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Lichtplanung in Ausstellungen ist die systematische Konzeption und technische Umsetzung der Beleuchtung im Ausstellungsraum, die ästhetische, funktionale und konservatorische Anforderungen vereint.

Was ist Lichtplanung in Ausstellungen?

Licht ist das vielleicht mächtigste Gestaltungsmittel in Ausstellungen und Messeständen. Es lenkt Blicke, erzeugt Atmosphäre, schützt empfindliche Exponate und unterstützt die räumliche Orientierung. Gleichzeitig ist fehlerhafte Beleuchtung ein häufiges Problem: Überbelichtung, Blendung, falscher Farbwiedergabe oder UV-Schäden an Kunstwerken.

Professionelle Lichtplanung ist eine eigene Disziplin – in großen Museen und Messeprojekten arbeiten spezialisierte Lichtplanerinnen (Lighting Designers), die sowohl technisches als auch ästhetisches Know-how mitbringen.

Erklärung

Grundbegriffe der Lichttechnik

Lichtstrom (Lumen, lm): Gesamtmenge des ausgesandten Lichts einer Lichtquelle.

Beleuchtungsstärke (Lux, lx): Lichtstrom pro Fläche; gibt an, wie hell eine Fläche beleuchtet ist. Richtwerte: Büro ≥ 500 lx; Museumsraum 50–300 lx je nach Exponattyp; Messegänge 400–800 lx.

Farbtemperatur (Kelvin, K): Warmweiß (2.700–3.000 K) für behagliche Atmosphären; Neutralweiß (3.500–4.000 K) für Arbeitsbereiche; Tageslichtweiß (5.500–6.500 K) für technische Exponate und Messen.

Farbwiedergabeindex (Ra / CRI): Maß dafür, wie naturgetreu Farben unter einer Lichtquelle wirken. Ra 100 = Tageslicht als Referenz. Für Kunst: Ra ≥ 90; für allgemeine Messestände: Ra ≥ 80.

UV-Anteil: UV-Strahlung schädigt organische Materialien (Papier, Textil, Pigmente). Museen setzen ausschließlich UV-freie Lichtquellen ein; LED hat hier Vorteile gegenüber konventionellen Leuchtmitteln.

Lichtarten in Ausstellungen

1. Allgemeinbeleuchtung (Ambientlicht) Gleichmäßige Grundhelligkeit im Raum. Meist über Deckeneinbauleuchten oder Schienensysteme realisiert. Ziel: komfortables Ambiente ohne Blendung.

2. Akzentbeleuchtung (Spotlighting) Gerichtetes Licht auf einzelne Exponate oder Zonen. Durch enge oder weite Abstrahlwinkel (5°–60°) kann die Lichtfläche präzise gesteuert werden. Hebt Objekte aus der Umgebung heraus.

3. Hinterleuchtung und Backlit-Flächen Grafiken, Leuchtrahmen, Lightboxen. Häufig auf Messen für großformatige Kommunikationsflächen. Gleichmäßige Ausleuchtung ist technisch anspruchsvoll (Hotspot-Vermeidung).

4. Dekoratives Licht LED-Streifen, Neonröhren, Fassadenbeleuchtung, Projektionsbeleuchtung. Erzeugt Stimmung, Markenidentität, Instagrammable Moments.

5. Notbeleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung Gesetzlich vorgeschrieben (ASR A3.4, DIN EN 1838): Notausgangsleuchten, Fluchtwegbeleuchtung, Batterie-Backup bei Stromausfall.

Konservatorische Anforderungen

Für Kunst- und Kulturerbe-Ausstellungen gelten strenge Richtwerte:

ExponattypMax. BeleuchtungsstärkeMax. Jahresexpositionsdosis
Sehr empfindlich (Aquarelle, Textilien, Fotografie)50 lx15.000 lx·h/Jahr
Empfindlich (Ölgemälde, Holz, Leder)150–200 lx40.000 lx·h/Jahr
Wenig empfindlich (Metall, Stein, Glas)Keine GrenzeKeine Grenze

Quelle: ICOM/CIE 2004, überarbeitet 2023.

LED als Standard

LED (Light Emitting Diode) hat im Ausstellungsbereich Halogenlampen und Leuchtstoffröhren nahezu vollständig ersetzt:

  • Energieeffizienz: LED benötigt 70–90 % weniger Energie als Halogen bei gleicher Lichtleistung
  • Wärmeentwicklung: Kaum Wärmestrahlung Richtung Exponat – konservatorischer Vorteil
  • UV-Freiheit: Keine oder minimale UV-Emission
  • Dimmbarkeit: Stufenlose Regulierung, Farbtemperatur-Variabilität (Tunable White)
  • Lebensdauer: 25.000–50.000 Betriebsstunden (Halogen: ca. 2.000 h)

Lichtplanung auf Messeständen

Auf Messen gelten andere Prioritäten als im Museum: Aufmerksamkeit gewinnen, Produkte attraktiv präsentieren, Besucherfluss lenken. Technische Rahmenbedingungen:

