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Ebenen in Capture One ermöglichen die nicht-destruktive Anwendung lokaler Bildkorrekturen auf separaten, maskierten Schichten, ohne das Original zu verändern und ohne den Export nach Photoshop.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Capture One · Niveau: Fortgeschritten


Was sind Ebenen in Capture One?

Capture One bietet ein leistungsstarkes Ebenensystem direkt im RAW-Entwicklungsprozess. Im Unterschied zu pixelbasierten Programmen wie Photoshop sind alle Ebenen in Capture One parametrisch: Sie speichern keine Pixelinformationen, sondern Anweisungen (Belichtungswert +0,5 EV, Farbton −5°, etc.), die beim Export auf das Original-RAW angewendet werden. Das macht die Bearbeitung vollständig reversibel.

Jede Ebene kann eine eigene Maske tragen und einen vollständigen Satz Bildkorrekturen enthalten – Belichtung, Kontrast, Farbe, Schärfe, Rauschen und mehr.


Erklärung

Hintergrundebene (Background Layer)

Die Hintergrundebene enthält die globalen Bildanpassungen. Sie ist immer vorhanden und kann nicht gelöscht werden. Alle auf anderen Ebenen vorgenommenen Korrekturen wirken additiv auf den Hintergrund.

Lokale Ebenen anlegen

Neue Ebenen werden im Panel „Ebenen" (Layers) mit dem Plus-Symbol angelegt. Eine neue Ebene hat zunächst keine Maske – alle Korrekturen wirken global, genau wie auf dem Hintergrund. Erst durch das Hinzufügen einer Maske wird der Wirkungsbereich begrenzt.

Ebenentypen:

  • Korrektionsebene: Standardebene für alle Bildkorrekturen
  • Klonebene: Zum Klonen von Bildteilen (Staubflecken, störende Elemente) – direkt in Capture One ohne Photoshop
  • Reparatur-Ebene: Für Content-Aware-ähnliche Füllungskorrekturen

Maskentypen für Ebenen

Jede Ebene kann durch verschiedene Maskentypen präzise gesteuert werden:

  • Pinsel-Maske: Freihändig mit einstellbarem Pinsel (Größe, Weichheit, Deckkraft) gemalt
  • Verlaufsmaske (Gradient): Linear oder radial
  • Luminanzmaske: Automatisch aus den Helligkeitswerten des Bildes berechnet
  • KI-Masken (ab Capture One 23): Automatische Erkennung von Himmel, Hintergrund, Person, Kleidung, Haaren, Haut
  • Farbmaske: Abgeleitet aus einem Farbbereich des erweiterten Farb-Editors

Masken können kombiniert (addiert, subtrahiert, geschnitten) werden, was komplexe Selektionen ermöglicht.

Ebenendeckkraft und Blend-Modi

Jede Ebene hat eine Opazitätsregelung (0–100 %), mit der die Stärke der Korrektur feindosiert werden kann. Blend-Modi (Normal, Multiply, Screen, Overlay etc.) stehen seit Capture One 22 für Korrektionsebenen zur Verfügung, was das Toolset erheblich erweitert.

Ebenen benennen und organisieren

Ebenen können und sollten benannt werden (z. B. „Hautaufhellung", „Himmel abdunkeln", „Staubfleck links"). Dies ist besonders wichtig bei komplexen Bearbeitungen mit 5–15 Ebenen, die bei professionellen Beauty-Retuschen keine Seltenheit sind.


Beispiele

  • Porträt-Retusche: Eine Ebene mit Pinsel-Maske auf der Haut des Models hebt die Belichtung um +0,3 EV an. Eine zweite Ebene mit KI-Haut-Maske reduziert lokal Rauschen auf der Haut. Eine dritte Ebene mit KI-Haar-Maske erhöht die Schärfe nur in den Haaren.
  • Landschaft: Eine Verlaufsmaske vom oberen Bildrand nach unten abdunkelt den Himmel. Eine zweite Ebene mit Luminanzmaske auf den Lichtern bringt Wolkenstruktur zurück.
  • Produktfoto: Klonebene zum Entfernen von Staubpartikeln auf dem Produkt. Korrektionsebene für lokale Farbkorrektur auf dem Produktlogo.

In der Praxis

Effizienter Ebenen-Workflow:

  1. Globale Korrekturen zuerst auf der Hintergrundebene abschließen (Belichtung, Weißabgleich, Kontrast)
  2. Neue Ebene anlegen und benennen
  3. Maske hinzufügen: je nach Motiv KI-Maske, Luminanzmaske oder Pinsel
  4. Maske verfeinern (Pinsel in Subtraktion für saubere Ränder)
  5. Korrekturen auf der Ebene vornehmen
  6. Prozess für jede separate Korrektur wiederholen

Tipp: Maske anzeigen Mit der Tastenkombination M kann die aktive Maske als rote Überlagerung eingeblendet werden – unverzichtbar für die Kontrolle der Maskenqualität.

Ebenen auf andere Bilder übertragen: Über Rechtsklick auf eine Ebene können Ebenenkorrekturen (mit oder ohne Maske) auf andere Bilder der Session kopiert werden.


Vergleich & Abgrenzung

FunktionCapture One EbenenLightroom MaskenPhotoshop Ebenen
Parametrisch (RAW)JaJaNein (pixelbasiert)
KI-MaskierungJa (ab CO 23)Ja (ab LR 11)Ja (Generative Fill)
Blend-ModiJa (ab CO 22)NeinJa, vollständig
KlonebeneJaBegrenztJa
Reparatur-EbeneJaJa (Heal)Ja
EbenenanzahlUnbegrenztBegrenzt auf MaskenUnbegrenzt

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Ebenen kann ich in Capture One erstellen? Es gibt keine feste Obergrenze. In der Praxis sind 20–30 Ebenen pro Bild ohne merkliche Performance-Einbußen möglich, bei sehr komplexen Bearbeitungen kann die Software langsamer werden.

Werden Ebenen beim Export sichtbar? Ja, alle Ebenen werden beim Export (TIFF, JPEG etc.) in das finale Bild eingerechnet. Deaktivierte Ebenen werden ignoriert.

Kann ich Ebenen aus Capture One in Photoshop öffnen? Nein. Beim Export nach Photoshop werden alle Ebenen zu einem flachen Bild zusammengeführt. Für pixelbasierte Ebenenbearbeitung muss das Bild als TIFF exportiert und dann in Photoshop geöffnet werden.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Phase One (2024): Capture One 24 – Official User Guide. Phase One A/S, Kopenhagen.
  • Andrews, M. (2022): The Capture One Cookbook. Rocky Nook, Santa Barbara.
  • Perez, M. (2023): „Layer-based Retouching in Capture One". Fstoppers.com, Miami.
  • Evening, M. (2022): Adobe Photoshop CC for Photographers. 4. Aufl. Focal Press, Oxford. (Vergleichsperspektive)
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