Terrence Frederick Malick (* 30. November 1943, Waco, Texas) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der mit extrem langen Pausen zwischen seinen Filmen und einer lyrisch-meditativen Bildsprache das amerikanische Kunstkino maßgeblich geprägt hat.
Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Der Unsichtbare" (bekannt für Interviews-Verweigerung), Poet des amerikanischen Kinos
Biografie
Terrence Malick wurde 1943 in Texas geboren. Er studierte Philosophie an der Harvard University sowie am Magdalen College Oxford – ursprünglich als Rhodes-Stipendiat – wo er sich intensiv mit Heidegger beschäftigte; er übersetzte sogar Heideggers Vom Wesen des Grundes ins Englische. Anschließend arbeitete er als Journalist und lehrte Philosophie am Massachusetts Institute of Technology, bevor er das AFI Conservatory in Los Angeles besuchte.
1973 debütierte Malick mit Badlands, einem kühlen, lyrisch-distanzierten Serienmörder-Roadmovie, das unmittelbar als Meisterwerk erkannt wurde. Sein zweiter Film, In der Glut des Südens (Days of Heaven, 1978), wurde für seine außergewöhnliche Kameraarbeit von Nestor Almendros mit dem Oscar ausgezeichnet. Dann verschwand Malick für zwanzig Jahre aus der Öffentlichkeit.
1998 kehrte er mit The Thin Red Line zurück, einem Antikriegsfilm über die Schlacht von Guadalcanal, der nach Cannes lief und trotz seiner ungewöhnlichen, kontemplativen Struktur ein großes Publikum fand. The New World (2005) und The Tree of Life (2011) vertieften seinen einzigartigen philosophisch-poetischen Ansatz; The Tree of Life erhielt die Goldene Palme in Cannes. In den folgenden Jahren wurde Malick außerordentlich produktiv: Sechs weitere Filme entstanden zwischen 2012 und 2019.
Filmstil & Ästhetik
Malicks Handschrift ist unmittelbar erkennbar: fließende Handkamera-Bewegungen in der Natur, oft mit extrem weitwinkligen Objektiven gedreht (häufig von Emmanuel Lubezki mit natürlichem Licht); Voice-over-Kommentare, die philosophisch-lyrisch reflektieren, statt die Handlung zu erklären; und eine assoziative Montage, die Bilder nach emotionaler und thematischer Logik zusammenfügt, nicht nach linearer Kausalität.
Thematisch kreist Malick um die großen Fragen: Was ist der Mensch? Was ist Gnade? Wie verhält sich Natur zu Geist, Tier zu Vernunft, Schönheit zu Leid? Seine Filme suchen das Heilige im Alltag und das Kosmische im Menschlichen.
Wichtige Filme (Auswahl)
- Badlands – Krieg im Paradies (Badlands, 1973)
- In der Glut des Südens (Days of Heaven, 1978)
- Der schmale Grat (The Thin Red Line, 1998)
- The New World (2005)
- The Tree of Life (2011)
- Knight of Cups (2015)
- Voyage of Time (2016)
- Song to Song (2017)
- Ein verborgenes Leben (A Hidden Life, 2019)
Einfluss & Bedeutung
Malicks Einfluss auf das amerikanische Kunstkino ist schwer zu überschätzen. Er bewies, dass auch im Mainstream-Produktionssystem ein radikales, philosophisches Kino möglich ist – und dass langsame, meditative Filmarbeit Millionen von Zuschauern bewegen kann. Kameramänner wie Emmanuel Lubezki entwickelten mit und durch Malick eine neue Bildsprache, die die gesamte Branche beeinflusste.
Regisseure wie Xavier Dolan, Andrea Arnold und Pawel Pawlikowski nennen Malicks Umgang mit dem Bild als Inspiration. The Tree of Life gilt als einer der bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts.
Auszeichnungen (Auswahl)
- Cannes: Goldene Palme für The Tree of Life (2011)
- Oscar: Nominierung Beste Regie für The Tree of Life
- Oscar: Nominierung Bestes Drehbuch für Badlands
- Cannes: Wettbewerbsbeitrag mit The Thin Red Line (1998)
- Cannes: FIPRESCI-Preis für A Hidden Life (2019)
Häufige Fragen (FAQ)
Warum hat Malick zwischen 1978 und 1998 keine Filme gemacht? Malick hat sich öffentlich nie dazu geäußert. Bekannt ist, dass er in dieser Zeit weiterhin Drehbücher schrieb (darunter eines für ein nie gedrehtes Jerry-Lee-Lewis-Biopic) und möglicherweise persönliche Projekte verfolgte. Diese Pause ist Teil seiner Legendenbildung – und machte seine Rückkehr 1998 zu einem Kulturereignis.
Warum gibt es in Malicks Filmen so wenig klassische Handlung? Malick folgt einem Konzept des Kinos als Erleben und Meditation, nicht als Geschichte. Er hat in seiner philosophischen Ausbildung gelernt, dass die tiefsten Wahrheiten nicht durch Argumente, sondern durch direkte Erfahrung zugänglich sind. Seine Filme versuchen, Gefühle und Zustände direkt hervorzurufen, nicht zu beschreiben.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Lloyd Michaels (Hrsg.): Terrence Malick. Cambridge University Press, 2007.
- Michel Chion: The Thin Red Line. BFI Film Classics, 2004.
- Criterion Collection: Badlands, Days of Heaven (criterion.com)
