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First-Party Data sind Daten, die ein Unternehmen direkt von seinen Kunden und Nutzern erhebt – durch eigene Kanäle wie Website, App, CRM oder E-Mail-Kommunikation – und die der Nutzer bewusst und im Rahmen einer Einwilligung zur Verfügung stellt.

Rubrik: Online-Marketing & Content · Unterrubrik: Performance Marketing · Niveau: Fortgeschritten


Was ist First-Party Data?

In einer Welt, in der Third-Party Cookies zunehmend verschwinden, Datenschutzgesetze strenger werden und Nutzer mehr Kontrolle über ihre Daten einfordern, sind First-Party Data zum wichtigsten strategischen Asset im digitalen Marketing geworden.

Laut Forrester Research (2023) bezeichnet First-Party Data die Gesamtheit aller Informationen, die eine Organisation direkt von ihrer Zielgruppe erhält – ohne den Umweg über Dritte. Dies umfasst Verhaltens-, Transaktions-, demografische und kontextuelle Daten aus eigenen Quellen.

Der Wert von First-Party Data ist immens: 88 % der Top-Marketingverantwortlichen in einer Deloitte-Studie (2023) bezeichnen First-Party Data als entscheidend für ihre Marketingstrategie der nächsten drei Jahre.


Erklärung

Die vier Datenkategorien

Das digitale Marketing unterscheidet vier Datenkategorien nach ihrer Herkunft:

#### First-Party Data

Daten, die ein Unternehmen direkt von seinen eigenen Nutzern und Kunden erhebt:

  • Website-Verhaltensdaten: Besuchte Seiten, Klickpfade, Verweildauer, gesuchte Begriffe (via Analytics).
  • Transaktionsdaten: Kaufhistorie, Warenkorbdaten, Zahlungsinformationen (aus E-Commerce-System oder CRM).
  • E-Mail-Daten: Öffnungsraten, Klickverhalten auf E-Mails, Abonnenten-Segment.
  • App-Daten: In-App-Verhalten, Feature-Nutzung, Push-Notification-Reaktionen.
  • CRM-Daten: Kontaktinformationen, Kundensegmente, Service-History, Sales-Aktivitäten.
  • Umfrage- und Feedback-Daten: Kundenzufriedenheits-Scores (NPS, CSAT).

Eigentümerschaft: Das Unternehmen ist alleiniger Eigentümer dieser Daten; sie können ohne Lizenzgebühren unbegrenzt genutzt werden.

#### Zero-Party Data

Zero-Party Data (Begriff geprägt von Forrester Research, 2020) sind Daten, die Nutzer aktiv und bewusst teilen – mit ausdrücklicher Absicht. Der Unterschied zu First-Party Data liegt in der Aktivität: Der Nutzer gibt die Informationen explizit preis.

Beispiele:

  • Präferenz-Umfragen und Quiz (z. B. „Was sind deine Lieblingsmarken?")
  • Wunschlisten und gespeicherte Favoriten
  • Selbst ausgefüllte Präferenz-Center (z. B. E-Mail-Einstellungen)
  • Profilangaben in Member-Bereichen

Zero-Party Data gelten als die wertvollsten Daten überhaupt, da sie vom Nutzer intentional und ohne Interpretationsspielraum geteilt werden.

#### Second-Party Data

Daten, die von einem Geschäftspartner direkt bezogen werden – also First-Party Data eines anderen Unternehmens, die im Rahmen einer Partnerschaft geteilt werden. Beispiel: Eine Fluggesellschaft teilt Reisedaten mit einem Hotelnetzwerk-Partner.

#### Third-Party Data

Daten, die von externen Datenanbietern (Data Brokers) gesammelt und verkauft werden. Sie basieren meist auf Tracking über viele Websites hinweg (Cookie-basiert) und sind durch DSGVO und das Cookie-Ende stark unter Druck geraten.

Warum First-Party Data so wichtig geworden ist

  1. Ende der Third-Party Cookies: Google hat das Ende der Third-Party Cookies in Chrome mehrfach verschoben, peilt nun 2024/2025 an. Ohne Third-Party Cookies entfällt cookie-basiertes Cross-Site-Tracking nahezu vollständig.
  2. DSGVO und Datenschutzgesetze: Die DSGVO schränkt die Nutzung von Nutzerdaten ohne Einwilligung stark ein. First-Party Data mit gültigem Consent sind die datenschutzrechtlich sicherste Option.
  3. iOS-Einschränkungen: Apple's ATT-Framework seit iOS 14.5 (2021) schränkt das App-Tracking erheblich ein.
  4. Steigende Kosten für Paid Advertising: Wer Targeting auf eigenen Daten aufbauen kann, ist weniger abhängig von teuer werdenden Plattform-Audiences.

