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Export-Rezepte (englisch: Export Recipes) sind gespeicherte Ausgabekonfigurationen in Capture One, die Format, Größe, Farbprofil, Schärfung und Dateinamen-Schema für einen Exportvorgang festlegen und beliebig viele Konfigurationen simultan in einem Schritt ausgeben können.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Capture One · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Process Recipes, Ausgabe-Rezepte; Menüpfad: Ausgabe → Ausgabe-Rezepte; Shortcut: Strg+D (Ausgabe starten)


Was sind Export-Rezepte?

Export-Rezepte sind das Herzstück des Capture One Ausgabe-Workflows. Anstatt Exporteinstellungen jedes Mal neu zu konfigurieren, werden sie einmalig als Rezept gespeichert und stehen dauerhaft zur Verfügung. Besonders mächtig: Mehrere Rezepte können gleichzeitig aktiviert werden – Capture One exportiert alle ausgewählten Bilder dann parallel in alle aktivierten Formate. Ein einziger Tastendruck genügt, um ein Bild gleichzeitig als hochaufgelöstes TIFF für die Druckvorstufe, als sRGB-JPEG für den Kunden-Download und als Web-JPEG in 1200 px für Social Media auszuliefern.


Erklärung

Aufbau eines Rezepts

Jedes Export-Rezept besteht aus mehreren Konfigurationsbereichen:

Format und Qualität:

  • Dateiformat: JPEG, TIFF (8 oder 16 Bit), PNG, DNG, EIP (Capture One eigenes Format), PSD, HEIF
  • JPEG-Qualität: 1–100 %
  • TIFF-Kompression: Keine, LZW, ZIP
  • DNG-Versionierung und Einbetten von Anpassungen

Farbprofil (ICC):

  • sRGB (Standard für Web und Kundenpräsentation)
  • AdobeRGB (für Druckvorstufe und größere Farbraumabdeckung)
  • ProPhoto RGB (für maximale Farbinformation bei 16-Bit-Ausgabe)
  • CMYK (via installiertes CMYK-Profil)
  • Benutzerdefiniertes ICC-Profil (für spezifische Druckdienstleister)

Ausgabe-Skalierung:

  • Keine Skalierung (volle Auflösung)
  • Prozentual (z. B. 50 % der Originalgröße)
  • Kurze/Lange Seite in Pixel (z. B. lange Seite 3000 px)
  • Auflösung in DPI (z. B. 300 dpi für Druck, 72 dpi für Web)

Ausgabe-Schärfung:

  • Keine Schärfung
  • Gentle / Moderate / Strong
  • Separate Schärfungsstärken für verschiedene Ausgabemedien (Screen, Print)

Dateinamen-Token: Das Token-System ermöglicht dynamische Dateinamen:

  • %[Filename] – Original-Dateiname
  • %Y%m%d – Datum
  • %[Counter4] – Vierstelliger Zähler
  • Fester Präfix oder Suffix (z. B. _WEB, _PRINT)

Beispiel: Auftrag_%Y%m%d_%[Filename]_WEBAuftrag_20240911_IMG_0042_WEB.jpg

Ausgabeziel:

  • Fester Ordner (absoluter Pfad)
  • Relativ zur Session: Output-Ordner, Selects-Ordner oder beliebiger Unterordner
  • Desktop, Dropbox, Cloud-Pfad

Rezepte erstellen und verwalten

  1. Im Ausgabe-Tab das Plus-Symbol klicken → Neues Rezept anlegen
  2. Alle Parameter konfigurieren
  3. Rezept benennen (z. B. „KundeJPEGsRGB_3000px")
  4. Häkchen aktivieren = Rezept ist bei nächstem Export aktiv

Mehrere Rezepte können gleichzeitig mit Häkchen versehen sein. Beim Drücken von Ausgewählte verarbeiten (Strg+D) oder Alle verarbeiten werden alle aktivierten Rezepte simultan ausgegeben.

Vorschau-Funktion

Über das Auge-Symbol neben einem Rezept lässt sich eine Vorschau des geplanten Exports anzeigen. Capture One zeigt dabei Dateigröße, Dimensionen und Farbprofil des geplanten Ausgabe-Bildes an – ohne tatsächlich zu exportieren. Nützlich zum Prüfen, ob die Einstellungen korrekt sind.

Rezepte exportieren und teilen

Rezepte können als .coprecipe-Datei exportiert und zwischen Computern oder Mitarbeitern ausgetauscht werden. In größeren Studios werden Standard-Rezept-Sets zentral gepflegt und an alle Bildbearbeiter verteilt.

Wasserzeichen

Jedes Rezept kann ein eigenes Wasserzeichen enthalten: Text oder PNG-Grafik, positionierbar, skalierbar, mit einstellbarer Deckkraft. Unterschiedliche Rezepte können unterschiedliche (oder keine) Wasserzeichen tragen – z. B. mit Logo für Kundenpräsentation, ohne Logo für Retouscheur-Ausgabe.


