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Reformkleidung und Emanzipation bezeichnet die Bewegung um 1900, die das gesundheitsschädliche Korsett ablehnte und bequeme, körpergerechte Frauenkleidung forderte.

Rubrik: Mode · Unterrubrik: Modegeschichte · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Reformkleid, Reformmode, Kleiderreform, Dress Reform

Was ist Reformkleidung und Emanzipation?

Reformkleidung und Emanzipation beschreibt eine Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die die einengende, gesundheitsschädliche Frauenmode – vor allem das Korsett – ablehnte und stattdessen lockere, vom Schulteransatz fallende Kleidung propagierte. Sie war eng mit Frauenrechten und Lebensreform verbunden.

Erklärung

Im 19. Jahrhundert formte das Korsett die weibliche Silhouette gewaltsam zur Wespentaille und schränkte Atmung und Bewegung stark ein. Ärzt/innen, Künstler/innen und frühe Frauenrechtlerinnen kritisierten dies als gesundheitsschädlich. Die Bewegung um Reformkleidung und Emanzipation forderte Kleidung, die nicht von der Taille, sondern von der Schulter getragen wird und den Körper nicht deformiert.

In den deutschsprachigen Ländern setzten sich um 1900 Lebensreform-Bewegungen und Künstlerinnen für das „Reformkleid" ein; Häuser wie das Warenhaus Wertheim und Designerinnen wie Anna Muthesius warben dafür. Auch im angelsächsischen Raum gab es Dress-Reform-Bewegungen, etwa rund um die „Bloomers" (weite Hosen nach Amelia Bloomer). Die Befreiung vom Korsett wurde schließlich auch von der Haute Couture aufgegriffen: Paul Poiret verbannte um 1906 das Korsett aus seinen Entwürfen. Reformkleidung und Emanzipation gilt damit als wichtiger Schritt hin zur modernen, bewegungsfreundlichen Frauenmode des 20. Jahrhunderts und ist eng mit dem Streben nach gesellschaftlicher Gleichstellung verknüpft.

Beispiele

  • Beispiel 1: Das von der Schulter fallende Reformkleid um 1900.
  • Beispiel 2: Die „Bloomers" – weite Hosen nach Amelia Bloomer (Mitte 19. Jh.).
  • Beispiel 3: Anna Muthesius und das „Eigenkleid der Frau" (1903).
  • Beispiel 4: Paul Poirets korsettlose Silhouette ab etwa 1906.
  • Beispiel 5: Sportkleidung für radfahrende Frauen als Reform-Anstoß.

In der Praxis

Für das Verständnis der Modegeschichte ist die Reformbewegung ein Schlüsselmoment: Sie zeigt, wie eng Kleidung, Körperbild und gesellschaftliche Rollen verflochten sind. Kostümbildner/innen, die Settings um 1900 gestalten, müssen den Gegensatz zwischen korsettierter Mode und Reformkleid kennen. Auch heutige Debatten um Bequemlichkeit, Gendergrenzen und Körperideale lassen sich historisch auf diese Bewegung zurückführen.

Vergleich & Abgrenzung

Reformkleidung steht im direkten Gegensatz zur korsettierten Mode ihrer Zeit.

MerkmalReformkleidungKorsettmode (19. Jh.)
TrageweiseVon der Schulter fallendVon der Taille geformt
ZielGesundheit, BewegungWespentaillen-Ideal

Häufige Fragen (FAQ)

Was war das Ziel der Reformkleidung? Ziel war eine gesündere, bequemere Frauenkleidung ohne einschnürendes Korsett – Kleidung, die von der Schulter fällt, Bewegungsfreiheit ermöglicht und den Körper nicht deformiert. Die Bewegung war eng mit Emanzipation verbunden.

Wer befreite die Mode vom Korsett? Mehrere Strömungen: Reform- und Lebensreform-Bewegungen um 1900 sowie in der Haute Couture Paul Poiret, der das Korsett ab etwa 1906 aus seinen Entwürfen verbannte.

Weiterführend

  • Loschek, Ingrid (2005): Reclams Mode- und Kostümlexikon. Reclam, Stuttgart.
  • Steele, Valerie (2001): The Corset: A Cultural History. Yale University Press, New Haven.
  • Ober, Karin (1998): Reformkleidung um 1900. (in: Steele, Valerie, Encyclopedia of Clothing and Fashion).
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