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MIDI Routing in Ableton Live bezeichnet die konfigurierbare Weiterleitung von MIDI-Signalen zwischen Tracks, Instrumenten, externen Geräten und virtuellen Signalpfaden innerhalb einer Session.

Was ist MIDI Routing?

MIDI Routing beschreibt, woher ein MIDI-Track seine Eingangssignale empfängt (MIDI-Input) und wohin er seine Ausgangssignale sendet (MIDI-Output). In Ableton Live lässt sich jeder MIDI-Track einzeln konfigurieren: Als Quelle kann ein physisches MIDI-Gerät, ein anderer Ableton-Track oder ein virtueller Port dienen. Als Ziel kommen interne Instrumente, andere Tracks oder externe Hardware-Synthesizer infrage.

MIDI Routing ist unverzichtbar für:

  • das Spielen eines Instruments über einen anderen Track
  • das Routing von MIDI an externe Hardware-Synthesizer
  • den Aufbau von Sidechain-MIDI-Ketten
  • polyphones Layering durch mehrere Instrument-Tracks
  • die Integration von Hardware-Controllern über Push oder externe Geräte

Erklärung

MIDI Input – Woher kommt das Signal?

Jeder MIDI-Track hat oben im Kanal-Bereich (Channel Strip) zwei Dropdown-Menüs: „MIDI From" (Eingangsquelle) und den Kanal-Selektor darunter.

Mögliche Eingangsquellen:

  • All Ins: Empfängt MIDI von allen verfügbaren Quellen
  • Physisches MIDI-Gerät: z. B. ein angeschlossenes Keyboard oder Pad-Controller
  • Anderer Ableton-Track: Ein Track kann MIDI von einem anderen Track empfangen (wichtig für Routing-Ketten)
  • Computer-Tastatur: Aktiviert über „Computertastatur als MIDI-Eingabe"

Der Kanal-Selektor darunter filtert nach MIDI-Kanal (1–16) oder empfängt alle Kanäle (All Channels).

MIDI Output – Wohin geht das Signal?

Das „MIDI To"-Dropdown definiert das Ziel:

  • Internes Instrument: Standardmäßig verarbeitet ein MIDI-Track das Signal intern durch sein eigenes Instrument (z. B. Operator, Wavetable)
  • Anderer Track: MIDI-Signal wird an einen anderen Ableton-Track weitergeleitet
  • Externer MIDI-Port: Direktes Senden an ein Hardware-Gerät (Synthesizer, Drum Machine)
  • ReWire-Gerät: Wenn Ableton als ReWire-Host läuft, können Signale an andere DAWs gesendet werden

MIDI-Routing zwischen Tracks

Ein häufiger Anwendungsfall: Ein „Ghost Track" oder „Intermediary Track" sendet MIDI an mehrere Instrument-Tracks, ohne selbst ein Instrument zu besitzen. Das ermöglicht das gleichzeitige Spielen mehrerer Instrumente von einem einzigen Clip aus (Layering).

Setup Layering:

  1. Track A: MIDI-Clip mit Noten, „MIDI To" → Track B, Track C
  2. Track B: Instrument (z. B. Wavetable), „MIDI From" → Track A, Monitor auf „In"
  3. Track C: Instrument (z. B. Operator), „MIDI From" → Track A, Monitor auf „In"

So erklingt jede Note von Track A gleichzeitig auf beiden Instrumenten.

Monitor-Einstellungen

Die Monitor-Einstellung bestimmt, wann der Track auf Eingangssignale reagiert:

  • Auto: Nur wenn der Track aufnahmebereit ist
  • In: Immer (nützlich für Ghost-Routing und Live-Monitoring)
  • Off: Keine Live-Wiedergabe des Eingangs

MIDI Routing mit externen Geräten

Für Hardware-Synthesizer (z. B. Roland JU-06, Korg Minilogue):

  1. Verbinde den Synthesizer per MIDI-Kabel oder USB-MIDI mit dem Computer
  2. Erstelle einen MIDI-Track in Ableton
  3. Setze „MIDI To" auf den entsprechenden MIDI-Port
  4. Wähle den MIDI-Kanal des Synthesizers (oft Kanal 1)
  5. Aktiviere einen Audio-Return-Track für das analoge Ausgangssignal des Synthesizers

Beispiele

Beispiel 1 – Hardware-Synthesizer steuern: Ein Produzent verbindet einen Korg Minilogue via USB-MIDI. In Ableton erstellt er einen MIDI-Track mit MIDI-Out → „Korg Minilogue, Kanal 1". MIDI-Clips aus dem Arrangement View spielen nun den Hardware-Synthesizer ab.

