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Costing und Kalkulation eines Teils ist die systematische Ermittlung aller Kosten eines Kleidungsstücks – von Material und Trims über Fertigung bis zu Marge –, um Selbstkosten und Verkaufspreis zu bestimmen.

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modedesign-Prozess · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Kostenkalkulation, Cost Sheet, Pre-Costing, garment costing

Was ist Costing und Kalkulation eines Teils?

Costing und Kalkulation eines Teils ist der Vorgang, bei dem alle Kostenbestandteile eines Kleidungsstücks erfasst und zu einem Selbstkostenpreis zusammengeführt werden. Auf dieser Grundlage entsteht der Verkaufspreis. Costing entscheidet früh, ob ein Entwurf wirtschaftlich tragfähig ist – ein technisch schönes Teil, das die Kalkulation sprengt, wird selten produziert.

Erklärung

Eine Kalkulation gliedert sich typischerweise in drei Blöcke: Materialkosten, Fertigungskosten und Gemeinkosten plus Gewinn. Die Materialkosten ergeben sich aus dem Bill of Materials (BOM), das jeden Stoff, jedes Trim und jeden Faden mit Verbrauch und Einkaufspreis listet. Der Stoffverbrauch wird über die Schnittnutzung (Markerausnutzung) berechnet, inklusive Verschnitt. Die Fertigungskosten umfassen Zuschnitt, Nähen, Finishing und Qualitätskontrolle, oft als Minutenpreis (Standard Allowed Minutes).

Aus Material- und Fertigungskosten ergeben sich die Selbstkosten. Hinzu kommen Logistik, Zölle und ein Aufschlag für Gemeinkosten und Gewinn. Häufig wird mit einem Kalkulationsfaktor (Markup) vom Einkaufs- zum Verkaufspreis gerechnet. Costing und Kalkulation eines Teils erfolgt in mehreren Stufen: Pre-Costing während der Entwicklung (Schätzung), Final-Costing nach Bemusterung (verbindlich) und Re-Costing bei Mengen- oder Materialänderungen. Eine präzise Kalkulation schützt vor Margenverlust und macht sichtbar, an welcher Stelle ein Teil zu teuer ist. Costing verbindet damit die kreative mit der kaufmännischen Seite der Produktentwicklung und ist Voraussetzung für jede Produktionsentscheidung.

Beispiele

  • BOM-Aufstellung: Jeder Stoff, Knopf und Reißverschluss mit Verbrauch und Preis erfasst.
  • Markerausnutzung: Optimierter Zuschnitt senkt den Stoffverbrauch pro Teil.
  • SAM-Berechnung: Nähzeit in Minuten mal Minutenlohn ergibt die Fertigungskosten.
  • Markup-Rechnung: Selbstkosten mal Kalkulationsfaktor ergibt den Verkaufspreis.
  • Re-Costing: Stoffpreis steigt – die Kalkulation wird neu gerechnet.

In der Praxis

In der Praxis pflegen Produktentwickler/innen Cost Sheets in Tabellen oder PLM-Systemen und aktualisieren sie über den Entwicklungsverlauf. Wichtig sind realistische Verbrauchswerte und ehrliche Verschnitt-Annahmen. Schon kleine Fehler im Materialverbrauch multiplizieren sich über die Serie. Costing und Kalkulation eines Teils verlangt enge Abstimmung mit Einkauf und Produktion. Wer früh kalkuliert, kann Material oder Konstruktion noch anpassen, bevor es teuer wird.

Vergleich & Abgrenzung

Costing wird oft mit Pricing verwechselt. Costing ermittelt die Kosten von innen; Pricing bestimmt den Marktpreis von außen unter Berücksichtigung von Wettbewerb und Zahlungsbereitschaft.

MerkmalCosting und Kalkulation eines TeilsPricing
BlickrichtungKostenbasis internMarkt und Nachfrage
ErgebnisSelbstkostenVerkaufspreis am Markt
FrageWas kostet das Teil?Was zahlt der Markt?

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Costing und Pricing? Costing ermittelt die tatsächlichen Kosten eines Teils aus Material, Fertigung und Gemeinkosten. Pricing legt den Verkaufspreis fest und bezieht dabei Markt, Wettbewerb und Zahlungsbereitschaft ein. Costing liefert die Untergrenze, Pricing die Marktentscheidung.

Warum kalkuliert man mehrfach im Entwicklungsprozess? Weil sich Annahmen verändern: Das Pre-Costing schätzt früh, das Final-Costing rechnet nach der Bemusterung verbindlich, und ein Re-Costing wird nötig, wenn sich Material, Menge oder Lieferant ändern. So bleibt die Marge über den gesamten Prozess gesichert.

Weiterführend

  • Clarke-Sayer, Jo (2015): The Fashion Designer's Guide to Production. Bloomsbury.
  • Bubonia, Janace (2014): Apparel Production Terms and Processes. Fairchild Books.
  • Glock, Ruth; Kunz, Grace (2005): Apparel Manufacturing: Sewn Product Analysis. Pearson.

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