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Time Remapping ist After Effects' Werkzeug zur vollständig freien Kontrolle über die Wiedergabezeit von Footage oder Animationen – von sanfter Zeitlupe über Zeitraffer bis zu Freeze-Frames und Rückwärtswiedergabe, gesteuert durch animierbare Keyframes.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Adobe After Effects · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Zeitumkehr, Retiming, Framerate-Manipulation, Remapping; Shortcut: Strg + Alt + T (Windows) / Cmd + Option + T (Mac); Menüpfad: Layer > Zeit > Zeit-Neuabbildung aktivieren


Was ist Time Remapping?

Time Remapping löst die Geschwindigkeit eines Clips von der linearen Zeit. Standardmäßig läuft jeder Clip mit der Geschwindigkeit 1:1 – Frame 1 der Footage entspricht Frame 1 in der Komposition. Mit Time Remapping wird dieses Verhältnis per Keyframe frei steuerbar: An einem Keyframe kann definiert werden, dass zu Kompositions-Sekunde 3 der Footage-Frame von Sekunde 1,5 angezeigt werden soll – was effektiv eine Verlangsamung auf 50 % bedeutet. Durch Einfrieren desselben Frame-Werts entsteht ein Freeze-Frame; durch umgekehrte Keyframe-Reihenfolge ein Rückwärtslauf.


Erklärung

Time Remapping aktivieren

  1. Footage- oder Composition-Layer auswählen
  2. Strg + Alt + T (Windows) / Cmd + Option + T (Mac)
  3. Oder: Layer > Zeit > Zeit-Neuabbildung aktivieren
  4. In der Timeline erscheint die neue Eigenschaft „Zeit-Neuabbildung" mit zwei Keyframes:

- Erster Keyframe (Anfang): Frame 0 der Footage - Letzter Keyframe (Ende): Letzter Frame der Footage

Zeit-Neuabbildungs-Wert verstehen

Der Wert der Zeit-Neuabbildungs-Eigenschaft gibt an, welcher Footage-Frame zu einem bestimmten Kompositions-Zeitpunkt angezeigt wird:

`` Kompositionszeit 0:00:00 → Footage-Frame bei 0:00:00 (Wert = 0) Kompositionszeit 0:00:02 → Footage-Frame bei 0:00:01 (Wert = 1s) → 50% Geschwindigkeit ``

Zeitlupe (Slow Motion)

Die Keyframe-Werte so setzen, dass die Footage langsamer voranschreitet:

  1. Ersten Keyframe bei Sekunde 0 setzen (Wert = 0)
  2. Zweiten Keyframe bei Sekunde 4 setzen (Wert = 2 Sekunden → der Clip benötigt 4 Sek für 2 Sek Footage = 50 % Zeitlupe)

Echter Slow-Motion-Tipp: Für qualitativ hochwertige Zeitlupe sollte das Footage mit hoher Framerate aufgenommen werden (120 fps, 240 fps). Dann kann es verlustlos auf 24/25 fps verlangsamt werden. Software-Zeitlupe aus 24-fps-Footage (durch Frame-Interpolation) hat deutlich geringere Qualität.

Frame-Interpolation (für flüssige Zeitlupe)

Bei starker Verlangsamung entstehen sichtbare Duplikate (Stotter-Effekt). Frame-Interpolation erstellt neue Zwischen-Frames:

  1. Layer auswählen
  2. Layer > Qualität > Beste Qualität (bereits Standard)
  3. Layer > Optische Flussinterpolation aktivieren:

- Rechtsklick auf den Layer > Frame-Mischung > Pixelbewegung (optischer Fluss, beste Qualität) - Oder: Frame Blending (einfacher, schneller) > einfache Überblendung zwischen Frames

Freeze Frame (Standbild)

  1. Time Remapping aktivieren
  2. Zur gewünschten Stelle navigieren
  3. Keyframe setzen (z. B. bei Sekunde 3, Wert = Frame bei Sekunde 3)
  4. Nächsten Keyframe (rechts daneben) ebenfalls auf denselben Wert setzen
  5. Beide Keyframes: Rechtsklick > Hold-Keyframe (harter Sprung, kein Übergang zwischen den Keyframes)

Alternativ: Nach Keyframe setzen > nächsten Keyframe löschen → Footage läuft bis zum Keyframe, dann friert es ein (da kein weiterer Keyframe folgt, bleibt der letzte Wert konstant).

