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Ub Iwerks (* 24. März 1901 in Kansas City, Missouri – † 7. Juli 1971 in Burbank, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Animator, Trickfilmkünstler und Technikpionier, der Mickey Mouse zeichnete, die Multiplane-Kamera mitentwickelte und als technischer Direktor bei Disney die Grundlagen der modernen Filmtechnik legte.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Animatoren & VFX-Pioniere · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Ubbe Ert Iwerks, „der Mann, der Mickey Mouse zeichnete"


Biografie / Geschichte

Ubbe Ert Iwerks wurde am 24. März 1901 in Kansas City geboren, als Sohn eines deutschen Einwanderers. Schon früh zeigte er außergewöhnliches zeichnerisches Talent. Im Jahr 1919 lernte er den gleichaltrigen Walt Disney bei der Werbeagentur Pesmen-Rubin Art Studio kennen – eine Begegnung, die beide Leben und die gesamte Animationsgeschichte verändern sollte.

Gemeinsam gründeten Iwerks und Disney 1921 das kurzlebige Iwerks-Disney Commercial Artists Studio. Nach dessen Scheitern arbeiteten beide bei der Kansas City Film Ad Company, bevor Disney 1923 nach Hollywood aufbrach. Iwerks folgte ihm 1924 und wurde zum Schlüsselzeichner der frühen Disney-Produktionen. Er war für seine atemberaubende Zeichengeschwindigkeit berühmt – Berichten zufolge konnte er bis zu 700 Zeichnungen pro Tag anfertigen, eine Leistung, die unter Kollegen als legendär galt.

Als Disney 1928 die Rechte an Oswald dem Hasen verlor, war es Iwerks, der in wenigen Wochen die Figur des Micky Maus entwarf und animierte. Der erste Micky-Maus-Film mit Ton, Steamboat Willie (1928), wurde fast vollständig von Iwerks animiert. Sein charakteristischer runder Stil – kreisbasierte Formen, die leicht zu animieren waren – prägte das visuelle Erscheinungsbild der Figur und des gesamten frühen Disney-Studios.

1930 verließ Iwerks das Disney-Studio im Streit, vor allem wegen Differenzen über Anerkennung und Bezahlung, und gründete sein eigenes Studio. Dort schuf er die Figuren Flip the Frog und Willie Whopper, die jedoch nicht den Erfolg von Mickey Mouse erreichten. Das Studio geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste schließen. 1940 kehrte Iwerks zu Disney zurück – diesmal jedoch nicht als Animator, sondern als technischer Direktor.

In dieser zweiten Phase seiner Karriere bei Disney entfaltete Iwerks sein technisches Genie vollständig. Er arbeitete an der Verbesserung der Xerografie für Animation, entwickelte Techniken für Optische Drucker und arbeitete an frühen Formen der Bluscreen-Technologie. Für Alfred Hitchcocks Die Vögel (1963) entwickelte er spezielle Compositing-Verfahren, die echte Vögel mit schauspielerischen Aufnahmen kombinierten – eine technische Pionierleistung, die ihm 1965 einen Ehren-Oscar einbrachte.


Technische Innovationen & Stil

Iwerks' wichtigster technischer Beitrag war die Mitentwicklung der Multiplane-Kamera, die 1937 erstmals im Kurzfilm The Old Mill eingesetzt wurde und 1938 einen Technik-Oscar erhielt. Die Kamera schichtete mehrere Glasebenen mit Animationsmaterial übereinander und bewegte die Kamera durch diese Ebenen – das erzeugte eine realistische Tiefenwirkung, die bislang in Zeichentrickfilmen nicht möglich war. Bahnbrechend war die Wirkung in Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937), wo Waldszenen eine unvergleichliche räumliche Tiefe gewannen.

Als Animator zeichnete sich Iwerks durch geometrische Klarheit aus: Seine Figuren bestanden aus einfachen Kreisen und Ovalen, die schnell und konsistent animiert werden konnten. Diese methodische Herangehensweise war nicht nur künstlerisch durchdacht, sondern auch produktionstechnisch genial – sie erlaubte schnelle Reproduzierbarkeit in einer Zeit, in der Studios unter enormem Termindruck standen.

Später erfand Iwerks verbesserte Verfahren für den optischen Drucker, mit dem mehrere Filmstreifen übereinandergelegt werden konnten. Diese Technik bildete die Grundlage für spätere Compositing-Verfahren in der gesamten Filmindustrie.


Wichtige Werke

  • Steamboat Willie (1928) – Primärer Animator, Debüt von Mickey Mouse mit synchronem Ton
  • Plane Crazy (1928) – Erster Mickey-Mouse-Film, von Iwerks in nur zwei Wochen animiert
  • The Skeleton Dance (1929) – Erster Silly Symphony-Film, stilprägend für Grusel-Komödie-Animation
  • The Old Mill (1937) – Erstmaliger Einsatz der Multiplane-Kamera
  • Flip the Frog (1930–1933) – Eigene Figur aus dem eigenen Studio
  • Die Vögel (1963, Alfred Hitchcock) – Compositing-Technik für echte Vögel
  • Technische Mitarbeit an Mary Poppins (1964) – Kombination Live-Action und Animation

Einfluss & Bedeutung

Ub Iwerks gehört zu den am meisten unterschätzten Pionieren der Filmgeschichte. Jahrzehntelang wurde er vor allem als „Disneys Zeichner" wahrgenommen, doch seine Bedeutung reicht weit über diese Rolle hinaus. Die Multiplane-Kamera, die er mitentwickelte, veränderte grundlegend, wie Animationsfilme räumliche Tiefe erzeugen konnten – ein Prinzip, das in digitaler Form in 3D-Computergrafik bis heute wirksam ist.

Seine Arbeit im Bereich Compositing und optischer Drucktechnik legte Fundamente, auf denen spätere VFX-Studios wie Industrial Light & Magic aufbauten. Ohne Iwerks' technische Innovationen wären viele visuelle Effekte des 20. Jahrhunderts nicht realisierbar gewesen.

Sein Ehren-Oscar von 1965 würdigte sein Lebenswerk auf dem Gebiet der technischen Filminnovation. Erst posthum setzte eine breitere Würdigung seiner Leistungen ein – heute gilt Iwerks als gleichrangiger Schöpfer des Disney-Universums neben Walt Disney selbst.


Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist Ub Iwerks so wenig bekannt? Walt Disney war der brillante Vermarkter und Visionär, der die öffentliche Bühne beherrschte. Iwerks zog die stille Arbeit hinter den Kulissen vor und war kein öffentlicher Mensch. Zudem sicherte sich Disney vertraglich die Namensrechte an Mickey Mouse, sodass Iwerks' Beitrag lange im Hintergrund blieb. Historische Forschungen haben seine zentrale Rolle jedoch längst anerkannt.

Was genau ist die Multiplane-Kamera? Die Multiplane-Kamera ist eine Filmkamera, unter der mehrere horizontale Glasscheiben mit gemalten oder gezeichneten Hintergründen übereinandergestapelt werden. Wenn die Kamera auf diese Schichten zubewegt wird, entsteht eine echte Parallaxen-Tiefenwirkung – Objekte im Vordergrund bewegen sich schneller als solche im Hintergrund, genau wie im realen Leben.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Don Peri: Working with Walt – Interviews with Disney Artists (2008, University Press of Mississippi)
  • Dokumentarfilm: The Hand Behind the Mouse: The Ub Iwerks Story (1999, Regie: Leslie Iwerks)
  • Walt Disney Family Museum:
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