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Haptik, Griff und Fall (Drape) beschreiben, wie sich ein Stoff anfühlt (Haptik/Griff) und wie er sich unter dem eigenen Gewicht in Falten legt und am Körper fließt (Fall/Drape).

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Materialien & Textilien · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Stoffgriff, Drapierbarkeit, hand & drape

Was ist Haptik, Griff und Fall (Drape)?

Haptik, Griff und Fall (Drape) sind sensorische und mechanische Eigenschaften eines Textils. Der Griff (englisch „hand") ist das Tastempfinden beim Anfassen; der Fall oder Drape beschreibt, wie sich ein Stoff in weiche oder steife Falten legt und am Körper bewegt.

Erklärung

Der Griff eines Stoffs setzt sich aus Eindrücken wie weich/hart, glatt/rau, kühl/warm, dünn/dick und elastisch/steif zusammen. Er entsteht aus Faserart, Garnfeinheit, Gewebebindung und Ausrüstung. Erfahrene Fachleute beurteilen den Griff durch Tasten; objektiv lässt er sich mit Systemen wie KES (Kawabata Evaluation System) messen.

Der Fall oder Drape ist die Fähigkeit eines Stoffs, sich unter Schwerkraft in Falten zu legen. Ein fließender Stoff wie Seidenchiffon hat hohen Drape und bildet weiche, runde Falten; ein steifer Stoff wie Taft fällt kantig und behält Volumen. Drape bestimmt maßgeblich, welche Silhouette ein Material erlaubt – ein schwingender Rock braucht einen anderen Fall als eine architektonische, körperferne Form. Haptik, Griff und Fall (Drape) sind damit für die Stoffwahl entscheidend: Designer/innen wählen Materialien nicht nur nach Farbe und Muster, sondern vor allem nach diesem Tast- und Fließverhalten. Der Drape lässt sich mit dem Cusick-Drapemeter messen, das den Koeffizienten des Stofffalls bestimmt.

Beispiele

  • Seidenchiffon: sehr weicher Griff, hoher Drape, fließende Falten.
  • Jersey: weich und dehnbar, schmiegt sich an den Körper, mittlerer Fall.
  • Taft: glatter, knisternder Griff, geringer Drape, steht ab und hält Volumen.
  • Wollflanell: voller, warmer Griff, moderater Fall, ideal für strukturierte Kleidung.
  • Organza: steifer, transparenter Stoff mit minimalem Drape für skulpturale Formen.

In der Praxis

Bei der Entwurfsarbeit testen Designer/innen Stoffe durch Drapieren an der Schneiderpuppe, um Griff und Fall live zu beurteilen. Ein Schnitt, der für fließende Materialien gedacht ist, wirkt in einem steifen Stoff völlig anders. Wer Stoff online einkauft, sollte Muster (Hangtags) anfordern, da Griff und Fall sich nicht aus Fotos erschließen. Auch die Ausrüstung verändert den Griff: Weichmacher machen Stoffe geschmeidiger, Appreturen steifer.

Vergleich & Abgrenzung

Griff und Fall werden oft vermischt: Der Griff betrifft das Anfassen (Tastsinn), der Fall das Fließverhalten unter Schwerkraft – ein Stoff kann sich weich anfühlen und dennoch wenig fallen.

MerkmalGriff (Hand)Fall (Drape)
SinneskanalTastenSehen/Bewegung
BeschreibtOberfläche & FestigkeitFaltenwurf & Fließen
MessungKES, GriffbeurteilungCusick-Drapemeter

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Griff und Fall (Drape)? Der Griff ist das Tastempfinden beim Anfassen eines Stoffs – weich, glatt, steif. Der Fall (Drape) beschreibt, wie sich der Stoff unter seinem Eigengewicht in Falten legt und am Körper fließt. Beides ist unabhängig voneinander.

Warum ist der Drape für das Modedesign wichtig? Der Drape bestimmt, welche Silhouetten ein Stoff erlaubt. Fließende Stoffe ergeben weiche, körpernahe Formen, steife Stoffe stehen ab und ermöglichen skulpturale Designs. Die Wahl des falschen Falls lässt einen Entwurf scheitern.

Weiterführend

  • Kawabata, Sueo (1980): The Standardization and Analysis of Hand Evaluation. Textile Machinery Society of Japan.
  • Hu, Jinlian (2004): Structure and Mechanics of Woven Fabrics. Woodhead Publishing.
  • Eberle, Hannelore u. a. (2019): Fachwissen Bekleidung. Europa-Lehrmittel.
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