← Zurück zu Persönlichkeiten
Diane Arbus (* 14. März 1923, New York City – † 26. Juli 1971, New York City) war eine US-amerikanische Fotografin, die mit einfühlsamen und verstörenden Porträts von Menschen am Rand der Gesellschaft – Kleinwüchsigen, Transvestiten, Heiminsassen und anderen Außenseitern – ein Werk schuf, das die Grenzen der Porträtfotografie nachhaltig verschoben hat.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Fotografen · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Diane Nemerov (Geburtsname)

Biografie

Diane Nemerov wurde am 14. März 1923 in New York City als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, deren Eltern ein erfolgreiches Pelz- und Modegeschäft betrieben. Aufgewachsen in Wohlstand und behütet, entwickelte sie schon früh das Gefühl, von der Realität des Lebens abgeschnitten zu sein – ein Gefühl, das ihr späteres fotografisches Werk entscheidend prägen sollte.

Mit achtzehn Jahren heiratete sie den Fotografen Allan Arbus; gemeinsam gründeten sie ein erfolgreiches Modeatelier und arbeiteten für Magazine wie Vogue und Glamour. Diese kommerzielle Modefotografie befriedigte Diane Arbus jedoch nicht. In den 1950er-Jahren begann sie, bei verschiedenen Fotografen Privatunterricht zu nehmen, darunter bei dem einflussreichen Lissitzkier Alexey Brodovitch und vor allem bei Lisette Model, die Arbus entscheidend beeinflusste.

In den frühen 1960er-Jahren begann Arbus, im Alleingang durch New York zu streifen und Menschen zu fotografieren, die sie faszinierten: Freaks auf Jahrmärkten, Transvestiten in Downtown-Bars, Zwergenfamilien in ihren Wohnungen, Bewohner psychiatrischer Heime. Sie fotografierte niemals versteckt – sie trat offen auf ihre Motive zu, baute Vertrauen auf und bat um Erlaubnis. Viele ihrer Motive wurden zu Bekanntschaften, manchmal zu Freundschaften.

1963 und 1966 erhielt sie Guggenheim-Stipendien für ihr Projekt über „amerikanische Riten, Bräuche und Institutionen". 1967 zeigte das Museum of Modern Art in New York ihre Arbeit in der einflussreichen Ausstellung „New Documents" zusammen mit Lee Friedlander und Garry Winogrand – eine Ausstellung, die eine neue Generation gesellschaftskritischer Dokumentarfotografie vorstellte.

Diane Arbus litt ihr Leben lang unter schweren Depressionen. Am 26. Juli 1971 nahm sie sich in ihrer Wohnung in New York das Leben. Sie war 48 Jahre alt. Ein Jahr später, 1972, wurde sie posthum die erste amerikanische Fotografin, deren Werk auf der Biennale in Venedig gezeigt wurde.

Stil & Arbeitsweise

Arbus arbeitete mit einer Rolleiflex und später einer Mamiya C33, beide Mittelformatkameras, die quadratische Aufnahmen liefern. Sie verwendete Blitzlicht, auch bei Tageslicht, was ihren Bildern eine charakteristische direkte, flache Ausleuchtung gab – weit entfernt vom schmeichelnden Licht professioneller Porträtfotografen.

Ihre Motive schauen oft direkt in die Kamera, was eine seltsame Intimität und Konfrontation erzeugt. Arbus wollte die Beziehung zwischen Fotografin und Modell sichtbar machen – das Bild als Dokument einer Begegnung, nicht als heimliche Beobachtung. Ihr Ziel war es, das zu fotografieren, was andere nicht sehen oder nicht sehen wollen, ohne Urteil und ohne Sensationslust.

Der Kunstkritiker Susan Sontag kritisierte Arbus' Arbeit scharf: Sie vorwerfe, die Andersartigkeit ihrer Motive zu exhibitionieren. Andere Kritiker und Fotografen sehen in Arbus' Werk eine radikal demokratische Vision: dass alle Menschen es verdienen, gesehen zu werden.

Wichtige Werke & Serien

  • Child with Toy Hand Grenade in Central Park, N.Y.C. (1962): Ein aufgewühlter Junge hält eine Spielzeughandgranate; das Bild fasst Kindheit, Aggression und gesellschaftliche Normalität in einem einzigen verstörenden Bild.
  • Identical Twins, Roselle, New Jersey (1967): Zwei identische Zwillingsmädchen in Sonntagskleidern; das Bild wurde zu einem Hauptreferenzpunkt für Doppelgänger-Motive in der Populärkultur (es inspirierte Kubricks The Shining).
  • A Jewish Giant at Home with His Parents in the Bronx, N.Y. (1970): Ein riesiger junger Mann steht in einem kleinen Wohnzimmer, während seine kleinen Eltern ihn betrachten – eine der eindringlichsten Familienporträtaufnahmen der Fotogeschichte.
  • Transvestite with Torn Stocking, N.Y.C. (1966): Ein frühes und einfühlsames Bild queerer Identität, zu einer Zeit, in der solche Darstellungen kaum öffentlich möglich waren.
  • Untitled-Serie (1969–1971): Aufnahmen aus Einrichtungen für geistig Behinderte, die Arbus kurz vor ihrem Tod schuf und die die am stärksten polarisierte Arbeit ihres Lebens darstellen.

Einfluss & Bedeutung

Diane Arbus hat die Porträt- und Dokumentarfotografie fundamental verändert. Sie zeigte, dass das fotografische Porträt nicht repräsentieren, sondern konfrontieren kann – dass Würde und Fremdheit kein Widerspruch sind. Ihre Arbeit erweiterte den Begriff des fotografisch Darstellbaren und ermöglichte nachfolgenden Fotografen wie Nan Goldin, Larry Clark und anderen, intime und gesellschaftlich marginalisierte Lebenswelten ohne Beschönigung zu dokumentieren.

Arbus' Werk ist nach wie vor polarisierend: Während die einen es als Exploitation sehen, sehen andere darin einen radikalen Humanismus. Diese Spannung macht ihre Bilder bis heute relevant und diskussionswürdig. Ihre Retrospektive im MoMA 1972 war eine der meistbesuchten Fotoausstellungen in der Geschichte des Museums.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie näherte sich Diane Arbus ihren Motiven? Arbus bat immer offen um Erlaubnis und baute oft über Monate hinweg Beziehungen zu ihren Motiven auf, bevor sie fotografierte. Sie war überzeugt, dass das Vertrauen zwischen Fotografin und Modell im Bild selbst sichtbar wird. Sie fotografierte nie heimlich und lehnte den Ansatz ab, Menschen ohne ihr Wissen zu fotografieren.

Was ist das Besondere an Arbus' Bildformat? Arbus arbeitete mit quadratischen Mittelformatkameras, deren quadratisches Bildformat zu einem Markenzeichen ihrer Arbeit wurde. Das Quadrat zwingt den Blick in die Bildmitte und erzeugt eine gewisse Symmetrie und Frontalität, die zu ihrer direkten, konfrontativen Bildsprache passt. Sie akzeptierte den quadratischen Rahmen nie als Einschränkung, sondern als Teil der Komposition.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Bosworth, Patricia: Diane Arbus: A Biography. Alfred A. Knopf, New York, 1984.
  • Arbus, Diane: Diane Arbus: An Aperture Monograph. Aperture Foundation, New York, 1972 (posthum herausgegeben).
  • Aperture Foundation, New York: www.aperture.org
← Zurück zu Persönlichkeiten
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar