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Lars von Trier (* 30. April 1956, Kopenhagen) ist ein dänischer Filmregisseur und Mitgründer der Dogme-95-Bewegung, der mit radikalen filmischen Experimenten, provozierendem Inhalt und psychologischer Intensität zu einer der polarisierendsten Figuren des Weltkinos wurde.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Lars Trier (bürgerlicher Name), „von" selbst ergänzt; „der Auteur der Qualen"

Biografie

Lars von Trier wurde 1956 in Kopenhagen als Sohn einer kommunistischen jüdischen Mutter geboren, die ihn in einer anti-autoritären Umgebung ohne Religion aufzog. Er erfuhr erst als Erwachsener, dass sein rechtlicher Vater nicht sein biologischer Vater war – eine Enthüllung, die ihn stark erschütterte und in sein Werk einfloss. Er konvertierte später zum Catholizismus.

Er studierte an der Dänischen Filmschule und fiel sofort durch außergewöhnliche Kurzfilme auf. Sein Spielfilmdebüt Forbrydelsens element (1984) war der erste Teil einer Trilogie, die formal und thematisch radikale Wege ging. Mit seiner Fernsehserie Das Königreich (Riget, 1994) erzielte er internationalen Durchbruch im Popularkulturbereich.

1995 gründete er gemeinsam mit Thomas Vinterberg das Dogme-95-Manifest: eine Erklärung, die auf Studiosets, künstliches Licht, non-diegetische Musik und andere Konventionen verzichten wollte und zum Aufsehen erregenden Filmexperiment wurde. Sein eigener Dogme-Film war The Idiots (Idioterne, 1998).

In den 2000er Jahren schuf er einige seiner bedeutendsten Werke: Dancer in the Dark (2000) mit Björk gewann die Goldene Palme, Dogville (2003) war ein radikales Theaterexperiment auf nackter Bühne. In den 2010er Jahren folgten die expliziten und verstörenden Melancholia (2011) und Nymphomaniac (2013/2014). Als bekennendes Depressionsopfer thematisiert er seine psychische Erkrankung offen.

Filmstil & Ästhetik

Von Trier liebt formale Experimente und Selbstbeschränkungen als kreative Praxis: ob Dogme-Regeln, minimalistische Bühnenbilder (Dogville) oder die Konfrontation mit expliziten Grenzsituationen. Er arbeitet häufig mit überwältigenden Musikmomenten (Händel in Melancholia, Overture-Einsatz in Dancer in the Dark), die emotionale Grenzübertritte markieren.

Thematisch kehren Motive von weiblichem Leid, Schuld, religiöser Transzendenz und nihilistischer Weltanschauung wieder. Seine weiblichen Protagonistinnen – gespielt u.a. von Björk, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg – sind oft Opfer, die dennoch eine eigenartige spirituelle Stärke verkörpern.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • Das Element des Verbrechens (Forbrydelsens element, 1984)
  • Europa (1991)
  • Das Königreich (Riget, Fernsehserie, 1994)
  • Breaking the Waves (1996)
  • The Idiots (Idioterne, 1998)
  • Dancer in the Dark (2000)
  • Dogville (2003)
  • Manderlay (2005)
  • Antichrist (2009)
  • Melancholia (2011)
  • Nymphomaniac Vol. I & II (2013/2014)
  • The House That Jack Built (2018)

Einfluss & Bedeutung

Lars von Trier hat das europäische Autorenkino durch seine Kompromisslosigkeit und seinen unberechenbaren Stilwillen wesentlich geprägt. Das Dogme-95-Manifest inspirierte weltweit Filmemacher, die mit kleinen Mitteln und ohne Studioregeln arbeiten wollten. Sein Einfluss zeigt sich in der Low-Budget-Independent-Bewegung der 1990er und 2000er Jahre.

Seine Fähigkeit, Skandale zu provozieren – bei Pressekonferenzen (berüchtigte Aussagen in Cannes 2011) wie durch seinen Filminhalt – hat paradoxerweise sein Werk noch bekannter gemacht. Regisseure wie Ruben Östlund und Michael Haneke stehen in Debatte und Dialog mit seinem Werk.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Cannes: Goldene Palme für Dancer in the Dark (2000)
  • Cannes: Beste Regie für Melancholia (2011)
  • Cannes: Preis der Jury für Breaking the Waves (1996)
  • Venedig: Silberner Löwe für Europa (1991)
  • Europäischer Filmpreis: Mehrfach ausgezeichnet

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Dogme 95? Dogme 95 war ein 1995 von Lars von Trier und Thomas Vinterberg verfasstes filmisches Manifest, das Regeln aufstellte, die Hollywood-Konventionen brechen sollten: kein künstliches Licht, nur Handkamera, keine nachträgliche Musik, Drehorte nur reale Schauplätze etc. Das Manifest war Teil Protest, Teil Provokation – und inspirierte weltweit Nachwuchsfilmer.

Warum sind von Triers Filme so schwer zu ertragen? Von Trier will, dass Kino körperlich und emotional erlebt wird. Er verweigert kompositorischen Komfort und emotionale Entlastung; seine Filme führen Figuren oft in extreme Situationen ohne Ausweg. Das ist Absicht: Er glaubt, dass das Kino Räume erkunden muss, in die wir uns im Alltag nicht trauen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Jan Lumholdt (Hrsg.): Lars von Trier: Interviews. University Press of Mississippi, 2003.
  • Stig Björkman: Trier on von Trier. Faber & Faber, 2003.
  • Criterion Collection: Europa, The Idiots (criterion.com)
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