  • Stromversorgung: Messegelände stellen Dreiphasenstrom bereit; Strombedarf muss im Voraus angemeldet werden (kW-Kontingente)
  • Deckenhöhe: Meist 6–12 m Hallenhöhe; Stände können bis ca. 4–5 m bauen
  • Hängeschilder: Eigene Hängepunkte am Hallendach (kostenpflichtig beim Veranstalter)
  • Lichttrassen: Mobile Stromschienen auf Ständen ermöglichen flexible Spot-Positionierung

Beleuchtungsstrategie für Messestände:

  1. Produkte und Exponate stark akzentuieren (höhere Lux als Umgebung)
  2. Loungebereiche warm und einladend beleuchten
  3. Grafiken gleichmäßig und blendfrei hinterleuchten
  4. Aufmerksamkeit durch Licht-Highlights oder Farbakzente (RGB-LED) im Fernbereich erzeugen

Beispiele

  • Rijksmuseum Amsterdam: Umbau 2013 mit vollständiger LED-Umrüstung; Tunable-White-System passt Farbtemperatur der Tageszeit und Raumstimmung an
  • Nationalgalerie Berlin (Mies van der Rohe): Tageslicht als primäres Gestaltungsmittel; Oberlicht-System filtert UV; künstliches Licht nur in Kellergalerie
  • IAA Mobility (BMW Stand): LED-Lichtrahmen rundum für Fahrzeugakzent, warmweiß für Lounge-Zonen, kalt-weiß für technische Details, farbige LED-Elemente für Markenwirkung
  • Van Gogh Alive (immersive exhibition): 100 % Projektionslicht als einzige Lichtquelle – kein Raumlicht außer der projizierten Bildwelten

In der Praxis

Lichtplanung Schritt für Schritt:

  1. Grundriss und Raumanalyse: Deckenhöhe, vorhandene Lichtquellen, Fensterlagen
  2. Konzept: Welche Bereiche sollen hervorgehoben werden? Welche Atmosphäre?
  3. Lichttechnische Berechnung: Software wie DIALux oder Relux für Lux-Simulationen
  4. Leuchtenauswahl: Hersteller (Zumtobel, ERCO, iGuzzini, Osram) nach Anforderung
  5. Elektroplanung: Schaltkreise, Dimmer, DALI-Steuerung
  6. Lichtprobe: Vor Eröffnung mit echten Exponaten testen
  7. Dokumentation: Lichtplanung für Folge-Ausstellungen archivieren

Budget-Orientierung: Für einen hochwertigen 50 m²-Messestand ca. 3.000–8.000 € nur für Beleuchtung; für eine mittelgroße Museums-Dauergalerie (500 m²) 80.000–250.000 €.

Vergleich & Abgrenzung

Ausstellungslicht vs. Architekturlicht: Architekturlicht betont Raum und Materialien; Ausstellungslicht betont Exponate und Inhalte. In Museen mit starker Architekturidentität (z. B. Neue Nationalgalerie) sind beide in Spannung.

Messeleuchten vs. Studiobeleuchtung: Studiobeleuchtung (Foto/Film) ist temporär und mobil; Messeleuchten müssen mehrtägig und robust sein, oft unter Heiß-/Kaltbedingungen in Messehallen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Farbtemperatur ist für Kunstgegenstände am besten? 2.700–3.000 K (warmweiß) für warme Materialien (Holz, Gold, Gemälde); 3.500–4.000 K für neutralere Räume und Mischsituationen. Tageslichtweiß (5.500+ K) für wissenschaftliche/technische Exponate.

Wie wird UV-Schaden verhindert? LED statt Halogen oder Leuchtstoffröhren; zusätzliche UV-Schutzfilter bei Bestandsleuchten; Abstandsregeln (mind. 50 cm Abstand Lichtquelle zu empfindlichen Materialien).

Was ist DALI-Steuerung? Digital Addressable Lighting Interface – ein Bus-System zur digitalen Einzelsteuerung von Leuchten. Ermöglicht individuelle Dimm-Profile, Szenensteuerung und Energiemonitoring.

Brauche ich einen Lichtplaner? Für Museumsneubauten und Premium-Messestände: definitiv. Für kleinere Ausstellungen kann ein erfahrener Innenarchitekt oder Ausstellungsdesigner Grundlichtplanung übernehmen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Steffy, John R. (2008): Architectural Lighting Design. 3. Aufl. New York: Van Nostrand Reinhold.
  • ERCO (2023): Lichtplanung im Museum. Lüdenscheid: ERCO GmbH. [erco.com]
  • Zumtobel (2022): Licht im Museum – technische Grundlagen und Praxisbeispiele. Dornbirn: Zumtobel Group.
  • CIE 157:2004 (rev. 2023): Control of Damage to Museum Objects by Optical Radiation. Wien: CIE.
  • DIALux (2024): Software für Beleuchtungsplanung. [dial.de]
  • Auer, Gerhard (1998): Licht – Raum – Atmosphäre. Graz: Haus der Architektur.
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