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Audiovisuelle Systeme (AV-Systeme) für Events umfassen alle technischen Komponenten zur Bild- und Tonwiedergabe bei Veranstaltungen – von Projektoren und LED-Wänden über Beschallungsanlagen bis zu Signalverteilung und Steuerinfrastruktur.

Rubrik: Messe, Event & Ausstellungsdesign · Unterrubrik: Corporate Events & Bühne · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: AV-Technik, Medientechnik, Ton- und Bildtechnik, Konferenztechnik, Eventtechnik


Was sind AV-Systeme für Events?

AV-Systeme sind das kommunikative Herzstück jeder Veranstaltung. Sie sorgen dafür, dass Inhalte – Präsentationen, Videos, Live-Bilder, Musik und Sprache – für alle Teilnehmer in gleichbleibend hoher Qualität wahrnehmbar sind. Die Wahl der richtigen AV-Komponenten hängt von Raumgröße, Tageslichtverhältnissen, Budget, Inhalt und Übertragungsanforderungen ab. Moderne AV-Systeme sind hochgradig digital und vernetzt – analoge Signalketten gehören der Vergangenheit an.


Erklärung

Bildwiedergabe: Projektion vs. LED

Die grundlegendste Entscheidung im AV-Bereich ist die Wahl zwischen Projektion und LED-Display.

Projektoren: Projektoren werfen Bilder von einer Lichtquelle durch Optik auf eine Leinwand oder Fläche. Wichtigste Kennzahl: Lumen (ANSI-Lumen oder ISO 21118-Lumen).

  • Kleiner Konferenzraum (bis 50 Pers.): 4.000–6.000 ANSI-Lumen ausreichend
  • Mittelgroßer Saal (200–500 Pers.): 15.000–25.000 ANSI-Lumen
  • Großveranstaltung/Arena: 40.000–100.000 ANSI-Lumen (Stacking mehrerer Projektoren)
  • Outdoor Mapping: 50.000–100.000+ ANSI-Lumen

Auflösungen: WUXGA (1920×1200), Full HD (1920×1080), WQXGA (2560×1600), 4K UHD (3840×2160). Für Standard-Events ist WUXGA der Profi-Standard; 4K-Projektoren gewinnen an Bedeutung für Mapping-Projekte.

Wichtige Hersteller: Christie Digital, Barco, NEC, Sony Laser-Projektoren.

Kurzabstand- vs. Standardprojektoren: Kurzabstandsbeamer (Throw Ratio < 0,8:1) ermöglichen Projektion aus wenigen Zentimetern Abstand – ideal für interaktive Installationen und beengte Räume.

LED-Wände: → Detailliert im Eintrag LED-Wände auf Events

Signalverteilung und -verarbeitung

Video-Signal-Standards:

  • HDMI 2.1: Verbreitetster Standard, bis 4K 120 fps, max. 5–8 m nativ (Extender nötig)
  • DisplayPort 1.4: Bis 8K, genutzt in professionellen Setups
  • SDI (Serial Digital Interface): Rundfunk-Standard, bis 12G-SDI für 4K, über Koaxialkabel, sehr robust, bis 100+ m
  • NDI (Network Device Interface): IP-basierte Videoübertragung über LAN-Infrastruktur; gewinnt massiv an Bedeutung

Videoswitcher und Signalprozessoren:

  • Analog Way Aquilon/LivePremier: Profi-Multi-Layer-Videoprocessor für komplexe Setups
  • Barco E2/S3: Industrie-Standard für große Event-Produktionen (Auflösungen bis 32 MP)
  • Resolume Avenue/Arena: Software-VJ-Tool für kreative Visualisierungen und Mapping-Vorbereitung

Beschallung (Sound)

Line-Array-Systeme: Professionelle Veranstaltungen nutzen Line Arrays statt konventioneller Point-Source-Lautsprecher. Line Arrays sind vertikal angeordnete Lautsprecherketten, die Schall in einer kontrollierten, zylindrischen Wellenfront abstrahlen – gleichmäßige Beschallung großer Flächen.

Hersteller: d&b audiotechnik, L-Acoustics, Meyer Sound, Electro-Voice.

Subwoofer: Für Bässe unter 100 Hz. Endfire-Array-Konfiguration ermöglicht gerichtete Bassabstrahlung (weniger Bühnenbeeinträchtigung).

Monitoring: Bühnenmonitore (Wedges) oder In-Ear-Monitoring (IEM) für Sprecher und Performer.

Digitale Mischpulte:

  • DiGiCo SD/Quantum: Premium-Segment, Tour-Standard
  • Yamaha CL/QL: Weit verbreitet im Corporate-Segment
  • Allen & Heath dLive: Wachsendes Segment, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Audio-Netzwerk: Dante (Audinate) ist der Standard für digitale Audio-Netzwerke über Cat5e/6-Kabel; ermöglicht Routing von hunderten Audio-Kanälen ohne analoge Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.

