Paula Scher (* 6. Oktober 1948, Washington, D.C.) ist eine US-amerikanische Grafikdesignerin und Partnerin bei Pentagram New York, die durch ihr expressives, typografisch dominiertes Werk – insbesondere die Identität des Public Theater New York – zu einer der prägendsten Designerinnen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts wurde.
Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Grafikdesigner · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: –
Biografie
Paula Scher wuchs in Washington, D.C. auf und studierte an der Tyler School of Art der Temple University in Philadelphia, wo sie 1970 ihren BFA erwarb. Schon im Studium entwickelte sie eine Leidenschaft für Typografie und Schriftgeschichte – eine Leidenschaft, die ihr gesamtes Werk prägen sollte.
Nach dem Studium begann sie bei CBS Records als Art Director zu arbeiten, wo sie über zehn Jahre lang Hunderte von Plattencovers gestaltete. Diese frühen Arbeiten zeigen bereits Schers charakteristische Mischung aus historischen Typografiestilen und provokanter Komposition. Sie zitierte Plakatstile des frühen 20. Jahrhunderts, russischen Konstruktivismus und Art Deco – lange bevor Postmodernismus als Begriff im Designdiskurs etabliert war.
1984 gründete sie gemeinsam mit Terry Koppel das Büro Koppel & Scher. 1991 wurde sie Partnerin bei Pentagram, dem weltweit renommiertesten Designbüro mit Kollektivstruktur. Dort begann ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Public Theater in New York – eine der bedeutendsten Designer-Institution-Partnerschaften der Designgeschichte.
Scher lehrt seit Jahrzehnten an der School of Visual Arts in New York und ist Autorin mehrerer Bücher. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem AIGA Medal, der höchsten Auszeichnung für Grafikdesign in den USA, und 2013 mit dem Lifetime Achievement Award des Cooper Hewitt National Design Museum.
Designstil & Philosophie
Schers Handschrift ist unverkennbar: großformatige, meist serifenlose oder historisch aufgeladene Typografie, die den Bildraum dominiert, Farbe als Stimmungsträger, eine Freude am Zitat und an der Kollision von Stilen. Sie greift auf historische Druckvorlagen zurück – Zirkusplakate, Viktorianer, Propagandaplakate des frühen 20. Jahrhunderts – und überführt sie in eine zeitgemäße, bewusst laute Designsprache.
Für Scher ist Typografie immer auch politisch und kulturell situiert: Schriften tragen Geschichte, und wer sie einsetzt, nimmt Stellung. Sie ist eine Meisterin des expressiven Großformats – Gebäudefassaden, Stadtmöblierungen und Rauminstallationen sind für sie natürliche Ausdrucksfelder.
Wichtige Werke & Projekte
- Public Theater Identity (ab 1994): Ikonisches Erscheinungsbild mit fetten, gestapelten Schriften; verwandelte das Theater in einen kulturellen Ankerpunkt der New Yorker Stadtszenerie.
- Citibank / Citi Corporate Identity (1998): Schlichtes, kraftvolles Logo – gebogener Bogen über dem „t" als Symbol für Überbrückung.
- The Metropolitan Opera: Kommunikationsmaterial und Plakatreihen für die Met.
- Plattencovers für CBS Records (1970er/80er): Hunderte von Covern, darunter Arbeiten für Boston, Patti Smith und Eric Gale.
- Typografische Wandgemälde: Monumentale Textinstallationen in öffentlichen Gebäuden, darunter das Bloomberg Tower Atrium.
- Microsoft Brand Identity (2000er): Arbeit an Kommunikationsmaterialien.
- Buch „Make It Bigger" (2002): Essays und Monografie ihres Werks.
- Karte der Vereinigten Staaten (Typografisches Kunstwerk, 2010er): Handgemalte typografische Karte; wurde millionenfach reproduziert.
Einfluss & Bedeutung
Paula Scher ist eine der wenigen Designerinnen, die sowohl in der Populärkultur als auch im akademischen Diskurs gleichermaßen verankert sind. Ihre Arbeit für das Public Theater hat gezeigt, wie eine konsequente, mutige Designsprache die Wahrnehmung einer Institution dauerhaft verändern kann. Das Public Theater ist heute nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein visuelles Wahrzeichen New Yorks.
Ihr Werk hat zahlreiche jüngere Designerinnen und Designer – insbesondere Frauen – ermutigt, eine eigene, unverwechselbare Handschrift zu entwickeln und diese selbstbewusst in den Markt zu tragen. Als Partnerin bei Pentagram hat sie bewiesen, dass Typografie-zentriertes, expressives Design auch in der Welt globaler Unternehmenskommunikation seinen Platz hat.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie entstand das Design für das Public Theater New York? Als Scher 1994 den Auftrag erhielt, das Public Theater neu zu positionieren, erkannte sie, dass das Theater ein neues, breiteres, jüngeres Publikum ansprechen musste. Sie entwickelte ein System aus fetten, gestapelten Schriften in Schwarzweiß mit Farbe, das bewusst an historische Druckplakate erinnert – billig reproduzierbar und sofort wiedererkennbar. Das System wird bis heute in weiterentwickelter Form verwendet.
Warum gilt Scher als Pionierin der postmodernen Typografie? Schon in den 1970er und 1980er Jahren zitierte Scher historische Druckstile zu einer Zeit, in der Modernismus und Minimalismus die Designwelt dominierten. Sie nahm das Zitieren, Schichten und Überwältigen von Typografie vorweg, bevor diese Praktiken unter dem Begriff Postmodernismus theoretisiert wurden.
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Weiterführend
- Scher, Paula: Make It Bigger. Princeton Architectural Press, New York 2002
- Pentagram – Paula Scher Profil: www.pentagram.com/about/partners/paula-scher