First-Party Data Strategy: Aufbau und Nutzung

Schritt 1 – Daten erfassen:

  • Klarheit über alle eigenen Datenpunkte und -quellen
  • Consent-Management-Platform (CMP) einrichten
  • Analytics (GA4, Piwik Pro) korrekt implementieren
  • CRM als zentrales Datenhub etablieren

Schritt 2 – Daten integrieren (CDP): Eine Customer Data Platform (CDP) aggregiert First-Party Data aus allen Quellen und erstellt einheitliche Kundenprofile (Single Customer View). Bekannte CDPs: Salesforce Data Cloud, Segment, mParticle, Bloomreach.

Schritt 3 – Daten aktivieren:

  • Lookalike Audiences auf Basis von CRM-Daten auf Ad-Plattformen
  • Personalisierte E-Mail-Kampagnen
  • On-Site-Personalisierung (Produktempfehlungen, angepasste Inhalte)
  • Enhanced Conversions für präziseres Conversion-Tracking

Beispiele

  1. Modeshop – Personalisierung via CDP: Ein Online-Modeshop nutzt eine CDP, um Browsing-, Kauf- und E-Mail-Daten zu verbinden. Nutzer, die Schuhe angesehen haben, sehen auf der Homepage automatisch passende Schuh-Empfehlungen und erhalten E-Mails mit Schuh-Angeboten.
  2. Medienverlage – Zero-Party Data Strategie: Ein Nachrichtenportal ersetzt Werbecookies durch ein freiwilliges Nutzerprofil-System: Leser geben Themenpräferenzen an, erhalten dafür personalisierte Inhalte. Die Daten werden für Interest-based Advertising genutzt.
  3. B2B-SaaS – CRM-Activation: Ein Software-Unternehmen exportiert seine Bestandskunden als Customer-Match-Liste und erstellt 1 %-Lookalike Audiences auf LinkedIn und Google für Neukundenakquise.
  4. Lebensmittelhersteller – Zero-Party über Quiz: Eine Marke für Nahrungsergänzungsmittel bietet einen Gesundheits-Quiz an. Nutzer erhalten eine persönliche Produktempfehlung und erklären sich mit der Speicherung ihrer Gesundheitspräferenzen einverstanden.
  5. E-Commerce – Enhanced Conversions: Ein Online-Shop implementiert Googles Enhanced Conversions: Bei jedem Kauf werden gehashte E-Mail-Adressen an Google übermittelt, was die Conversion-Messung um 15 % verbessert (Google Case Study, 2023).

In der Praxis

Consent als Fundament: First-Party Data, die ohne gültigen Consent gesammelt wurden, sind rechtlich problematisch. Eine solide CMP-Implementierung ist Voraussetzung.

Data Quality: Datenqualität ist oft das größte Problem. Veraltete E-Mail-Adressen, Duplikate und inkonsistente Datenfelder machen CRM-Daten weniger wertvoll. Regelmäßige Data-Hygiene ist essenziell.

Incentivierung: Nutzer teilen Daten, wenn sie einen klaren Mehrwert erhalten. Loyalty-Programme, personalisierte Erlebnisse, Rabatte und exklusive Inhalte sind bewährte Incentives.


Vergleich & Abgrenzung

DatentypHerkunftQualitätDatenschutzKosten
Zero-PartyNutzer gibt aktivSehr hochSehr sicherMittel (Incentive)
First-PartyEigene KanäleHochSicherNiedrig
Second-PartyPartnerunternehmenMittelEingeschränktMittel
Third-PartyExterne AnbieterNiedrig–MittelKritischHoch

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der praktische Unterschied zwischen First-Party und Zero-Party Data? First-Party Data entsteht passiv durch Nutzerverhalten (Klicks, Käufe, Seitenbesuche), das das Unternehmen beobachtet. Zero-Party Data entsteht aktiv, wenn der Nutzer selbst Informationen eingibt – z. B. in einem Formular, Quiz oder Präferenz-Center. Zero-Party Data sind expliziter, präziser und benötigen weniger Interpretation.

Brauche ich eine CDP? Nicht zwingend. Für kleinere Unternehmen kann ein CRM-System mit E-Mail-Marketing-Integration ausreichen. CDPs lohnen sich, wenn First-Party Data aus vielen verschiedenen Quellen (Website, App, POS, E-Mail, CRM) zusammengeführt werden müssen.


Verwandte Einträge

  • Cookieless Future
  • Consent Management
  • Meta Ads Targeting

Weiterführend

  • Forrester Research (2023). The State of First-Party Data 2023.
  • Chaffey, D. & Ellis-Chadwick, F. (2022). Digital Marketing (7. Aufl.). Pearson.
  • eMarketer (2024). First-Party Data Strategies in a Cookieless World.
  • Deloitte (2023). CMO Survey: Data-Driven Marketing Trends.
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