbar: das Ende klassischer Enzyklopädien (Brockhaus stellte 2014 die Printausgabe ein), der Wandel des Journalismus, neue Formen politischer Kommunikation und Mobilisierung, globale Kulturen und Subkulturen, E-Commerce, Telearbeit – all das ist unmittelbare Folge der Web-Erfindung.


Vergleich & Abgrenzung

Das Web ist nicht identisch mit dem Internet. Das Internet ist die physische und protokollarische Infrastruktur; das Web ist ein darauf aufbauender Dienst. Andere Internet-Dienste sind: E-Mail, FTP (Dateiübertragung), IRC (Chats), Usenet (Diskussionsforen), VoIP (Telefonie). Im alltäglichen Sprachgebrauch werden „Internet" und „Web" oft synonym verwendet, was technisch jedoch falsch ist.


Häufige Fragen (FAQ)

Hat Tim Berners-Lee am Internet verdient? Kaum. Berners-Lee und das CERN gaben das Web 1993 lizenzfrei an die Öffentlichkeit ab. Berners-Lee selbst patentierte seine Erfindungen nicht und machte kein Vermögen damit. Er erhielt jedoch zahlreiche Ehrungen, darunter die Verleihung des Turing Awards (2016) – dem „Nobelpreis der Informatik".

Was wäre ein Web ohne Open-Source-Entscheidung? Hätte CERN das Web proprietär gehalten, wären wahrscheinlich konkurrierende, inkompatible Systeme entstanden – ähnlich wie die geschlossenen Netzwerke von AOL, CompuServe und Prodigy in den frühen 1990er-Jahren. Die freie Zugänglichkeit war die wichtigste Voraussetzung für die globale Verbreitung.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Berners-Lee, Tim: Weaving the Web. The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web. Harper, San Francisco 1999.
  • Hafner, Katie / Lyon, Matthew: Where Wizards Stay Up Late. The Origins of the Internet. Simon & Schuster, New York 1996.
  • CERN-Dokumentation zur Web-Geschichte:
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