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Social Media Algorithmen sind die automatisierten, KI-gestützten Entscheidungssysteme, die bestimmen, welche Inhalte einem Nutzer in seinem Feed angezeigt werden – und damit maßgeblich über Reichweite, Engagement und Wachstum von Accounts und Inhalten entscheiden.

Rubrik: Online-Marketing & Content · Unterrubrik: Performance Marketing · Niveau: Fortgeschritten


Was sind Social Media Algorithmen?

Kein soziales Netzwerk zeigt seinen Nutzern alle verfügbaren Inhalte in chronologischer Reihenfolge – das Informationsvolumen wäre schlicht unüberschaubar. Stattdessen sortieren Algorithmen die Inhalte nach ihrer vorhergesagten Relevanz für jeden einzelnen Nutzer.

Für Unternehmen, Marken und Creator ist das Verständnis dieser Algorithmen entscheidend: Ein Post, den der Algorithmus nicht bevorzugt, erreicht nur einen Bruchteil der potenziellen Followerschaft. Laut einer Studie von Hootsuite (2023) erreicht ein durchschnittlicher organischer Facebook-Post nur noch 2,6 % der Follower einer Seite.

Algorithmen basieren auf maschinellem Lernen und nutzen Hunderte, teils Tausende von Signalen. Die genauen Gewichtungen sind proprietär und werden nie vollständig offengelegt – Plattformen geben aber Grundprinzipien bekannt.


Erklärung

TikTok – Die For-You-Page (FYP)

TikToks For-You-Page (FYP) gilt als der viralste und demokratischste Algorithmus im Social-Media-Ökosystem. Er ermöglicht es jedem neuen Creator, viral zu gehen – unabhängig von bestehender Followerschaft.

Wie die FYP funktioniert: TikTok hat in einem offiziellen Blogpost (2023) die wichtigsten Ranking-Faktoren offengelegt:

  1. User Interactions (Nutzersignale):

- Videos, die vollständig angeschaut werden (Completion Rate), werden stark bevorzugt. - Likes, Kommentare, Shares und „Nicht interessiert"-Klicks beeinflussen das Profil. - Re-Watches (Video mehr als einmal ansehen) sind ein starkes Positivsignal.

  1. Video Information (Content-Signale):

- Verwendete Sounds / Musikstücke - Hashtags (besonders Trend-Hashtags) - Text-Overlay und Keywords in Beschreibung - Videoqualität und Originalität

  1. Device und Account Settings:

- Sprache, Land, Gerätetyp (geringere Gewichtung)

Besonderheit der FYP: Im Gegensatz zu anderen Plattformen ist die bestehende Follower-Anzahl kaum relevant. TikTok testet neuen Content in kleinen Batches: Ein Video wird zunächst an eine kleine Testgruppe (~200–500 Nutzer) ausgespielt. Überzeugt die Engagement-Rate, wird der Content einem größeren Publikum gezeigt – iterativ bis zum viralen Effekt oder zum Ende der Distribution.

Optimierungsstrategie für TikTok:

  • Erste 2–3 Sekunden entscheidend (Hook, um Swipe Away zu verhindern)
  • Vollständige Video-Watch-Time maximieren (Cliffhanger, offene Fragen)
  • Kommentare provozieren (Fragen stellen, Diskussionen anstoßen)
  • Trending Sounds nutzen (werden vom Algorithmus bevorzugt)
  • Regelmäßige Posting-Frequenz (1–3 Videos/Tag für maximales Wachstum)

Instagram – Algorithmus und Ranking (2024)

Instagram nutzt nicht einen einzigen Algorithmus, sondern verschiedene Systeme für verschiedene Feed-Bereiche (Feed, Stories, Reels, Explore). Adam Mosseri (Instagram-Chef) hat 2023 die wichtigsten Faktoren für den regulären Feed erklärt:

Feed und Stories:

  1. Activity: Welche Posts der Nutzer in der Vergangenheit geliked, kommentiert und geteilt hat – definiert seine Interessen.
  2. Information about the post: Wie populär ist der Post (Likes, Kommentare, Shares, Saves)? Wie schnell wächst das Engagement? Wann wurde er gepostet?
  3. Information about the poster: Wie nah ist die Verbindung zum Nutzer? Wie oft hat der Nutzer mit dem Account interagiert?
  4. Your history with that person: Hat der Nutzer diesen Account regelmäßig interagiert?

Für Reels (2024): Reels werden stärker an neue Nutzer (Non-Followers) ausgespielt als reguläre Posts. Key-Signale: Watch Time, Replays, Likes, Shares über DM, Saves. Instagram bevorzugt Original-Content (kein TikTok-Wasserzeichen).

Für Explore: Zeigt Inhalte, die ähnlich zu dem sind, was ein Nutzer mag, aber von Accounts, denen er nicht folgt. Engagement-Rate in den ersten 30 Minuten ist entscheidend.

Saves als starkes Signal: Gespeicherte Beiträge (Saves) signalisieren Instagram, dass ein Inhalt besonders wertvoll ist – stärker als Likes.

LinkedIn – Feed-Algorithmus

LinkedIns Algorithmus unterscheidet sich grundlegend von TikTok und Instagram: Er bewertet nicht nur Content-Qualität, sondern auch professionelle Relevanz und Netzwerktiefe.

