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Time Remapping in After Effects ermöglicht die frame-genaue Steuerung der Wiedergabegeschwindigkeit eines Video- oder Kompositions-Layers über animierbare Zeitkeyframes – für nahtlose Zeitlupe, Zeitraffer, Freeze Frames und dramatische Speed-Rampen.

Rubrik: Software & Tools Deep-Dive · Unterrubrik: Adobe After Effects · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Zeitneuzuordnung, Time Remap, Speed Ramp, Retiming


Was ist Time Remapping?

Time Remapping ist ein Layer-spezifisches Feature, das die normale, lineare Zeitwiedergabe eines Footage- oder Pre-Comp-Layers aufbricht. Statt eines gleichmäßigen Abspiels von Frame 0 bis Frame n kann der Nutzer einzelne Zeitpunkte als Keyframes setzen: "Bei Sekunde 2 der Komposition zeige Frame 3 des Footages" (= Zeitlupe), oder "bei Sekunde 1 der Komposition zeige Frame 5 des Footages" (= Zeitraffer).

Die Steuerung über den Graph Editor macht Time Remapping zu einem der präzisesten Werkzeuge für narrativen Schnitt, dramatische Tempo-Shifts und kreative Retiming-Effekte. Anders als der Interpret-Modus "Zeit ausdehnen" (Time Stretch) arbeitet Time Remapping frame-genau und unterstützt nicht-lineare Speedverläufe (Variable Speed).


Erklärung mit konkreten Parametern

Time Remapping aktivieren

Methode 1: Layer > Zeit > Zeitneuzuordnung aktivieren (Shortcut: Strg/Cmd + Alt + T) Methode 2: Rechtsklick auf Footage-Layer > Zeit > Zeitneuzuordnung aktivieren.

Nach Aktivierung erscheinen automatisch zwei Keyframes:

  • Erster Keyframe am Layer-In-Point: Zeigt Frame 0 des Footages
  • Letzter Keyframe am Layer-Out-Point: Zeigt den letzten Frame des Footages

Time-Remapping-Keyframes verstehen

Die Y-Achse im Value Graph des Time Remapping entspricht der Source-Time (welcher Frame des Footages angezeigt wird). Die X-Achse ist die Kompositions-Zeit.

`` Kompositions-Zeit (X) → Source-Frame (Y) 0s → Frame 0 (normal) 1s → Frame 0,5s Footage (= Zeitlupe, 50%) 2s → Frame 2s Footage (= normal) 3s → Frame 3s Footage (= normal) 4s → Frame 3s Footage (= Freeze Frame, gleicher Y-Wert) ``

Zeitlupe (Slow Motion)

Zeitlupe entsteht, wenn sich die Source-Zeit langsamer ändert als die Kompositions-Zeit:

  • Footage: 2 Sekunden bei 24 fps (48 Frames)
  • Zeitlupe 50%: In der Komposition soll das Material 4 Sekunden dauern
  • Keyframe bei Kompositions-Sekunde 0: Source-Time = 0s
  • Keyframe bei Kompositions-Sekunde 4: Source-Time = 2s

Frame-Blending für glatte Zeitlupe: Bei Material, das nicht nativ mit hoher Framerate gedreht wurde (z. B. 24fps-Material auf 12fps verlangsamt), entstehen Ruckler. Frame Blending interpoliert Zwischenframes:

  • Layer auswählen > Layer > Frame-Blending > Pixel-Bewegung (Frame Interpolation via Optical Flow – beste Qualität, langsam) oder Frame-Mix (einfaches Überblenden, schneller).