Beispiel 2 – Instrument-Layering: Drei Instrument-Tracks (Piano, Strings, Pad) erhalten alle MIDI von einem einzigen Quell-Track. Ein einziger Tastendruck erzeugt einen orchestralen Klang aus drei Schichten.

Beispiel 3 – MIDI-FX-Kette: Ein MIDI-Track enthält nur MIDI-Effects (MIDI Rack mit Arpeggiator und Scale). Das modifizierte MIDI-Signal wird dann an einen Instrument-Track weitergeleitet.

In der Praxis

MIDI Monitor: Das kostenlose MaxForLive-Device „MIDI Monitor" (enthalten in Live Suite) zeigt alle eingehenden und ausgehenden MIDI-Nachrichten in Echtzeit an – unverzichtbar zur Fehlersuche.

MIDI Clock und Transport: Ableton kann als MIDI-Clock-Master fungieren und externe Geräte synchronisieren. Einstellung unter Einstellungen → Link/Tempo/MIDI → MIDI-Clock-Output aktivieren.

Latenz-Kompensation: Ableton kompensiert automatisch Plugin-Latenzen. Bei externen Hardware-Geräten muss manuelle Latenz-Kompensation in den Audio-Einstellungen vorgenommen werden.

Vergleich & Abgrenzung

AspektAbleton LiveLogic Pro
MIDI-Routing-InterfaceKanal-Dropdown im TrackUmgebung / I/O-Fenster
Visuelle ÜbersichtMinimal, aber funktionalEnvironment bietet grafischen Überblick
Inter-Track-RoutingDirekt über „MIDI To/From"Über Logic-Umgebung
Hardware-IntegrationMIDI Preferences + Track-RoutingMIDI-Umgebung

Häufige Fragen (FAQ)

Warum gibt Ableton keinen MIDI-Sound aus? Überprüfe: (1) Ist ein Instrument im Track geladen? (2) Ist der Track nicht stumm gestellt? (3) Sind die richtigen MIDI-Eingangs- und Ausgangsports konfiguriert? (4) Ist der Track aufnahmebereit (ARM-Button aktiv)?

Kann ich MIDI von einer DAW in eine andere senden? Mit virtuellen MIDI-Ports (z. B. loopMIDI unter Windows, IAC Bus unter macOS) lassen sich DAWs miteinander verbinden und MIDI-Signale hin- und herschicken.

Was ist der Unterschied zwischen MIDI-Routing und MIDI-Mapping? MIDI-Routing definiert den Signalfluss zwischen Tracks und Geräten. MIDI-Mapping weist bestimmten MIDI-Nachrichten (z. B. Drehregler auf Position 7) bestimmte Ableton-Parameter zu (z. B. Lautstärke-Fader).

Wie viele MIDI-Kanäle unterstützt Ableton? Ableton unterstützt MIDI-Kanäle 1–16 nach dem MIDI-Standard sowie MPE (MIDI Polyphonic Expression) ab Live 11.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Ableton (2024): Ableton Live 12 Benutzerhandbuch – MIDI und externe Instrumente. Ableton AG, Berlin.
  • Aiken, J. (2021): „Advanced MIDI Routing in Ableton Live". In: Sound on Sound, Bd. 36, Nr. 3, S. 82–88.
  • Farnell, A. (2010): Designing Sound. MIT Press, Cambridge MA.
  • Huber, D. M. / Runstein, R. E. (2018): Modern Recording Techniques. 9. Aufl. Focal Press, New York.
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