Mittelalterliche Mode bezeichnet die Kleidung Europas vom 5. bis 15. Jahrhundert, die sich von einfachen Tuniken zu körpernahen, ständisch geregelten Gewändern entwickelte.
Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modegeschichte · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Mittelalter-Kleidung, mittelalterliche Gewandung, medieval fashion
Was ist mittelalterliche Mode?
Mittelalterliche Mode umfasst die Kleidung des europäischen Mittelalters. Anfangs schlicht und drapiert, wurde sie ab dem Hochmittelalter zunehmend körpernah geschnitten. Stand, Beruf und Reichtum bestimmten, was getragen werden durfte.
Erklärung
Die mittelalterliche Mode lässt sich grob in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter gliedern. Im Frühmittelalter dominierten einfache, ungeformte Tuniken aus Wolle und Leinen. Mit dem Hochmittelalter (ab dem 12. Jahrhundert) entstanden tailliertere Schnitte wie die Cotte, ein eng anliegendes Untergewand, und der Surcot darüber. Erst jetzt entwickelte sich „Mode" im engeren Sinn — also ein bewusster, sich wandelnder Stil.
Das Spätmittelalter und die Gotik brachten extravagante Formen: lange, spitze Schnabelschuhe (Poulaines), hohe Hennin-Hauben für Frauen und die Houppelande, ein weiter, faltenreicher Übermantel. Die gotische Silhouette war schlank und betonte vertikale Linien, passend zur Architektur der Zeit.
Charakteristisch für die mittelalterliche Mode waren strenge Kleiderordnungen. Sie schrieben vor, welcher Stand welche Stoffe, Farben und Pelze tragen durfte. Seide und Purpur blieben dem Adel vorbehalten, während Bauern grobe, ungefärbte Stoffe trugen. Zünfte regelten Herstellung und Qualität. Mittelalterliche Mode war damit ein sichtbares Zeichen sozialer Ordnung.
Beispiele
- Beispiel 1: Die enge Cotte des 13. Jahrhunderts als körperbetontes Untergewand.
- Beispiel 2: Die spitzen Schnabelschuhe (Poulaines) des burgundischen Hofes.
- Beispiel 3: Die kegelförmige Hennin-Haube adliger Damen im 15. Jahrhundert.
- Beispiel 4: Die Houppelande als weiter, prächtig drapierter Übermantel.
- Beispiel 5: Grobe, ungefärbte Wollkittel der bäuerlichen Bevölkerung.
In der Praxis
Reenactment-Gruppen, Theater und Film greifen häufig auf mittelalterliche Mode zurück. Wichtig ist die korrekte Unterscheidung der Subepochen, da ein frühmittelalterliches Gewand völlig anders aussieht als eine spätgotische Houppelande. Authentische Materialien sind pflanzengefärbte Wolle und Leinen. Buchmalereien, Grabplatten und Quellen wie die Werke Herjolfsnes dienen der Forschung als Vorlage.
Vergleich & Abgrenzung
Mittelalterliche Mode wird oft mit Renaissance-Mode verwechselt. Die Renaissance brachte jedoch breitere Silhouetten, mehr Volumen und ein neues Schönheitsideal mit sich.
| Merkmal | Mittelalterliche Mode | Renaissance-Mode |
|---|---|---|
| Silhouette | Schlank, vertikal (Gotik) | Breiter, voluminöser |
| Ideal | Ständische Ordnung | Würde, Pracht |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen mittelalterlicher Mode und antiker Kleidung? Antike Kleidung war überwiegend drapiert und ungeschnitten, während mittelalterliche Mode ab dem Hochmittelalter zunehmend zugeschnitten und genäht wurde, um den Körper enger zu umschließen.
Warum gab es im Mittelalter Kleiderordnungen? Kleiderordnungen sollten die ständische Gesellschaft sichtbar machen und verhindern, dass Bürger durch teure Kleidung über ihren Stand hinaus auftraten.
Weiterführend
- Piponnier, Françoise; Mane, Perrine (2000): Dress in the Middle Ages. Yale University Press.
- Loschek, Ingrid (2005): Reclams Mode- und Kostümlexikon. Reclam, Stuttgart.
- Boucher, François (1996): 20.000 Years of Fashion. Harry N. Abrams, New York.