Beispiele

  1. Dreifach-Ausgabe für E-Commerce: Rezept 1: TIFF, AdobeRGB, 300 dpi, volle Auflösung (Druckvorstufe). Rezept 2: JPEG 90 %, sRGB, lange Seite 3000 px (Kundendatenbank). Rezept 3: JPEG 80 %, sRGB, lange Seite 1200 px (Web-Shop). Alle drei simultan ausgegeben.
  2. Social Media Kit: Rezept für Instagram (1080 × 1080 px), separates Rezept für Pinterest (2:3-Verhältnis, 1000 × 1500 px), ein weiteres für LinkedIn (1200 × 628 px). Ein Klick, drei Formate.
  3. Drucklabor-Ausgabe: Rezept mit benutzerdefiniertem ICC-Profil des Drucklabors (z. B. Fujifilm Crystal Archive profil), 300 dpi, JPEG 95 % – genau nach Spezifikation des Dienstleisters.
  4. Wasserzeichen-Proofs: Rezept 1 mit Logo-Wasserzeichen für Kundenpräsentation, Rezept 2 ohne Wasserzeichen für endgültige Lieferung. Beide aktiviert, Capture One exportiert automatisch beide Versionen.
  5. Tethering mit Live-Output: Während des Shootings ist ein Rezept aktiv, das jede neue Aufnahme sofort als JPEG in einen Dropbox-Ordner exportiert – der Kunde kann live auf dem iPad mitsehen.

In der Praxis

Rezept-Namen professionell wählen: Rezepte klar und eindeutig benennen: Kunde_JPEG_sRGB_3000px statt Export1. So ist auf einen Blick erkennbar, was jedes Rezept ausgibt – gerade wichtig in Teambetrieb.

Output-Ordner per Session-Token: In Sessions den Ausgabepfad auf Output-Unterordner der Session setzen. Dann lassen sich Ausgabe-Dateien einfach dem richtigen Shooting zuordnen und das gesamte Session-Paket bleibt kompakt.

Regelmäßig Rezept-Sets sichern: Alle Rezepte als .coprecipe-Dateien exportieren und in einem Cloud-Ordner oder Studio-Server sichern. Nach einem System-Neuaufbau sind die Rezepte sofort wieder verfügbar.

DNG als Austauschformat: Für die Übergabe an Retouscheure, die nicht mit Capture One arbeiten, eignet sich ein DNG-Rezept (mit eingebetteten Anpassungen), das die Entwicklungseinstellungen portabel mitliefert.

Ausgabe-Schärfung calibrieren: Ausgabe-Schärfung im Rezept immer auf das Zielmedium abstimmen – für Webausgabe andere Werte als für A3-Druck. Das verhindert überschärfte Web-Bilder oder weich wirkende Drucke.


Vergleich & Abgrenzung

FunktionCapture OneLightroom Classic
Mehrere Ausgabe-KonfigurationenJa (simultan)Nein (nacheinander, über Presets)
Dateinamen-TokenJa (flexibel)Ja (begrenzt)
Farbprofil-AuswahlJa (inkl. CMYK)Ja
Wasserzeichen pro RezeptJaJa (global)
Live-Export während TetheringJaNein
Rezepte exportieren/teilenJa (.coprecipe)Nein (nur über Presets)

Lightroom Classic bietet kein direktes Äquivalent zur simultanen Mehrfach-Ausgabe. Dort werden Export-Presets sequenziell angewandt oder über Plugins (z. B. LR/Mogrify) erweitert. Capture Ones simultane Rezept-Ausgabe ist ein echter Workflow-Vorteil in der professionellen Bildproduktion.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Export-Rezepte kann ich gleichzeitig aktivieren? Theoretisch unbegrenzt. In der Praxis sind 3–6 gleichzeitig aktive Rezepte typisch. Mehr gleichzeitige Ausgaben erhöhen die Prozessorauslastung und Exportdauer entsprechend.

Werden Beschnitt und Ausrichtung in den Rezepten berücksichtigt? Ja. Beschnitt, Rotation und alle Entwicklungsanpassungen (inkl. Lokaler Anpassungen und Color Grading) werden beim Export vollständig in die Ausgabedatei gerendert.

Kann ich für verschiedene Kunden verschiedene Rezept-Sets speichern? Rezepte werden in Capture One global gespeichert und sind nicht per Katalog oder Session separiert. Die beste Lösung ist, Rezepte pro Kunde als .coprecipe-Datei zu exportieren und bei Bedarf zu laden, oder Rezepte per Namensschema zu sortieren (z. B. KundeA_Web, KundeA_Print).


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Capture One: Process Recipes Guide – support.captureone.com (2024)
  • Capture One Learning Hub: Efficient Export Workflows – learning.captureone.com (2024)
  • Thomas Fitzgerald: Capture One Export Recipes Explained – blog.thomasfitzgeraldphotography.com (2023)
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