Alfred Stieglitz ( 1. Januar 1864, Hoboken, New Jersey – † 13. Juli 1946, New York City) war ein US-amerikanischer Fotograf, Galerist und Herausgeber, der als bedeutendster Vorkämpfer der Fotografie als Kunstform in den USA gilt, die Photo-Sezession gründete, die einflussreiche Zeitschrift Camera Work* herausgab und mit seiner Galerie 291 in New York europäische Avantgarde einem amerikanischen Publikum vorstellte.
Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Fotografen · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Stieglitz; Ehemann und Förderer der Malerin Georgia O'Keeffe
Biografie
Alfred Stieglitz wurde am 1. Januar 1864 in Hoboken, New Jersey, als ältester Sohn einer deutsch-jüdischen Familie geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Wollhändler, der die Familie 1881 nach Deutschland schickte, damit Alfred dort Maschinenbau studierte. In Berlin entdeckte Stieglitz die Fotografie, kaufte sich 1883 seine erste Kamera und begann zu photographieren – zunächst aus technischem Interesse, dann mit wachsender Leidenschaft.
In den frühen 1890er-Jahren kehrte Stieglitz nach New York zurück und begann seinen lebenslangen Kampf, Fotografie als gleichwertiges Kunstmedium neben Malerei und Skulptur zu etablieren. Er schloss sich der Camera Club of New York an und war maßgeblich an der internationalen Ausstellungstätigkeit beteiligt.
1902 gründete Stieglitz die Photo-Sezession – eine lose Gruppe amerikanischer Fotografen, die sich der künstlerischen Fotografie verschrieb und sich damit gegen die dominierende kommerzielle und amateurhafte Fotografie absetzte. Der Name war bewusst gewählt: Die Wiener Sezession von Klimt und Schiele stand Pate für eine ähnliche Abspaltung in der Fotografie.
Von 1903 bis 1917 gab Stieglitz die Zeitschrift Camera Work heraus, die er auf eigene Kosten produzierte. Camera Work war eines der aufwendigsten Kunstpublikationen seiner Zeit: Hochwertige Gravüren und Heliogravüren der fotografischen Meisterwerke, begleitet von kunstkritischen Essays. Camera Work veröffentlichte nicht nur Fotografien, sondern auch Essays über Rodin, Matisse und Picasso – und stellte damit Fotografie in den Kontext der zeitgenössischen Avantgardekunst.
1905 eröffnete Stieglitz die Galerie 291 (nach ihrer Adresse an der Fifth Avenue 291 benannt), die zum wichtigsten Ort für moderne Kunst in Amerika wurde. Hier zeigte er nicht nur Fotografie, sondern – zum ersten Mal in den USA – Werke von Picasso, Matisse, Brancusi, Braque, Cézanne und anderen europäischen Avantgardisten.
Stieglitz' eigenes fotografisches Werk entwickelte sich im Lauf der Zeit von Piktorialismus zu Straight Photography. Seine Serie „Equivalents" (1922–1934), Aufnahmen von Wolken, die er als emotionale und psychologische Äquivalente innerer Zustände verstand, gilt als Vorläufer der abstrakten Fotografie.
Ab 1918 photographierte er intensiv seine Partnerin und spätere Frau, die Malerin Georgia O'Keeffe: Hunderte von Aufnahmen, die ihren Körper, ihr Gesicht und ihre Hände zeigen und als eines der umfassendsten und intimsten Porträtprojekte der Fotografiegeschichte gelten.
Alfred Stieglitz starb am 13. Juli 1946 in New York.
Stil & Arbeitsweise
Stieglitz' frühe Arbeit stand im Zeichen des Pictorialismus: Langzeitbelichtungen, Platinabzüge, weiche Konturen – Techniken, die Fotografie malerisch erscheinen lassen sollten. Sein Bild „The Steerage" (1907), das Einwanderer auf einem Dampfschiff zeigt, markierte den Übergang zu einem klareren, direkteren Stil.
In seinen späten Werken – den „Equivalents" – verfolgte Stieglitz eine andere Vision: Er wollte zeigen, dass Fotografie innere Zustände und Emotionen ausdrücken kann, ohne auf narrative oder dokumentarische Funktion angewiesen zu sein. Wolken als abstrakte Formen wurden zum Medium seelischer Expression.
Wichtige Werke & Serien
- Winter – Fifth Avenue (1893): Eine Schneegestöber-Szene auf der Fifth Avenue; eines der ersten Bilder, das Stieglitz international bekannt machte.
- The Steerage (1907): Aufnahme eines Unterdecks voller Einwanderer auf einem Dampfschiff; gilt als Übergang von Pictorialismus zu Straight Photography.
- Equivalents (1922–1934): Serie von Wolkenaufnahmen, die Stieglitz als emotionale Äquivalente innerer Zustände verstand – Vorläufer der abstrakten Fotografie.
- Georgia O'Keeffe-Porträts (1918–1937): Über 350 Aufnahmen seiner Partnerin; eines der umfassendsten Porträtprojekte der Fotografiegeschichte.
- Gelatin Silver Prints New York City: Stadtansichten von New York aus den 1890er und 1900er Jahren, die das frühe urbane Leben dokumentieren.
Einfluss & Bedeutung
Alfred Stieglitz ist die Schlüsselfigur bei der Etablierung von Fotografie als Kunstform in den USA. Ohne seine Galerien, Publikationen und sein unermüdliches Engagement wäre die Anerkennung der Fotografie als ernstzunehmendes Kunstmedium um Jahrzehnte verzögert worden. Die Photo-Sezession, Camera Work und die Galerie 291 schufen den institutionellen Rahmen, in dem künstlerische Fotografie in Amerika sichtbar und diskutiert werden konnte.
Sein Einfluss auf Edward Weston, Ansel Adams und eine ganze Generation amerikanischer Fotografen ist direkt: Stieglitz definierte die Maßstäbe für fotografische Qualität und künstlerischen Anspruch, an denen sich die Nachfolgenden messen mussten.
Häufige Fragen (FAQ)
Was war Camera Work? Camera Work war eine von Stieglitz von 1903 bis 1917 herausgegebene Kunstzeitschrift, die hochwertige Reproduktionen fotografischer Meisterwerke enthielt und Fotografie im Kontext der zeitgenössischen Avantgardekunst präsentierte. Die 50 erschienenen Ausgaben zählen heute zu den wertvollsten Kunstpublikationen des frühen 20. Jahrhunderts.
Was bedeutet der Begriff „Pictorialismus"? Pictorialismus (oder Piktorialismus) bezeichnet eine fotografische Bewegung um 1890–1920, die Fotografie durch malerische Techniken – Weichzeichnung, atmosphärische Effekte, ungewöhnliche Druckverfahren – als Kunstmedium zu legitimieren suchte. Die Bewegung entstand als Reaktion auf die Vorstellung, dass Fotografie ein rein mechanisches Verfahren sei, das keine künstlerische Leistung erfordert. Stieglitz war zunächst ein führender Vertreter des Pictorialismus, wandte sich aber später der Straight Photography zu.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Greenough, Sarah: Alfred Stieglitz: The Key Set (2 Bände). Abrams/National Gallery of Art, New York/Washington, 2002.
- Homer, William Innes: Alfred Stieglitz and the American Avant-Garde. New York Graphic Society, Boston, 1977.
- Metropolitan Museum of Art, New York: www.metmuseum.org
