Praktikum und Volontariat sind die wichtigsten institutionalisierten Einstiegsformate in der Medienbranche – das Praktikum als kürzfristiger Einblick, das Volontariat als vollständige, vergütete Berufsausbildung für journalistische und redaktionelle Tätigkeiten.
Rubrik: Soft Skills & Berufspraxis · Unterrubrik: Karriere & Selbstvermarktung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Pflichtpraktikum, freiwilliges Praktikum, Volo, Trainee, Berufspraktikum
Was sind Praktikum und Volontariat in der Medienwelt?
Die Medienbranche ist historisch auf unbezahlter oder schlecht bezahlter Einstiegsarbeit aufgebaut – ein strukturelles Problem, das die soziale Diversität der Branche nachweislich einschränkt (vgl. Bourdieu, „kulturelles Kapital", 1983; Grugulis & Stoyanova, 2012). Dennoch bleibt das Praktikum für viele der direkteste Weg in die Branche, und das Volontariat ist für den Journalismus unverzichtbarer Ausbildungsweg. Wer die Spielregeln kennt, kann beide Formate strategisch nutzen.
Erklärung
Praktikum: Typen und Regeln
Pflichtpraktikum: Im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung vorgeschrieben. Gilt nicht als Arbeitsverhältnis; Mindestlohn gilt nicht (§ 22 Abs. 1 MiLoG). Maximale Dauer für die Mindestlohn-Ausnahme: eng definiert durch den Ausbildungsrahmenplan.
Freiwilliges Praktikum: Außerhalb formaler Ausbildungsprogramme. Bis zu drei Monate: Mindestlohn muss nicht gezahlt werden. Ab vier Monaten: gesetzlicher Mindestlohn (§ 22 Abs. 1 Nr. 2 MiLoG, Stand 2024: 12,41 Euro/Stunde). Wichtig: Diese Grenze gilt pro Arbeitgeber; ein neues Praktikum beim selben Arbeitgeber kurz nach dem ersten kann trotzdem zum vergütungspflichtigen Arbeitsverhältnis werden.
Kettenarbeitsverhältnis vermeiden: Mehrere aufeinanderfolgende unbezahlte Praktika beim selben Arbeitgeber sind rechtlich problematisch. Praktikanten sollten ihre Rechte kennen.
Strategische Praktikumswahl
Nicht jedes Praktikum ist gleichwertig. Kriterien für ein wertvolles Praktikum:
- Lernangebot: Echte Aufgaben statt Kaffeekochen und Kopieren
- Mentor-Struktur: Gibt es eine feste Ansprechperson?
- Netzwerkpotenzial: Kommt man mit Entscheidern in Kontakt?
- Renommee des Hauses: Ein Praktikum bei einer bekannten Adresse öffnet Türen
- Übernahmepotenzial: Wie oft wurden Praktikanten übernommen?
Informationen dazu liefern Bewertungsportale (kununu.de), direkte Fragen im Bewerbungsgespräch und Kontakte mit ehemaligen Praktikanten.
Das Volontariat
Das Volontariat ist die klassische journalistische Ausbildungsform. Typische Merkmale:
- Dauer: 18–24 Monate
- Inhalt: Rotation durch verschiedene Ressorts, Seminare (DJV oder ver.di-Bildungszentren), praktische Redaktionsarbeit
- Vergütung: Im Bereich Tageszeitungen nach ver.di-Tarifvertrag ca. 850–1.100 Euro/Monat (1. Jahr), ca. 950–1.200 Euro (2. Jahr) – deutlich unter Marktniveau, aber vergütete Ausbildung
- Abschluss: Kein formaler Berufsabschluss, aber anerkannter Branchenstandard
Bewerbungen für Redaktions-Volontariate sind hochkompetitiv. Gefragt sind: nachweisbare Schreibfertigkeiten (Clips – veröffentlichte Artikel), Vorerfahrungen (Schülerzeitungen, Online-Journalismus, freie Mitarbeit) und mediales Grundverständnis.
Volontariat vs. Trainee
Trainee-Programme bei Medienagenturen, Verlagen und Digital-Unternehmen folgen ähnlicher Logik, sind aber weniger formalisiert und oft besser vergütet. Trainees rotieren durch Abteilungen und werden gezielt auf Führungspositionen vorbereitet. Bewerbung häufig direkt nach dem Bachelor- oder Masterabschluss.
Networking im Praktikum
Praktika und Volontariate sind nicht nur Lernformate – sie sind intensive Netzwerk-Situationen. Empfehlung: Professionell auftreten, Kontakte pflegen (auch nach dem Praktikum per LinkedIn vernetzen), Referenzgeber für spätere Bewerbungen aufbauen.
Beispiele
- Eine Studentin absolviert ein dreimonatiges Pflichtpraktikum in einer Werbeagentur. Sie erhält kein Gehalt, aber intensive Betreuung und drei echte Kampagnenarbeiten fürs Portfolio.
- Ein Bachelorabsolvent bewirbt sich bei 12 Tageszeitungen für ein Volontariat. Nach zwei Absagen und einem Assessment-Center erhält er ein Angebot bei einer regionalen Tageszeitung – vergütet nach ver.di-Tarif.
In der Praxis
Praktikumsvertrag prüfen:
- Klare Beschreibung der Aufgaben
- Festlegung der Arbeitszeiten (Mehrarbeit muss vergütet oder ausgeglichen werden)
- Urlaubsanspruch (anteilig nach BUrlG bei längerem Praktikum)
- Vertraulichkeitsklauseln: Was darf ins Portfolio?
Praktikumszeugnis einfordern: Ein schriftliches Praktikumszeugnis ist Standard und sollte nach Ende des Praktikums aktiv erbeten werden. Es belegt die Tätigkeit und dient als Referenzdokument.
Vergleich & Abgrenzung
| Format | Dauer | Vergütung | Abschluss | Lerntiefe |
|---|---|---|---|---|
| Pflichtpraktikum | 4–16 Wochen | Keine Pflicht | Keiner | Gering-Mittel |
| Freiwilliges Praktikum | Bis 3 Monate | Optional | Keiner | Mittel |
| Volontariat | 18–24 Monate | Tarifvergütung | Branchenanerkannt | Hoch |
| Trainee | 12–24 Monate | Gehalt | Keiner (formal) | Hoch |
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ein Arbeitgeber ein Praktikum kündigen? Ja, mit der vereinbarten Frist (vertraglich geregelt). Bei Volontariaten gelten Kündigungsschutzregelungen erst nach der Probezeit.
Was tun bei Ausbeutung im Praktikum? Zunächst das Gespräch mit der Betreuungsperson suchen. Bei anhaltender Ausbeutung: Betriebsrat (falls vorhanden), ver.di, DJV oder rechtliche Beratung hinzuziehen.
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Weiterführend
- ver.di: Tarifvertrag Redakteure und Volontäre bei Tageszeitungen. verdi.de, 2023
- Bundesministerium für Arbeit: Mindestlohngesetz – Leitfaden für Praktikanten. bmas.de, 2024
- DJV Deutscher Journalisten-Verband: Volontariat – Alles was man wissen muss. djv.de, 2023
- Grugulis, I. & Stoyanova, D.: Social Capital and Networks in Film and TV. Work, Employment & Society, 2012
