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Luis Buñuel Portolés (* 22. Februar 1900, Calanda, Spanien – † 29. Juli 1983, Mexiko-Stadt) war ein spanisch-mexikanischer Filmregisseur, der den Surrealismus in das Kino brachte und über mehr als fünf Jahrzehnte die Institution Kirche, Bürgertum und gesellschaftliche Konventionen mit beißendem Humor angriff.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Der große Ketzer des Kinos", Meister des schwarzen Humors

Biografie

Luis Buñuel wurde 1900 in der kleinen aragonesischen Stadt Calanda geboren, wo eine traditionsreiche Osterzeremonie mit Trommelspiel seinen frühen Blick auf kollektive Rituale und ihre verborgene Irrationalität prägte. Er studierte an der Madrider Residencia de Estudiantes, wo er Salvador Dalí und Federico García Lorca kennenlernte – Begegnungen, die sein kreatives Leben formen sollten.

1925 zog Buñuel nach Paris, wo er sich dem Kreis der Surrealisten um André Breton anschloss. 1929 schuf er gemeinsam mit Dalí den Kurzfilm Ein andalusischer Hund (Un Chien Andalou) – ein surrealistisches Manifest, das mit der berühmten Augen-Aufschlitz-Szene die Filmwelt schockierte. 1930 folgte das bissige Antikirchen-Pamphlet L'Age d'or, das sofort verboten wurde.

Die spanische Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg zwangen Buñuel ins Exil: zunächst in die USA, wo er für das Museum of Modern Art in New York arbeitete, dann nach Mexiko, das ab 1946 seine Wahlheimat wurde. In Mexiko drehte er eine Reihe kommerzieller, aber auch meisterhafter Filme, darunter Los Olvidados (1950), sein erschütterndes Portrait der mexikanischen Straßenjugend.

In den 1960er und 1970er Jahren feierte Buñuel in Frankreich und Spanien sein internationales Spätwerk – eine Serie von eleganten, verführerisch komischen und subversiven Filmen, die ihn zum gefeierten Autorenfilmeur machten. Er starb 1983 in Mexiko-Stadt.

Filmstil & Ästhetik

Buñuels Kino ist geprägt von surrealistischer Logik: Träume durchdringen die Wirklichkeit, Fetische und Obsessionen bestimmen das Verhalten, und das Bürgertum erweist sich stets als Gefangener seiner eigenen Lächerlichkeit. Er schrieb über seine Arbeit, dass er „eine Prise Salz ins Essen des Zuschauers schmuggeln" wolle – einen Fremdkörper, der den Geschmack verändert.

Formal war Buñuel kein Spektakulärer: Er inszenierte oft trocken und klar, ohne aufwendige Kamerafahrten. Die Subversion lag im Drehbuch, im Schauspiel, im Detail – dem Gegenstand, der nicht dort hingehört, der Handlung, die aus dem Rahmen fällt. Diese scheinbare Normalität macht das Bizarre umso wirkungsvoller.

Wichtige Filme (Auswahl)

  • Ein andalusischer Hund (Un Chien Andalou, 1929)
  • Das goldene Zeitalter (L'Age d'or, 1930)
  • Los Olvidados (Die Vergessenen, 1950)
  • Él (1953)
  • Nazarín (1959)
  • Viridiana (1961)
  • Der Würgeengel (El ángel exterminador, 1962)
  • Tagebuch einer Kammerzofe (Le Journal d'une femme de chambre, 1964)
  • Belle de Jour (1967)
  • Der diskrete Charme der Bourgeoisie (Le charme discret de la bourgeoisie, 1972)
  • Das Gespenst der Freiheit (Le Fantôme de la Liberté, 1974)
  • Dieses obskure Objekt der Begierde (Cet obscur objet du désir, 1977)

Einfluss & Bedeutung

Buñuels Einfluss auf das Kino des 20. Jahrhunderts ist immens: Er bewies, dass Film ein Instrument der intellektuellen Provokation und gesellschaftlichen Subversion sein kann, ohne akademisch zu werden. Sein schwarzer Humor und seine antikatholische Ironie wurden zu Markenzeichen des europäischen Kunstkinos.

David Lynch, Pedro Almodóvar, Michael Gondry und Yorgos Lanthimos schulden Buñuel explizite Inspirationsschulden. Almodóvar, selbst aus Spanien, nannte Buñuel seinen wichtigsten cineastischen Lehrer.

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Cannes: Goldene Palme für Viridiana (1961)
  • Cannes: Beste Regie für Das Gespenst der Freiheit (1974)
  • Oscar: Bester fremdsprachiger Film für Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1973)
  • Golden Globe: Bester fremdsprachiger Film für Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Surrealismus im Film? Surrealismus bezeichnet im Kino den Versuch, traumhafte, irrationale und unbewusste Zustände direkt ins Bild zu bringen, ohne sie zu erklären oder zu rationalisieren. Buñuel löste die kausalen Verbindungen der normalen Narration auf: Handlungen haben absurde Konsequenzen, Symbole erscheinen unvermittelt, und die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt verschwimmt.

*Worum geht es in Der diskrete Charme der Bourgeoisie?* Eine Gruppe eleganter Bürger versucht ständig, zu Abend zu essen – und wird immer wieder durch groteske, traumartige oder bedrohliche Ereignisse daran gehindert. Das klingt minimal, ist aber ein präzises, ungemein komisches Porträt der bürgerlichen Klasse: ihre Rituale, ihre Verblendung, ihre moralische Leere.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Luis Buñuel: Mein letzter Seufzer (Autobiografie). Hanser Verlag, 1983.
  • Ian Gibson: Luis Buñuel: The Cinema of Desire. Faber & Faber, 2012.
  • Criterion Collection: Buñuel-Werkausgabe (criterion.com)
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