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Steve McCurry ( 23. April 1950, Philadelphia; lebt und arbeitet in New York) ist ein US-amerikanischer Fotojournalist und Reisefotograf, der mit dem „Afghan Girl" (1984) das meistpublizierte Cover in der Geschichte des National Geographic* schuf und dessen Werk aus über vier Jahrzehnten Asien, Kriege und menschliche Kulturen in Farbe dokumentiert.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Fotografen · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Kein geläufiger Spitzname; Magnum-Vollmitglied

Biografie

Steve McCurry wurde am 23. April 1950 in Philadelphia, Pennsylvania, geboren. Er studierte Filmwissenschaft an der Penn State University und arbeitete nach seinem Abschluss zunächst bei einer lokalen Zeitung. 1978 zog er nach Indien, das sein erstes großes fotografisches Territorium wurde und dem er bis heute treu geblieben ist.

Der frühe Durchbruch seiner Karriere kam 1979, als McCurry illegally in das von sowjetischen Truppen kontrollierte Afghanistan einreiste – versteckt in einheimischer Kleidung, mit in seine Kleider eingenähten Filmen. Seine Aufnahmen aus dem Widerstandskampf der Mudschaheddin waren unter den ersten überhaupt, die die sowjetische Invasion dokumentierten, und erschienen auf dem Titel von Time und anderen großen Zeitschriften. Diese Arbeit begründete seinen internationalen Ruf.

McCurry arbeitete fortan regelmäßig für National Geographic, Life, TIME und andere Publikationen. Er dokumentierte Konflikte und Kriege in vielen Teilen der Welt: den sowjetisch-afghanischen Krieg, den Golfkrieg 1991 (wo er die brennenden Ölfelder Kuwaits fotografierte), den Libanonkrieg, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien.

Die wichtigste Aufnahme seiner Karriere entstanden 1984 in einem Flüchtlingslager in Pakistan: McCurry fotografierte ein circa zwölfjähriges Mädchen aus Afghanistan – ihre stechend grünen Augen, ihre trotzige und zugleich verletzliche Haltung. Das Bild erschien im Juni 1985 auf dem Cover von National Geographic und wurde eines der bekanntesten Magazincover der Geschichte. Das Mädchen blieb jahrzehntelang unbekannt; erst 2002 gelang es National Geographic, sie zu identifizieren: Sharbat Gula, zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa zwölf Jahre alt, lebte in Pakistan.

1986 trat McCurry Magnum Photos bei und wurde 1992 Vollmitglied. Er setzt seine Arbeit bis in die Gegenwart fort und hat Afghanistan zu einem seiner wichtigsten Langzeitprojekte gemacht: Mehr als dreißig Besuche über vier Jahrzehnte, von der sowjetischen Invasion bis zum erneuten Taliban-Regime nach 2021.

Stil & Arbeitsweise

McCurry arbeitet in Farbe – und zwar in leuchtenden, reichen Farben, die seine Bilder unverwechselbar machen. Lange Zeit arbeitete er mit Kodachrome-Diafilm, der für seine besonders satten, tiefen Farben bekannt war. Als Kodachrome 2010 eingestellt wurde, war McCurry einer der letzten Fotografen, der damit gearbeitet hatte; er organisierte die Entwicklung der letzten Filmrolle.

McCurrys Bilder zeichnen sich durch intensive Farbkomposition, starken direkten Kontakt zwischen Motiv und Kamera (oft Augenkontakt) und eine warme, empathische Grundhaltung aus. Er fotografiert vorwiegend Menschen – einzelne Personen, Gruppen, Familien – und bevorzugt natürliches Licht.

McCurry wurde mehrfach vorgeworfen, Bilder digital zu manipulieren (2016 wurden Fotos mit entfernten Personen publik). McCurry entgegnete, er sehe seine Arbeit als Kunst, nicht als strenge Dokumentarfotografie. Diese Debatte entzündete eine breitere Diskussion über die Grenzen der fotografischen Manipulation im Fotojournalismus.

Wichtige Werke & Serien

  • Afghan Girl (Sharbat Gula) (1984): Das meistpublizierte National-Geographic-Cover; grünäugiges Mädchen im Flüchtlingslager Pakistan; ein Bild, das zum Symbol des afghano-sowjetischen Krieges und des Flüchtlingsschicksals wurde.
  • Brennende Ölfelder, Kuwait (1991): Apokalyptische Farbaufnahmen der nach dem Golfkrieg brennenden Ölfelder – surreal, grandios, erschreckend.
  • Indien-Serien: Jahrzehntelange Dokumentation des Lebens in Indien; Festivals, Alltag, Porträts.
  • Monsoon (1995, Buch): Fotodokumentation des Monsuns in Südasien – Regen, Überflutungen, Erneuerung.
  • Looking East (Buchreihe): McCurrys umfangreiche Dokumentation Asiens in mehreren Bänden.
  • The Iconic Photographs: Veröffentlichung seiner bekanntesten Einzelbilder in einem Überblicksband.

Einfluss & Bedeutung

Steve McCurry hat die Reise- und Reportagefotografie maßgeblich geprägt und gezeigt, wie Farbfotografie dieselbe emotionale Tiefe und Unmittelbarkeit erreichen kann wie Schwarz-Weiß. Das „Afghan Girl" ist eine der wenigen Fotografien, die universelle Bekanntheit erlangt haben und kulturübergreifend als Symbol für Verletzlichkeit, Würde und die Schönheit des menschlichen Gesichts erkannt werden.

McCurrys Langzeitdokumentation Asiens – insbesondere Afghanistans – hat eine Tiefe und Kontinuität, die im Fotojournalismus selten ist. Er ist nicht nur Beobachter, sondern ein historischer Zeuge, der die Transformation einer Region über mehr als vier Jahrzehnte festgehalten hat.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer ist das „Afghan Girl"? Das „Afghan Girl" ist Sharbat Gula, eine Paschtumin aus Afghanistan, die 1984 im Alter von etwa zwölf Jahren im Flüchtlingslager Nasir Bagh in Pakistan fotografiert wurde. Ihre Identität blieb bis 2002 unbekannt, als ein National Geographic-Team sie nach langer Suche fand. Sharbat Gula lebte zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Familie in Afghanistan. Ihre Geschichte – von der Kindheit im Flüchtlingslager bis zu ihrer Rückkehr nach Afghanistan und ihrer späteren Verhaftung und Ausweisung aus Pakistan wegen gefälschter Dokumente – ist selbst eine Geschichte der modernen Geschichte Afghanistans.

Ist Steve McCurrys Fotografie Dokumentarfotografie oder Kunst? Diese Frage ist seit einem Skandal 2016 Gegenstand einer Debatte: Es wurde bekannt, dass McCurry Personen aus veröffentlichten Fotos digital entfernt hatte. McCurry erklärte daraufhin öffentlich, er sei kein Fotojournalist in strengem Sinne, sondern Künstler. Diese Positionierung unterscheidet ihn von Fotografen wie Nachtwey, die strikte dokumentarische Standards einhalten. In der Praxis ist McCurrys Werk eine Mischung aus Reportage und ästhetisch geleiteter Bildgestaltung.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • McCurry, Steve: Untold: The Stories Behind the Photographs. Phaidon, London, 2013.
  • McCurry, Steve: In the Shadow of Mountains. Phaidon, London, 2008.
  • Steve McCurry offizielle Website: www.stevemccurry.com
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