Drahtlossysteme: Shure Axient Digital, Sennheiser Digital 6000, Sony DWX – für kabellose Mikrofonie. Frequenzen müssen länderspezifisch lizenziert sein (in DE: Bundesnetzagentur).

Systemintegration und Steuerung

Moderne AV-Systeme werden über zentrale Steuerungssoftware koordiniert:

  • Crestron / AMX: Hardware-Steuerung für feste Installationen
  • Q-SYS (QSC): Integrierte AV-Steuerplattform, zunehmend bei Events
  • Show Control: Zeitcode-basierte Steuerung aller AV-Elemente (Licht, Ton, Video) aus einer Quelle – SMPTE LTC oder MIDI Timecode

Beispiele

  1. Davos World Economic Forum: Mehrere simultane Säle erfordern komplexe AV-Verteilungsinfrastruktur. Hochauflösende Projektionssysteme (Barco) übertragen Simultanübersetzung, Präsentationen und Live-Feeds aus aller Welt.
  2. Apple Special Events: Apple entwickelt für Keynotes proprietäre AV-Systeme. Das Steve Jobs Theater nutzt einen Riesenleinwand-Projektor hinter der Bühne mit über 12.000 ANSI-Lumen und ein räumliches Soundsystem mit 20+ Kanälen.
  3. Cannes Lions 2023 (Grand Palais Éphémère): Ein temporärer Veranstaltungsort mit kompletter AV-Infrastruktur für 12.000+ Delegierte – Line Arrays von d&b audiotechnik, LED-Wände von Absen, Dante-Audionetzwerk.
  4. CES Las Vegas (Consumer Electronics Show): Die weltgrößte Tech-Messe nutzt in der Las Vegas Convention Center riesige LED-Dachinstallationen und Tausende von Monitoren und Displays für Produktpräsentationen.
  5. TEDxBerlin: Zeigt, wie AV-Systeme im mittleren Budgetsegment professionelle Qualität erzielen: Barco-Projektor, d&b-Boxen, DiGiCo-Mischpult – kompaktes, hochwertiges Setup für 500 Personen.

In der Praxis

Budgetrahmen:

  • Kleines Business-Event (100 Pers.): 5.000–20.000 € AV-Technik inkl. Techniker
  • Konferenz (500 Pers.): 30.000–100.000 €
  • Großproduktion (5.000+ Pers.): 200.000–1.000.000 €+

Teamrollen:

  • AV-Projektleiter: koordiniert alle AV-Gewerke
  • Videotechniker: betreut Signalverteilung und Videoprocessing
  • Sound Engineer / FOH-Techniker: bedient Mischpult und betreut Beschallung
  • Playback-Operator: spielt Präsentationen und Videomaterial ein

Software:

  • Renewed Vision ProPresenter: Präsentationssoftware für Live-Events (besser als PowerPoint)
  • Resolume: Video-Playback und -mapping
  • Q-SYS Designer: AV-System-Design und Simulation
  • Dante Controller: Routing digitaler Audio-Kanäle

Vergleich & Abgrenzung

SystemStärkeSchwäche
ProjektorGroße Bilder, flexibelLichtempfindlich, wartungsintensiv
LED-WandHell, kontraststarkTeuer, schwer
LCD-DisplayScharf, preiswertBegrenzte Größe
OLEDPerfekte SchwarzwerteTeuer, nicht für große Flächen

Häufige Fragen (FAQ)

Wie wähle ich zwischen Projektor und LED-Wand? LED-Wände sind bei Tageslicht oder in hellen Räumen überlegen (hohe Nit-Werte). Projektoren eignen sich besser für dunkle Räume, riesige Flächen (Mapping) und wenn das Budget beschränkt ist. Unter 200 qm Bildschirmfläche ist eine große Leinwand mit Laser-Projektor oft wirtschaftlicher als eine LED-Wand derselben Größe.

Was ist der Unterschied zwischen Dante und AES67? Beide sind IP-basierte Audio-Transportprotokolle. Dante ist proprietär (Audinate) und sehr weit verbreitet, AES67 ist ein offener Standard. Moderne Dante-Geräte sind oft AES67-kompatibel. Für große Events mit gemischten Herstellern ist AES67-Kompatibilität wichtig.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Ballou, G. (2015): Handbook for Sound Engineers. 4. Aufl., Focal Press.
  • InfoComm International: AV Standards & Best Practices – www.avixa.org
  • d&b audiotechnik: Whitepaper zu Line-Array-Systemen – www.dbaudio.com
  • Audinate: Dante Overview – www.audinate.com
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