Zeitraffer (Time Lapse / Fast Motion)

Zeitraffer entsteht, wenn sich Source-Zeit schneller ändert als Kompositions-Zeit:

  • Keyframe bei K-Sekunde 0: Source = 0s
  • Keyframe bei K-Sekunde 1: Source = 3s

→ Das Material läuft 3× schneller (Zeitraffer 300%)

Freeze Frame

Freeze Frame = zwei identische Y-Werte auf verschiedenen X-Zeitpunkten:

  • Keyframe bei K-Sekunde 2: Source = 2s
  • Keyframe bei K-Sekunde 4: Source = 2s (identisch!)
  • Keyframe bei K-Sekunde 5: Source = 5s

→ Von Sekunde 2 bis 4 steht das Bild still (Freeze), danach läuft es normal weiter.

loopOut() auf Time Remapping

Time Remapping unterstützt Expressions – besonders effektiv mit loopOut(): ``javascript loopOut("cycle") `` Auf Time Remapping angewendet lässt ein Video-Clip endlos als Loop abspielen. Nützlich für kurze Ambient-Video-Loops als Hintergrundebenen.


Schritt-für-Schritt Anleitung: Speed Ramp (Dramatischer Tempo-Wechsel)

  1. Footage-Layer in Komposition laden (z. B. Action-Szene, 5 Sekunden).
  2. Strg/Cmd + Alt + T → Time Remapping aktivieren.
  3. Im Timeline-Panel erscheint "Zeitneuzuordnung" mit zwei Keyframes.
  4. Graph Editor öffnen (Shift + F3).
  5. Bei Kompositions-Sekunde 1 einen neuen Time-Remapping-Keyframe setzen: Wert entspricht Sekunde 1 des Footages (1s Footage bei 1s Komposition = normale Geschwindigkeit).
  6. Bei Kompositions-Sekunde 3 Keyframe setzen: Wert = 1,5s Footage (in 2 K-Sekunden wurden nur 0,5 Footage-Sekunden abgespielt = 25% Speed = Extreme Slow Motion).
  7. Bei Kompositions-Sekunde 5 letzter Keyframe: Wert = 5s Footage (= volle Geschwindigkeit wieder).
  8. Im Graph Editor: Handle des Keyframes bei K-Sekunde 1 bearbeiten – steiler Abfall (schneller in Zeitlupe) oder sanfter Übergang.
  9. Frame-Blending > Pixel Motion aktivieren für interpolierte Zwischenframes.
  10. RAM-Preview (Numpad 0) – wegen Pixel-Motion-Berechnung benötigt die erste Preview-Berechnung Zeit.

Beispiele – 5 konkrete Anwendungen

  1. Action-Highlight-Reel: Fußball-Torschuss mit Speed Ramp: Anlauf mit 150% Speed (leicht beschleunigt), Schussmoment extreme Zeitlupe (15% Speed), Ball im Netz mit 200% Speed. Dramatische, cineastische Wirkung wie in professionellen Sport-Produktionen.
  2. Musik-Video Retiming: Tanzbewegung synchron zur Beat-Struktur retimed. Beat bei 1:00 = schnelle Bewegung (100–150% Speed), Off-Beat = Zeitlupe (30–50% Speed). Time Remapping mit Keyframes auf jeden Beat gesetzt.
  3. Produktvideo Freeze + Zoom: Produktaufnahme: Zeitraffer durch Unboxing-Sequenz (400% Speed), dann exakter Freeze auf dem Produkt-Detail-Moment, während ein gleichzeitiger Kamera-Zoom das Detail vergrößert.
  4. Tutorial-Beschleunigung: Längeres Screen-Recording oder Handwerk-Prozess. Uninteressante Setup-Phasen auf 300–500% Speed, interessante Momente auf 100% oder 75%. Professionelles Tutorial-Pacing ohne hartes Schneiden.
  5. Ambient-Video-Loop: Kurzes 10-Sekunden-Footage-Clip (z. B. Ozeanwellen) als endloser Loop im Hintergrund. Time Remapping aktivieren, loopOut("cycle") als Expression hinzufügen. Der Clip läuft nahtlos als Endlos-Hintergrund.

