← Zurück zu Persönlichkeiten
Bernard Herrmann (* 29. Juni 1911, New York City – † 24. Dezember 1975, Los Angeles) war ein US-amerikanischer Filmkomponist und Dirigent, der mit psychologisch tiefgründigen Orchesterpartituren die Filmmusik des 20. Jahrhunderts grundlegend neu definierte.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Sound Design & Musik · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: „Hitch's Music Man", der Meister der Spannungsmusik

Biografie

Bernard Herrmann wuchs als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York City auf und zeigte früh eine außergewöhnliche musikalische Begabung. Mit 13 Jahren gewann er seinen ersten Kompositionspreis. Er studierte an der New York University und der Juilliard School of Music, wo er bei Percy Grainger und Philip James lernte. Bereits mit 20 Jahren gründete er sein eigenes Orchester, das Sinfonietta New York.

1934 begann Herrmann eine prägende Zusammenarbeit mit dem Columbia Broadcasting System (CBS), wo er Orson Welles kennenlernte. Diese Beziehung führte zu seiner ersten großen Filmarbeit: der Musik zu Welles' Meisterwerk Citizen Kane (1941), für die er seinen einzigen Oscar gewann. In den folgenden Jahrzehnten wurde Herrmann zu einem der gefragtesten Filmkomponisten Hollywoods.

Die bedeutsamste Partnerschaft seiner Karriere begann 1955 mit Alfred Hitchcock. Bis 1966 komponierte Herrmann für elf Hitchcock-Filme und schuf dabei einige der eindringlichsten Musiklandschaften der Kinogeschichte. Das abrupte Ende ihrer Zusammenarbeit – Hitchcock lehnte Herrmanns Partitur für Torn Curtain ab – war für beide ein tiefer Einschnitt. In seinen letzten Lebensjahren erlebte Herrmann eine kreative Renaissance durch Zusammenarbeiten mit jüngeren Regisseuren wie Brian De Palma und Martin Scorsese. Er starb in der Nacht, nachdem er die Aufnahmen zu Taxi Driver abgeschlossen hatte – sein finales Werk wurde zu einem seiner bekanntesten.

Stil & Arbeitsweise

Herrmanns unverwechselbarer Stil beruht auf einer Reihe kompositorischer Techniken, die er über Jahrzehnte verfeinerte. Er nutzte häufig kleine, obsessiv wiederholte Motive, die eine hypnotische, klaustrophobische Atmosphäre erzeugen. Statt breiter romantischer Melodien bevorzugte er harmonische Ambiguität, unaufgelöste Dissonanzen und modale Tonleitern, die beim Publikum ein Gefühl von Unruhe und Vorahnung hinterließen.

Für verschiedene Filme experimentierte er bewusst mit ungewöhnlichen Orchesterbesetzungen: Für Psycho verwendete er ausschließlich Streicher, für The Day the Earth Stood Still setzte er Theremin und elektronische Instrumente ein. Diese Entscheidungen waren keine Sparmaßnahmen, sondern kalkulierte klangliche Strategien. Herrmann stand bekannt dafür, dass er intensiv mit Regisseuren diskutierte und die Musik als gleichberechtigtes dramatisches Element – nicht als Untermalung – verstand.

Wichtige Werke

  • Citizen Kane (1941) – Herrmanns Filmdebüt, für das er den Academy Award gewann. Innovative Musikdramaturgie, die die nicht-lineare Erzählstruktur des Films spiegelt.
  • The Devil and Daniel Webster (1941) – Folkloristische Komposition, ebenfalls Oscar-nominiert.
  • Vertigo (1958) – Spiralförmige, kreisende Themen, die Besessenheit und Schwindel musikalisch darstellen; zählt zu den einflussreichsten Filmpartituren aller Zeiten.
  • North by Northwest (1959) – Treibende Habanera-Rhythmen im Vorspann; Inbegriff des Hitchcock-Thrillers.
  • Psycho (1960) – Die berühmten Streicherpizzicati der Duschszene sind das bekannteste Beispiel für Filmmusik, die Gewalt ohne Sicht auf Gewalt evoziert.
  • Cape Fear (1962) – Bedrohliche Motive, die 1991 von Elmer Bernstein für das Remake neu eingespielt wurden.
  • Fahrenheit 451 (1966) – Zusammenarbeit mit François Truffaut; letzte große europäische Arbeit.
  • Taxi Driver (1976) – Jazz-getränkte, beunruhigende Partitur für Scorseses urbane Alptraumstudie; posthum veröffentlicht.

Einfluss & Bedeutung

Bernard Herrmanns Einfluss auf Filmkomponisten nachfolgender Generationen ist schwer zu überschätzen. John Williams, Danny Elfman, Christopher Young und viele andere nennen ihn als entscheidende Inspiration. Herrmann war der erste, der systematisch demonstrierte, dass Filmmusik nicht bloße emotionale Untermalung ist, sondern ein autonomes narratives Element, das Charakterpsychologie nach außen kehren und Filmhandlung strukturieren kann.

Sein Einsatz von Leitmotiven, die nicht an Figuren, sondern an psychologische Zustände gebunden sind, war seiner Zeit weit voraus. Die Streicherbesetzung von Psycho gilt bis heute als Lehrbeispiel in Musikhochschulen weltweit. Herrmann lehrte, dass Sparsamkeit – das bewusste Weglassen von Klangfarben – oft wirkungsvoller ist als orchestrale Fülle. Sein Vermächtnis lebt in jedem modernen Thriller-Score, der mit Dissonanz und musikalischer Spannung arbeitet.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ist die Duschszene in Psycho so wirkungsvoll? Hitchcock wollte die Szene ursprünglich ohne Musik drehen. Herrmann überredete ihn, seine Streichkomposition zu verwenden. Die hoch gestrichenen, schnell wiederholten Pizzicati und die dissonanten Akkorde simulieren psychologisch den Schock und die Panik der Szene, ohne dass das Gehirn die Musik bewusst als solche wahrnimmt.

Was beendete die Zusammenarbeit zwischen Herrmann und Hitchcock? Hitchcock verlangte für Torn Curtain (1966) einen modernen, poporientierten Score, um jüngeres Publikum anzusprechen. Herrmanns eingereichte Partitur entsprach nicht dieser Vorgabe; Hitchcock lehnte sie ab und beendete die Zusammenarbeit. Es war eine schmerzhafte Trennung zweier künstlerischer Temperamente, die sich gegenseitig jahrelang geprägt hatten.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Smith, Steven C.: A Heart at Fire's Center: The Life and Music of Bernard Herrmann. University of California Press, 1991.
  • Brown, Royal S.: Overtones and Undertones: Reading Film Music. University of California Press, 1994.
  • Herrmann, Bernard: Offizielle Werkübersicht und Diskografie:
← Zurück zu Persönlichkeiten
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar