John Lasseter ( 12. Januar 1957 in Hollywood, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Animator, Filmregisseur und ehemaliger Kreativchef von Pixar und Walt Disney Animation Studios, der mit Toy Story* (1995) den ersten vollständig computeranimierten Spielfilm der Geschichte schuf und die Erzählkunst des Animationsfilms in das digitale Zeitalter führte.
Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Animatoren & VFX-Pioniere · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „der Seele von Pixar", John Alan Lasseter
Biografie / Geschichte
John Lasseter wuchs in Whittier, Kalifornien, auf und entwickelte bereits als Kind eine Leidenschaft für Zeichentrick. Er besuchte das California Institute of the Arts (CalArts), eine von Walt Disney gegründete Kunsthochschule, und war dort Mitschüler von späteren Größen wie Brad Bird und Tim Burton. Nach seinem Abschluss 1979 begann er als Animator bei Disney, wo er an Filmen wie The Fox and the Hound (1981) arbeitete.
Bei Disney erkannte Lasseter früh das Potenzial der Computergrafik für die Animation. Als sein Pilotprojekt Where the Wild Things Are mit CGI-Hintergrundtechnologie vom Management abgelehnt wurde, verließ er Disney 1983. Er wechselte zur Computergrafik-Abteilung von Lucasfilm, die kurz darauf unter dem Namen Pixar Communications eigenständig wurde, nachdem Steve Jobs 1986 die Gruppe für 5 Millionen Dollar aufkaufte.
Bei Pixar schuf Lasseter eine Reihe wegweisender Kurzfilme. Luxo Jr. (1986) – ein spielerischer Kurzfilm über zwei Schreibtischlampen – war der erste Animationsfilm, der auf der SIGGRAPH-Konferenz für Computergrafik gezeigt wurde und dort für Begeisterungsstürme sorgte. Tin Toy (1988) gewann den ersten Oscar für einen computeranimierten Film.
Der historische Moment kam 1995: Toy Story, von Lasseter inszeniert, war der erste vollständig computeranimierte Spielfilm der Geschichte. Die Geschichte über die Rivalität zwischen dem Cowboy Woody und dem Astronauten Buzz Lightyear war ein weltweiter Kassenhit und definierte das Animationskino neu. Lasseter folgte mit A Bug's Life (1998), Toy Story 2 (1999) und Cars (2006). Als Disney 2006 Pixar für 7,4 Milliarden Dollar übernahm, wurde Lasseter Chief Creative Officer sowohl von Pixar als auch von Walt Disney Animation Studios.
2017 trat Lasseter nach Vorwürfen unangemessenen Verhaltens gegenüber Mitarbeiterinnen von seinen Posten zurück und verließ Pixar und Disney 2018. Er übernahm danach die Leitung von Skydance Animation.
Technische Innovationen & Stil
Lasseters größte Innovation war kein technisches Verfahren, sondern eine kreative Überzeugung: Computeranimation ist nur dann gut, wenn sie von starken Geschichten und überzeugenden Charakteren getragen wird. Er bestand darauf, dass Pixar primär ein Storytelling-Studio sei, das zufällig Computertechnologie verwendet – nicht umgekehrt.
In der praktischen Animationsarbeit führte Lasseter traditionelle Disney-Animationsprinzipien (die Twelve Principles) in die CGI-Animation ein. Er war einer der Ersten, der bewies, dass die klassischen Konzepte von Anticipation, Squash and Stretch und Follow-Through auch im dreidimensionalen Computerraum funktionieren – und sogar besser eingesetzt werden können als zuvor.
Sein ästhetisches Credo: Jede Figur braucht eine klar definierte Welt-Logik, in der sich ihre Bewegungen und Entscheidungen natürlich anfühlen. Die Obsession mit physikalisch glaubwürdigem Material – wie sich Holz von Plastik unterscheidet, wie ein Stoff fällt, wie Licht auf Haut bricht – ist sein direktes Erbe an Pixar.
Wichtige Werke
- Luxo Jr. (1986) – Erster Pixar-Kurzfilm, der Lampenschirm ist Pixars Logo geworden
- Tin Toy (1988) – Erster Oscar für computeranimierten Kurzfilm
- Toy Story (1995) – Erster vollständig computeranimierter Spielfilm der Geschichte
- A Bug's Life (1998) – Zweiter Pixar-Spielfilm, Ensemble-Comedy-Meisterwerk
- Toy Story 2 (1999) – Einer der seltenen Fälle, in denen die Fortsetzung den Erstling übertrifft
- Cars (2006) – Persönlichstes Werk, Ode an die amerikanische Route 66
- Kreative Aufsicht über WALL-E (2008), Up (2009), Frozen (2013)
Einfluss & Bedeutung
John Lasseters Einfluss auf das Animationskino ist epochal. Er bewies, dass Computeranimation nicht nur ein technisches Werkzeug ist, sondern ein vollwertiges künstlerisches Medium. Toy Story löste eine globale Transformation der Animationsindustrie aus: Innerhalb eines Jahrzehnts hatten alle großen Studios von traditioneller Zeichentrick-Animation auf CGI umgestellt.
Unter Lasseters kreativer Führung erlebte nicht nur Pixar, sondern auch Walt Disney Animation Studios eine Renaissance: Küss den Frosch (2009), Tangled (2010) und Frozen (2013) markierten eine neue goldene Ära des Disney-Zeichentricks. Sein Erbe ist ambivalent – kreativ unbestreitbar epochal, menschlich durch die Vorwürfe 2017 dauerhaft beschädigt.
Häufige Fragen (FAQ)
Was macht Toy Story so historisch wichtig? Toy Story war der erste Spielfilm, der vollständig mit Computeranimation erstellt wurde, ohne eine einzige handgezeichnete Szene. Damit zeigte er der Welt, dass CGI nicht nur für Spezialeffekte taugt, sondern das primäre Medium eines ganzen Films sein kann. Die Verbindung von technischer Pionierarbeit und emotionalem Storytelling machte den Film zudem zu einem unmittelbaren Publikumserfolg.
Warum hat Lasseter Pixar verlassen? Im November 2017 räumte John Lasseter nach einer internen Untersuchung unangemessenes Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen ein und trat von seinen Führungspositionen zurück. Dieser Rücktritt war Teil der breiteren #MeToo-Debatte der Entertainmentindustrie. Er verließ Pixar und Disney 2018 endgültig.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- David A. Price: The Pixar Touch – The Making of a Company (2008, Alfred A. Knopf)
- Karen Paik: To Infinity and Beyond – The Story of Pixar Animation Studios (2007, Chronicle Books)
- Pixar Animation Studios:
