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Ennio Morricone (* 10. November 1928, Rom – † 6. Juli 2020, Rom) war ein italienischer Filmkomponist, Arrangeur und Dirigent, der mit über 400 Film- und Fernsehpartituren zu einem der meistgehörten und einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts wurde.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Sound Design & Musik · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Il Maestro, Dan Savio (Pseudonym für frühe Popproduktionen)

Biografie

Ennio Morricone wurde als Sohn eines Jazztrompetisten in Rom geboren und begann schon als Kind mit dem Trompetenspiel. Er studierte am Conservatorio di Santa Cecilia in Rom, wo er Trompete, Komposition und Chorleitung erlernte. Sein Lehrer Goffredo Petrassi prägte ihn in der seriellen Kompositionstechnik, die Morricone später auf experimentelle Weise in seine Filmpartituren einfließen ließ.

In den 1950er-Jahren arbeitete Morricone als Arrangeur für die italienische Rundfunkanstalt RAI und schrieb Musik für Schlager und Pop. Den entscheidenden Karrieresprung brachte die Zusammenarbeit mit seinem Schulfreund Sergio Leone: 1964 komponierte er die Musik zu Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar), und damit wurde der charakteristische Klang des Spaghetti-Westerns geboren – ein Amalgam aus Trompetensoli, Peitschenknall, Männerchor und elektronischen Effekten.

Die „Dollar-Trilogie" und ihr Abschluss Il buono, il brutto, il cattivo (1966) machten Morricone international berühmt. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er mit Regisseuren wie Bernardo Bertolucci, Brian De Palma, Roland Joffé und Quentin Tarantino. Für seinen Lebensabschnitt nach der Jahrtausendwende erhielt er 2007 einen Ehrenoscar für sein Gesamtwerk und 2016 seinen ersten regulären Academy Award für The Hateful Eight. Er starb 2020 im Alter von 91 Jahren in Rom.

Stil & Arbeitsweise

Morricone war bekannt dafür, Klänge einzusetzen, die für klassische Orchesterpartituren unüblich waren: Pfeifen, Schreien, Gürtelpeitsche, Mundharmonika, Elektrogitarre, Glocken, Sopransolo. Diese Klangfarben verliehen seinen Western-Scores einen fast surrealen, mythischen Charakter. Gleichzeitig war er tief in der europäischen Kunstmusik verwurzelt und schrieb für die Avantgarde-Gruppe Nuova Consonanza Werke der zeitgenössischen Komposition.

Seine Arbeitsmethode war diszipliniert und prolixisch: Er komponierte oft für mehrere Projekte gleichzeitig und arbeitete systematisch. Beim Schreiben hörte er keine anderen Musikaufnahmen, um seine eigene Stimme zu bewahren. Morricone war auch ein Meister des musikalischen Timings – er wusste genau, wann Stille wirkungsvoller ist als Musik, und setzte Pausen dramaturgisch präzise ein.

Wichtige Werke

  • Per un pugno di dollari (1964) – Geburtsstunde des Spaghetti-Western-Sounds; innovativer Einsatz von Trompete, Chor und Soundeffekten.
  • Il buono, il brutto, il cattivo (1966) – Dreiecks-Thema mit Trompete, Pfeife und Chor; eines der bekanntesten Filmthemen der Musikgeschichte.
  • C'era una volta il West (1968) – Monumentale Western-Oper; jede Hauptfigur hat ein eigenes musikalisches Leitmotiv.
  • Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto (1970) – Bizarre, klaustrophobische Partitur; Golden Globe.
  • The Mission (1986) – Oboe-Thema „Gabriel's Oboe" verbindet europäische Klassik und südamerikanische Folklore.
  • Cinema Paradiso (1988) – Nostalgisches Liebesthema von Giuseppe Tornatore; eines von Morricones beliebtesten Werken.
  • The Hateful Eight (2015) – Erster regulärer Oscar; dunkel und dissonant, mit Material aus unveröffentlichten älteren Werken.
  • Nuovo Cinema Paradiso (1988/1990) – Erweiterte Fassung; Morricone schrieb auch den Hauptfilm-Score für Tornatore.

Einfluss & Bedeutung

Morricones Einfluss auf die Filmmusik ist kaum zu begrenzen. Er zeigte, dass eine nationale, nicht-amerikanische Filmmusiktradition eigenständige Ausdruckskraft besitzen kann. Sein Stil wurde weltweit imitiert – der „Western-Sound" ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Darüber hinaus hat er durch die Verwendung von Volksmusik, Volksgesang und nicht-klassischen Instrumenten die Grenzen des Orchestersatzes erweitert.

Quentin Tarantino, Lars von Trier, Pedro Almodóvar und viele andere Regisseure zitieren Morricone als direkten Einfluss. In der Popmusik haben Künstler von Metallica bis zu Moby Morricone-Samples oder -Themen aufgegriffen. Sein Gesamtwerk ist in seiner Breite und Qualität einzigartig in der Geschichte der Filmmusik.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gilt Morricone als besonders einzigartig unter Filmkomponisten? Morricone kombinierte wie kein anderer akademische Kompositionstechniken mit Popmusik-Elementen, Volksmusik und klanglicher Avantgarde. Er schrieb sowohl für Mainstream-Western als auch für experimentelle Kunstfilme und erreichte in beiden Bereichen künstlerische Höhen. Diese stilistische Bandbreite macht ihn unvergleichlich.

Warum gewann Morricone seinen ersten regulären Oscar erst 2016? Morricone war sechsmal ohne Erfolg für den Academy Award nominiert worden. Seine Musik galt für viele Akademie-Mitglieder lange als „zu funktional" oder zu sehr mit Genre-Kino assoziiert. Der Ehrenoscar 2007 und der reguläre Oscar 2016 für The Hateful Eight wurden schließlich als überfällige Würdigung einer außergewöhnlichen Lebensleistung gefeiert.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Frayling, Christopher: Something to do with Death: A Biography of Sergio Leone. Faber & Faber, 2000.
  • Miceli, Sergio: Morricone, the Man, His Music. Skira, 2013.
  • Offizielle Website und Diskografie:
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