Rückwärts-Wiedergabe

  1. Time Remapping aktivieren
  2. Werte der Keyframes vertauschen:

- Erster Keyframe (Sekunde 0): Wert = Ende der Footage - Letzter Keyframe (Ende der Comp): Wert = 0 (Anfang der Footage)

  1. Result: Footage läuft rückwärts

Alternativ und einfacher: Layer auswählen > Layer > Zeit > Ebene rückwärts – erzeugt automatisch rückwärtslaufendes Footage.

Zeitraffer (Speed Up)

Weniger Zeit für denselben Footage-Inhalt:

  • Erster Keyframe bei 0, letzter Keyframe bei Sekunde 2 (aber mit Wert = 10 Sekunden Footage) → 500 % Zeitraffer

Time Remapping mit dem Graph Editor

Im Graph Editor erscheint die Zeit-Neuabbildungs-Kurve als Value Graph:

  • Steiler Anstieg = schnellere Wiedergabe (Zeitraffer)
  • Flacher Anstieg = langsamere Wiedergabe (Zeitlupe)
  • Horizontale Linie = Freeze (konstanter Wert)
  • Negativer Anstieg = Rückwärtswiedergabe

Beispiele

  1. Action-Kamera-Highlight: Sportszene in normalem Tempo, dann plötzlicher Slow-Motion-Moment beim entscheidenden Kick → Time Remapping mit weichem Easing
  2. Produktions-Zeitraffer: 8-Stunden-Produktion in 30 Sekunden → Zeitraffer per Time Remapping + ggf. optischer Fluss
  3. Drama-Freeze-Frame: Emotionaler Moment einfrieren → Schwarzweiß-Grading auf dem Freeze-Frame
  4. Rückwärts-Effekt: Ball, der fliegt, am Höhepunkt einfrieren, dann rückwärts zurückfliegen lassen
  5. Ramping (Rampe): Sanfter Übergang von normaler Geschwindigkeit zu Slow-Motion durch Easy-Ease-Keyframe auf der Zeit-Neuabbildungs-Kurve

In der Praxis

Shortcut-Übersicht:

AktionShortcut
Time Remapping aktivierenStrg+Alt+T / Cmd+Opt+T
Layer rückwärtsMenü: Layer > Zeit > Ebene rückwärts
Keyframe zu Hold umwandelnRechtsklick auf Keyframe > Halten
Frame-Mischung aktivierenLayer > Framemischung oder Schalter in Timeline

Frame-Mischung für flüssige Zeitlupe: Der Frame-Mischungs-Schalter in der Timeline (zwei Dreiecke) muss auf Pixelbewegung gestellt sein für optischen Fluss. Ohne Frame-Mischung sieht man deutlich Duplikate bei starker Verlangsamung.

Performance: Optische Flussinterpolation ist sehr rechenintensiv. Für Vorschauen die Frame-Mischung temporär auf „Einfach" setzen oder deaktivieren.


Vergleich & Abgrenzung

MethodeVorteilNachteil
Time RemappingVollständige Kontrolle, animierbarErfordert manuelles Keyframe-Setzen
Speed/Duration (Strg+Shift+E)Schnell für einfache GeschwindigkeitsänderungKeine Animation möglich (konstante Geschwindigkeit)
Layer rückwärtsEin-Klick-RückwärtswiedergabeKein Ramp, keine gemischte Richtung
DaVinci Resolve Speed RampEinfachere GUI für Speed RampingAnderes Programm, Export nötig

Häufige Fragen (FAQ)

Warum ruckelt meine Zeitlupe trotz Frame-Blending? Optischer Fluss (Pixelbewegung) kann bei schnellen Bewegungen oder komplexen Texturen versagen – dann entstehen Artefakte statt flüssiger Zwischenframes. Lösung: Footage mit höherer Framerate aufnehmen (120+ fps), oder spezialisierte Software wie Twixtor (RE:Vision Effects) verwenden, die robustere optische Fluss-Algorithmen nutzt.

Kann Time Remapping auf Kompositionen (nicht nur Footage) angewendet werden? Ja – Time Remapping funktioniert auch auf Precomposition-Layern. Das ermöglicht z. B. eine animierte Grafik-Precomp in Zeitlupe abzuspielen oder einzufrieren, ohne die ursprüngliche Animation zu verändern. Einfach die Precomp-Ebene in der Elterncomp auswählen und Time Remapping aktivieren.


Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe After Effects Benutzerhandbuch – helpx.adobe.com/de/after-effects
  • RE:Vision Effects Twixtor – revisionfx.com/twixtor
  • Christiansen, M.: Adobe After Effects Visual Effects & Compositing. Peachpit Press, 2014
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