Katalog und Session sind die beiden grundlegenden Datei-Organisationsmodelle in Capture One: Der Katalog verwaltet große Bildarchive zentral in einer Datenbank, während die Session eine schlanke, ordnerbasierte Struktur für einzelne Produktionen oder Aufträge bietet.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Capture One · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Catalog (englisch), Session (englisch); Menüpfad: Datei → Neuer Katalog / Neue Session
Was sind Katalog und Session?
Beim Start von Capture One muss man sich für einen der beiden Arbeitsmodi entscheiden: Katalog oder Session. Beide speichern Metadaten, Entwicklungseinstellungen und Vorschauen – aber auf grundlegend unterschiedliche Weise. Die Wahl des richtigen Modus ist eine der wichtigsten Entscheidungen für den persönlichen Capture One Workflow und beeinflusst Tethering, Backup, Geschwindigkeit und Kollaboration.
Erklärung
Der Katalog
Ein Katalog ist eine zentrale Datenbank-Datei (Dateiendung: .cocatalog), die Verweise auf alle importierten Bilder enthält. Die Bilddateien selbst können an beliebigen Orten auf der Festplatte oder auf externen Laufwerken liegen; der Katalog speichert lediglich den Pfad zu ihnen sowie alle Metadaten, Ratings, Keywords, Collections und Entwicklungsanpassungen.
Struktur:
- Eine
.cocatalog-Datei (enthält die SQLite-Datenbank) - Optionaler interner Vorschau-Cache
- Die Originaldateien bleiben an ihrem Speicherort
Vorteile des Katalogs:
- Zentrales Archiv: Alle Bilder aus allen Shootings in einer einzigen Datenbank verwaltbar
- Leistungsfähige Suche über alle importierten Bilder hinweg (Filter nach Datum, Rating, Keyword, Kamera, Objektiv etc.)
- Smart Albums: Dynamische Sammlungen, die sich automatisch nach definierten Suchkriterien aktualisieren
- Offline-Bilder: Bilder auf nicht angeschlossenen externen Laufwerken bleiben im Katalog sichtbar (mit Vorschau), solange die Festplatte nicht angeschlossen ist
- Mehrere Speicherorte: Bilder können auf mehreren Laufwerken verteilt sein und werden im Katalog gemeinsam verwaltet
Nachteile des Katalogs:
- Größere Datenbank-Datei kann bei Millionen von Bildern unhandlich werden
- Backup komplexer: Katalog-Datei und Originaldateien müssen separat gesichert werden
- Bei Tethering etwas umständlicher (Import-Schritt notwendig)
- Weniger portabel: Nicht trivial, nur ein Shooting auf einen anderen Computer zu übergeben
Die Session
Eine Session ist ein Ordner-basiertes System: Für jeden Auftrag oder jedes Shooting wird eine neue Session angelegt. Capture One erstellt dabei automatisch eine Ordnerstruktur:
- Capture – Ordner für tethered aufgenommene oder importierte Bilder
- Selects – Ordner für ausgewählte Bilder
- Output – Ordner für exportierte Dateien
- Trash – Papierkorb für gelöschte Dateien
Die Session-Metadaten werden in einer .cosessiondb-Datei gespeichert, die direkt im Session-Ordner liegt. Alle Entwicklungseinstellungen liegen als Sidecar-Dateien (.cos) neben den RAW-Dateien.
Vorteile der Session:
- Maximale Portabilität: Der gesamte Session-Ordner kann auf eine externe Festplatte oder einen anderen Computer kopiert werden – alle Einstellungen bleiben erhalten
- Ideal für Tethering: Bilder landen direkt im Capture-Ordner, ohne Import-Schritt
- Einfaches Backup: Ein Ordner = ein Shooting = ein Backup
- Klare Struktur: Jedes Shooting hat seinen eigenen abgeschlossenen Kontext
- Für Freelancer und Studios mit Job-basiertem Workflow optimal
Nachteile der Session:
- Kein zentrales Archiv: Sessions sind voneinander isoliert; eine übergreifende Suche ist nicht nativ möglich
- Kein Smart Album über mehrere Sessions hinweg
- Bei großen Archiven müssen Sessions manuell nach Datum oder Projekt sortiert werden
Hybride Nutzung: Sessions im Katalog
Ab Capture One 22 ist es möglich, Sessions in einen Katalog zu importieren. So kann man den Komfort des Job-basierten Session-Workflows beim Shooting nutzen und die Sessions nachträglich in ein zentrales Archiv überführen. Das ist der Workflow vieler professioneller Studios.
