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Andreas Gursky (* 15. Januar 1955, Leipzig; lebt und arbeitet in Düsseldorf) ist ein deutscher Fotokünstler, der mit enormen, digital bearbeiteten Fotografien von Menschenmassen, Industriearchitektur, Finanzmärkten und Landschaften internationale Bekanntheit erlangte und mit „Rhein II" (1999/2011) das bis dahin teuerste je versteigerte Foto hielt.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Fotografen · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Kein geläufiger Spitzname; Teil der „Düsseldorfer Schule" (Becher-Schüler)

Biografie

Andreas Gursky wurde am 15. Januar 1955 in Leipzig geboren. Sein Vater Willy Gursky war Werbefotograf, und so wuchs Gursky mit Fotografie als selbstverständlichem Teil seiner Lebenswelt auf. Die Familie zog früh nach Westdeutschland, und Gursky wuchs in Düsseldorf auf.

Gursky studierte zunächst Visuelle Kommunikation an der Folkwangschule in Essen (1978–1981) und wechselte dann an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er Schüler von Bernd und Hilla Becher wurde. Die Bechers waren bekannt für ihre systematische Fotodokumentation industrieller Bauten (Wassertürme, Hochöfen, Grubenhäuser) in einem streng sachlichen Schwarz-Weiß-Stil. Ihre Schüler – neben Gursky auch Thomas Ruff, Thomas Struth und Candida Höfer – werden als „Düsseldorfer Schule" oder „Becher-Schüler" bezeichnet und haben die zeitgenössische Kunstfotografie weltweit geprägt.

Gursky schloss sein Studium 1987 ab und begann, seinen eigenständigen Stil zu entwickeln. Anders als die sachliche Typologien der Bechers interessierte sich Gursky für monumentale, überfordernde Bilder, die menschliche Zivilisation von einer distanzierten, oft erhabenen Perspektive zeigen.

In den frühen 1990er-Jahren begann Gursky, digitale Bearbeitung in seine Arbeit einzuführen. Er kombiniert mehrere Aufnahmen desselben Motivs, entfernt störende Elemente und verändert Farben und Kontraste, um ein Bild zu schaffen, das so nicht in der Realität existiert – sondern eine kommentierte, verdichtete Aussage über die Realität darstellt. Diese Methode unterscheidet Gurskys Arbeit von der traditionellen Dokumentarfotografie.

Gurskys Bilder werden in extremen Überformaten gedruckt – oft mehrere Meter breit – und erzeugen so eine physisch überwältigende Präsenz, die kleine Reproduktionen nicht annähernd vermitteln können.

Im November 2011 wurde seine Fotografie „Rhein II" (1999) bei Christie's New York für 4,338 Millionen Dollar versteigert – damals der höchste je für eine Fotografie bezahlte Preis.

Gursky hat seit 1994 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne und ist selbst ein einflussreicher Lehrer.

Stil & Arbeitsweise

Gursky arbeitet mit Großformatkameras, die er auf erhöhten Positionen aufstellt – auf Tribünen, Brücken, Berghängen – um eine frontale, distanzierte Totalperspektive zu erzielen. Seine Aufnahmen werden oft als Zusammensetzung mehrerer Einzelaufnahmen digital zu einem einzigen, nahtlosen Bild kombiniert.

Das Ergebnis sind Bilder, die etwas von Satellitenaufnahmen haben: Die Welt aus einer Vogelperspektive, die den Menschen klein wirken lässt und globale Muster sichtbar macht. Menschenmassen in Gurskys Bildern werden zu Mustern, zu Texturen – zu Elementen einer abstrakten Komposition.

Seine Arbeit bewegt sich zwischen Dokumentarfotografie, konzeptueller Kunst und Malerei. Die monumentalen Formate erinnern an Historienmalerei oder an die Landschaftsgemälde der Romantik – und tatsächlich wird Gursky oft in diesem kunsthistorischen Kontext diskutiert.

Wichtige Werke & Serien

  • Rhein II (1999): Eine horizontal komprimierte, digital bereinigte Aufnahme des Rheins bei Düsseldorf – ein Streifen Fluss, flankiert von grünen Rasenflächen und grauem Himmel. Schlicht, grandios, und das teuerste Foto der Kunstgeschichte (Stand 2011).
  • Chicago Board of Trade II (1999): Eine Menschenmasse von Börsenmaklern in der Chicagoer Rohstoffbörse – ein Bild globalisierter Finanzwirtschaft.
  • 99 Cent (1999): Innenaufnahme eines 99-Cent-Discount-Stores in Los Angeles, die sich zu einem Panorama des globalen Konsums entfaltet.
  • Bahrain I (2005): Luftaufnahme einer Formel-1-Rennstrecke in der Wüste – ein geometrisches Ornament zwischen Asphalt und Sand.
  • Shanghai (2000): Glasfassaden eines Hochhauses in Shanghai, gespiegelt und vervielfältigt, bis die Architektur zur abstrakten Textur wird.
  • Prada I (1996): Großformatige Interieur-Aufnahme des Prada-Ladens in New York, die Mode und Luxus als abstrakte Farbkomposition inszeniert.

Einfluss & Bedeutung

Andreas Gursky hat die zeitgenössische Kunstfotografie international geprägt und den Markt für großformatige Kunstfotografie mitbegründet. Seine Bilder sind in allen bedeutenden Sammlungen der Welt vertreten und haben gezeigt, dass Fotografie – kombiniert mit digitaler Bearbeitung – Aussagen über globale Systeme und Zivilisation machen kann, für die andere Kunstmedien keine vergleichbar direkte Sprache haben.

Zusammen mit seinen Kommilitonen aus der Düsseldorfer Schule (Struth, Ruff, Höfer) hat Gursky die konzeptuelle Fotografie als eigenständige Kunstform in der internationalen Kunstwelt etabliert. Sein Einfluss auf nachfolgende Generationen von Fotokünstlern ist erheblich.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Rhein II eine unveränderte Fotografie? Nein. Gursky hat für „Rhein II" mehrere Aufnahmen desselben Motivs digital zusammengesetzt und dabei störende Elemente – Industrieanlagen, Wege, Menschen – aus dem Bild entfernt. Das Ergebnis ist eine Ideallandschaft, die so in der Realität nicht existiert. Gursky bezeichnet seine Bilder nicht als Dokumentation, sondern als Aussagen über die Realität.

Was ist die Düsseldorfer Schule? Die Düsseldorfer Schule bezeichnet eine Gruppe von Fotografen, die an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher studierten. Zu dieser Gruppe gehören neben Gursky auch Thomas Struth, Thomas Ruff, Candida Höfer und andere. Gemeinsam haben sie die konzeptuelle Großformatfotografie geprägt und sind heute allesamt international anerkannte Fotokünstler.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Syring, Marie Luise (Hrsg.): Andreas Gursky: Werke / Works 80–08 (Ausstellungskatalog). Hatje Cantz, Ostfildern, 2008.
  • Museum Kunstpalast Düsseldorf: www.smkp.de
  • Sprüth Magers Galerie: www.spruethmagers.com
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