LinkedIn Feed-Ranking-Faktoren (laut LinkedIn Engineering Blog, 2023):

  1. Persönliche Verbindungen: Inhalte von Personen aus dem 1st-Degree-Netzwerk werden bevorzugt.
  2. Relevanz: Passt der Content zu den beruflichen Interessen des Nutzers (Job, Branche, Skills)?
  3. Engagement Likelihood: Basierend auf historischem Verhalten: Welche Content-Typen engaged der Nutzer?
  4. Content-Qualität: LinkedIn bewertet Content-Qualität über ein mehrstufiges Filtersystem:

- Stufe 1: Spam-Filter (automatisch) - Stufe 2: Maschinenlernen bewertet Qualität - Stufe 3: Bei hohem Engagement: Menschliche Bewertung (Quality Review)

  1. Creator Mode: Profile mit Creator Mode erhalten mehr Reichweite für ihre Beiträge.

Was LinkedIn-Algorithmus bevorzugt:

  • Native Dokumente (PDF Carousels) haben höchste Impressionsraten
  • Persönliche, authentische Erfahrungsberichte > Unternehmens-News
  • Polls generieren hohes Engagement
  • Externe Links (URLs) werden leicht deprioritisiert
  • Video (nativ hochgeladen) erhält zunehmend Boost

LinkedIn Newsletter: Eine Besonderheit: LinkedIn-Newsletter werden direkt an alle Abonnenten per E-Mail-Benachrichtigung zugestellt – mit Öffnungsraten von 20–50 % deutlich besser als Feed-Posts.


Beispiele

  1. TikTok – Viraler Health-Creator: Ein Ernährungsberater postet täglich TikToks über Ernährungsmythen. Sein 47. Video erzielt durch einen Trending Sound und eine provokante Frage 2,3 Millionen Views – ohne vorige große Followerschaft.
  2. Instagram – Carousel-Strategie: Eine Social-Media-Agentur stellt fest, dass ihre Carousel-Posts (Mehrbildbeiträge) dreimal mehr Saves und doppelt so viele Kommentare erhalten wie Einzelbilder. Sie stellt ihre Content-Strategie auf 80 % Carousels um.
  3. LinkedIn – Document Post: Eine Unternehmensberaterin postet regelmäßig als PDF-Carousel hochgeladene Checklisten. Ein 10-seitiger „LinkedIn Algorithmus Guide" erreicht 85.000 Impressionen und generiert 230 neue Follower.
  4. Instagram Reels vs. Static: Ein Online-Shop vergleicht: Static Posts erreichen durchschnittlich 2.000 Nutzer (Follower); Reels mit 15s-Produktpräsentation im TikTok-Stil erreichen 18.000 Nutzer (inkl. Non-Followers).
  5. TikTok – B2B-Kanzlei: Eine Anwaltskanzlei startet einen TikTok-Account mit Rechtsinfo-Videos. Durch konsequente Educational-Content-Strategie und Nutzung des FYP-Algorithmus erreicht sie in 6 Monaten 80.000 Follower – primär durch organische FYP-Distribution.

In der Praxis

Algorithmus-Updates: Algorithmen ändern sich ständig. Was 2022 funktionierte, kann 2024 weniger effektiv sein. Empfehlung: Plattform-eigene Kommunikationskanäle (Meta Business Blog, LinkedIn Engineering Blog, TikTok Newsroom) verfolgen.

Erste Stunde entscheidend: Auf Instagram und TikTok ist die Engagement-Rate in den ersten 60 Minuten nach dem Posting besonders relevant. Posten, wenn die Zielgruppe aktiv ist; aktiv auf erste Kommentare antworten.

Engagement Pods als Grey Area: Gruppen, die gegenseitig Inhalte liken und kommentieren, um den Algorithmus zu manipulieren, sind von Plattformen nicht erlaubt und zunehmend erkennbar.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalTikTok FYPInstagram Feed/ReelsLinkedIn Feed
Follower-AbhängigkeitSehr niedrigMittelHoch
Virales PotenzialSehr hochMittel-hochMittel
Watch Time als SignalPrimärStarkWeniger relevant
B2B-RelevanzMittelMittelSehr hoch
Reichweite organischHoch für neue CreatorSinkendMittel

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich den Algorithmus „austricksen"? Kurzfristig ja, langfristig nein. Techniken wie Engagement-Bots, gekaufte Follower oder Keyword-Stuffing in Beschreibungen werden von Plattformen zunehmend erkannt und führen zu Reichweiten-Einschränkungen (Shadow Banning). Nachhaltig funktioniert nur echter, relevanter Content, der bei der Zielgruppe Resonanz erzeugt.

Warum sehen nicht alle Follower meine Posts? Algorithmen zeigen Inhalte nur dann aktiv im Feed, wenn eine hohe Engagement-Wahrscheinlichkeit prognostiziert wird. Follower, die selten interagieren, sehen Posts seltener. Regelmäßiges Posting, hohe Engagement Rates und Variationen im Content-Mix helfen, mehr Followern im Feed sichtbar zu bleiben.


Verwandte Einträge

  • TikTok Ads
  • Influencer Marketing
  • Content Marketing Strategie

Weiterführend

  • Hootsuite (2024). Social Media Trends Report 2024.
  • TikTok Newsroom (2023). How TikTok Recommends Videos For You.
  • Instagram (2023). How Instagram's Ranking Algorithm Works – Adam Mosseri.
  • Chaffey, D. & Ellis-Chadwick, F. (2022). Digital Marketing (7. Aufl.). Pearson.
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