Sidecar-Dateien und Metadaten
In Sessions liegen alle Entwicklungsanpassungen als .cos-Sidecar-Datei neben der RAW-Datei. In Katalogen sind alle Anpassungen in der zentralen Datenbank gespeichert. Beide Systeme sind nicht-destruktiv: Die RAW-Originaldatei wird niemals verändert.
Beispiele
- Freelance-Fotograf (Job-basiert): Jedes Shooting bekommt eine eigene Session. Nach dem Shooting wird der gesamte Session-Ordner auf eine externe SSD kopiert – fertig gesichertes Backup inklusive aller Entwicklungseinstellungen.
- Archivfotograf (großer Bestand): Ein Naturfotograf mit 200.000+ Bildern nutzt einen zentralen Katalog. Über Smart Albums werden Bilder nach Tierart, Jahr und Rating automatisch sortiert – ohne manuelle Ordnerstruktur.
- Werbefotografie-Studio (hybrid): Das Studio erstellt für jeden Auftrag eine Session (Tethering-Workflow), importiert diese nach Abschluss in den Studio-Katalog für die Langzeitarchivierung.
- Fotojournalist (portabel): Während einer mehrtägigen Reportage wird pro Tag eine Session auf dem Laptop angelegt. Jeden Abend werden die Sessions auf einen verschlüsselten USB-Stick gesichert.
In der Praxis
Einsteiger starten mit Session: Für Fotografen, die Capture One neu lernen, ist die Session intuitiver. Man sieht sofort alle Dateien im Ordner, das Konzept ist vertraut. Zum Katalog kann man jederzeit wechseln.
Katalog-Nutzer: Backup nicht vergessen: Die .cocatalog-Datei ist der neuralgische Punkt: Geht sie verloren, verliert man alle Metadaten und Entwicklungseinstellungen. Tägliches Backup mit Time Machine (Mac) oder einer Cloud-Lösung ist Pflicht.
Session-Nutzer: Sprechende Namen vergeben: Session-Ordner nach Schema JJJJMMTT_Auftraggeber_Beschreibung benennen, z. B. 20240911_MayerAG_HerbstKampagne. Das erleichtert die spätere Archivsuche erheblich.
Große Kataloge optimieren: Bei Katalogen mit >50.000 Bildern empfiehlt es sich, ältere Shootings in Archiv-Kataloge auszulagern und nur das aktuelle Jahr im Arbeits-Katalog zu halten.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Session | Katalog |
|---|---|---|
| Dateistruktur | Ordner-basiert | Datenbankbasiert |
| Portabilität | Sehr hoch | Mittel |
| Archivfähigkeit | Begrenzt (isoliert) | Hoch (zentral) |
| Tethering | Optimal | Möglich (mit Import) |
| Suche über alle Bilder | Nein | Ja |
| Smart Albums | Nein | Ja |
| Backup-Komplexität | Gering | Mittel |
| Ideal für | Freelancer, Studios, Jobs | Archivierung, große Bestände |
Lightroom Classic kennt nur ein Organisationsmodell: den Katalog. Es gibt keine direkte Session-Äquivalenz. Lightroom-Nutzer, die zu Capture One wechseln, bevorzugen oft zunächst den Katalog-Modus, weil er dem gewohnten Konzept ähnelt.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich nachträglich von Session zu Katalog wechseln? Ja. Über Datei → Importieren → Session in Katalog importieren werden alle Bilder und Einstellungen einer Session in den geöffneten Katalog übernommen. Die Original-Session bleibt dabei unverändert erhalten.
Kann ich mehrere Sessions gleichzeitig öffnen? Nein. Capture One öffnet immer nur eine Session oder einen Katalog zur Zeit. Um Bilder aus verschiedenen Sessions zu vergleichen, müssen diese in einen Katalog importiert werden.
Werden Sidecar-Dateien einer Session automatisch mitgesichert? Ja, solange man den gesamten Session-Ordner sichert. Die .cos-Sidecars liegen direkt neben den RAW-Dateien und werden beim Kopieren des Ordners automatisch mitgenommen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Capture One: Catalog vs. Session – Which is right for you? – support.captureone.com (2024)
- Arne Ravik: Session vs Catalog Workflow in Capture One – Capture One YouTube-Kanal (2023)
- Ming Thein: Capture One Workflow Guide – mingthein.com (2022)
