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John McCarthy (* 4. September 1927, Boston, USA – † 24. Oktober 2011, Stanford, USA) war ein US-amerikanischer Informatiker und Kognitionswissenschaftler, der den Begriff „Artificial Intelligence" prägte, die Programmiersprache LISP erfand und als einer der Gründungsväter der KI-Forschung gilt.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Medientheoretiker & KI-Pioniere · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Vater der KI", Turing-Award-Träger 1971, Organisator der Dartmouth Conference 1956

Biografie

John McCarthy wurde 1927 in Boston als Sohn irisch-litauischer Eltern geboren. Er wuchs in Los Angeles auf und zeigte früh außergewöhnliches mathematisches Talent. Er studierte Mathematik am California Institute of Technology (Caltech), wo er 1948 seinen Bachelor machte, und promovierte 1951 an der Princeton University in Mathematik.

Nach Lehraufträgen am Dartmouth College und am MIT wechselte McCarthy 1962 an die Stanford University, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte und das KI-Labor (Stanford Artificial Intelligence Laboratory, SAIL) mitgründete und leitete. Er war Mitglied der National Academy of Sciences und der American Academy of Arts and Sciences und erhielt zahlreiche Ehrungen.

McCarthy war bekannt für seinen leidenschaftlichen Optimismus bezüglich der Möglichkeiten der KI – und für sein langes Leben als praktizierender KI-Forscher bis kurz vor seinem Tod 2011. Er engagierte sich auch für politische und philosophische Fragen rund um Technologie und Rationalität.

Hauptthesen & Beiträge

McCarthys wichtigster historischer Beitrag war die Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence im Sommer 1956. Er organisierte diesen Workshop gemeinsam mit Marvin Minsky, Claude Shannon und Nathaniel Rochester; er prägte dabei den Begriff „Artificial Intelligence" (Künstliche Intelligenz). Das Dartmouth-Projekt gilt als die Geburtsstunde der KI als eigenständiges Wissenschaftsfeld.

In der Projektbeschreibung von 1955 formulierte McCarthy die leitende Hypothese der frühen KI-Forschung: „The study of artificial intelligence is to proceed on the basis of the conjecture that every aspect of learning or any other feature of intelligence can in principle be so precisely described that a machine can be made to simulate it." Diese Annahme – dass Intelligenz prinzipiell mechanisch simulierbar sei – ist bis heute grundlegend.

1958 erfand McCarthy die Programmiersprache LISP (List Processing Language), die er speziell für die KI-Forschung entwarf. LISP war über Jahrzehnte die dominante Sprache der KI-Forschung und prägte die gesamte Entwicklung funktionaler Programmiersprachen. Ihre symbolverarbeitende Struktur war ideal für die regelbasierte KI der frühen Jahrzehnte.

McCarthy entwickelte den Situationskalkül (Situation Calculus), einen formalen Rahmen zur Repräsentation dynamischer Weltzustände und ihrer Veränderungen durch Aktionen. Damit legte er Grundlagen für die logikbasierte KI und das Reasoning (maschinelles Schlussfolgern).

Er war auch ein früher Pionier des Time-Sharing – der Idee, dass ein Computer gleichzeitig von vielen Nutzern genutzt werden kann, was die Grundlage des modernen Internets und Cloud Computings ist.

Wichtige Werke / Veröffentlichungen / Erfindungen

  • Dartmouth Conference Proposal (1955, mit Minsky, Shannon, Rochester) – Gründungsdokument der KI-Forschung
  • LISP (List Processing Language) (1958) – Erfindung der KI-Programmiersprache, eine der ältesten heute noch verwendeten Sprachen
  • „Programs with Common Sense" (1959) – Einflussreicher Essay über KI und maschinelles Schlussfolgern
  • Situationskalkül (1963, mit Patrick Hayes) – Formales System zur Repräsentation von Weltzuständen
  • „Recursive Functions of Symbolic Expressions and Their Computation by Machine, Part I" (1960) – Theoretische Grundlage von LISP
  • Turing Award (1971) – Höchste Auszeichnung der Informatik, verliehen von der ACM

Einfluss & Bedeutung

McCarthy hat das gesamte Feld der KI-Forschung mitbegründet und benannt. Ohne seinen Begriff „Artificial Intelligence" und die Dartmouth Conference hätte die KI-Forschung möglicherweise eine ganz andere institutionelle Gestalt angenommen. LISP beeinflusste die Entwicklung von Python, JavaScript und zahlreichen anderen modernen Sprachen. Der Situationskalkül ist bis heute in der formalen KI-Logik präsent. McCarthys Vision einer Maschine, die menschliche Intelligenz vollständig simulieren kann, bleibt das zentrale Ziel der AGI-Forschung.

Kritik & Kontroversen

McCarthy vertrat zeitlebens die klassische, symbolische KI – regelbasiertes Schlussfolgern, Logik und formale Wissensrepräsentation. Er stand den neuronalen Netzwerken und dem maschinellen Lernen, die seit den 1980er Jahren die KI dominierten, skeptisch gegenüber. Diese Rivalität zwischen „klassischer" (symbolischer) und „subsymbolischer" (konnektionistischer) KI ist eine der großen Debatten der Wissenschaftsgeschichte. Kritiker sahen McCarthys Ansatz als zu starr und von der biologischen Realität der Intelligenz zu weit entfernt.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gilt die Dartmouth Conference 1956 als Gründungsmoment der KI? Die Dartmouth Conference war der erste institutionelle Versuch, das Studium maschineller Intelligenz als eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. McCarthy prägte dort den Begriff „Artificial Intelligence" und definierte das Forschungsprogramm, das die folgenden Jahrzehnte bestimmte.

Was ist LISP und warum war es für die KI wichtig? LISP (List Processing Language) ist eine Programmiersprache, die McCarthy 1958 speziell für die KI-Forschung entwickelte. Ihre Fähigkeit, symbolische Ausdrücke zu verarbeiten, machte sie ideal für regelbasierte KI-Systeme. Sie ist eine der ältesten Programmiersprachen, die noch heute verwendet wird, und hat moderne funktionale Sprachen maßgeblich beeinflusst.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • McCarthy, John: Programs with Common Sense. In: Proceedings of the Symposium on Mechanization of Thought Processes. London: Her Majesty's Stationery Office, 1959.
  • McCorduck, Pamela: Machines Who Think: A Personal Inquiry into the History and Prospects of Artificial Intelligence. San Francisco: W. H. Freeman, 1979.
  • Nilsson, Nils J.: The Quest for Artificial Intelligence: A History of Ideas and Achievements. Cambridge: Cambridge University Press, 2010.
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