In der Praxis

Shortcuts:

  • Strg/Cmd + Alt + T → Time Remapping aktivieren
  • R → Time Remapping in der Timeline anzeigen (nach Aktivierung)
  • Alt + Klick auf Time-Remapping-Stoppuhr → Expression hinzufügen
  • Shift + F3 → Graph Editor öffnen
  • K / J → Zum nächsten/vorherigen Keyframe springen

Häufige Fehler:

  • Freeze Frame zeigt leeres Bild nach letztem Keyframe: Der letzte Keyframe wurde gelöscht oder liegt außerhalb des Layer-Zeitbereichs. Sicherstellen, dass der letzte Time-Remapping-Keyframe innerhalb des Kompositions-Zeitbereichs liegt.
  • Pixel-Motion-Frame-Blending erzeugt Artefakte (Ghosting): Optischer Fluss-Algorithmus hat Schwierigkeiten bei Material mit sehr schneller Bewegung oder unklaren Kanten. Lösung: Frame-Mix statt Pixel-Motion, oder nativ mit hoher Framerate gedrehtes Material (120fps, 240fps) für Zeitlupe nutzen.
  • Speed Ramp wirkt ruckartig im Graph Editor: Keyframe-Interpolation auf Linear statt Bezier. Rechtsklick auf Keyframe > Keyframe-Interpolation > Bezier, dann Handles weich gestalten.
  • loopOut() auf Time Remapping erzeugt Sprung: Erster und letzter Time-Remapping-Keyframe haben nicht denselben Source-Wert. Für nahtlosen Loop: Letzten Keyframe so setzen, dass sein Source-Time-Wert = 0 (Anfang des Footage) ist.

Profi-Tipp: Für professionelle Speed Ramps in Musik-Videos oder Sport-Reels: Erst das Material mit dem Schnitt-Rhythmus in einem Rough Cut synchronisieren, dann Time Remapping für die Feinabstimmung nutzen. Frame-by-Frame-Kontrolle im Graph Editor ist hier entscheidend – der Unterschied zwischen "guter" und "professioneller" Speed Ramp liegt oft in den Keyframe-Handles im Graph Editor (sehr langsamer Einstieg in die Zeitlupe, dann sanftes Ausblenden).


Vergleich & Abgrenzung

MethodeVorteilNachteil
Time RemappingFrame-genaue Kontrolle, Variable SpeedLernkurve, Pixel-Motion-Artefakte
Time Stretch (Layer > Zeit > Zeit ausdehnen)Schnell für einfache ZeitlupeNur global, keine Speed Ramps
Footage interpretieren (Framerate ändern)Permanent für ganzes FootageKeine dynamische Änderung möglich
DaVinci Resolve Speed RampSehr gutes Optical Flow, direkter Schnitt-KontextAnderes Programm
Twixtor (Plugin)Professionelle Zeitlupe, sehr gutes InterpolationKostenpflichtig

Häufige Fragen (FAQ)

Kann Time Remapping auf Kompositions-Layer (Pre-Comp) angewendet werden? Ja. Time Remapping funktioniert auf Pre-Comp-Layern genauso wie auf Footage-Layern. Das macht es möglich, komplexe animierte Kompositionen zu retimen – z. B. eine Charakter-Animation auf einen Beat zu synchronisieren.

Was ist der Unterschied zwischen Time Remapping und "Zeit umkehren" (Reverse)? "Zeit umkehren" (Layer > Zeit > Ebenenzeit umkehren) spielt das Material exakt umgekehrt ab – von hinten nach vorne, gleichmäßig. Time Remapping mit umgekehrten Keyframe-Werten (Source-Time von hoch zu niedrig) erzeugt dasselbe Ergebnis, erlaubt aber variable Speed-Kontrolle über den umgekehrten Clip.


Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe After Effects Benutzerhandbuch – helpx.adobe.com/de/after-effects/using/time-remapping.html
  • School of Motion: Time Remapping in After Effects – schoolofmotion.com
  • Video Copilot: Speed Ramp Tutorial – videocopilot.net
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