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Die Color Page ist die dedizierte Farbkorrektur- und Color-Grading-Umgebung in DaVinci Resolve, die ein node-basiertes, nicht-destruktives Grading-System mit primären und sekundären Korrekturen, professionellen Scopes und umfangreichen Qualifizierungswerkzeugen bietet.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Color-Seite, Grading-Seite; Menüpfad: Klick auf den Farbpaletten-Reiter unten in der Hauptnavigation (Sechstes Symbol, Palette-Icon); Shortcut: Shift+6 (Color Page)


Was ist die Color Page?

Die Color Page ist eine der sieben Haupt-Seiten von DaVinci Resolve (Media, Cut, Edit, Fusion, Color, Fairlight, Deliver). Sie ist das Herzstück der Software und der Grund, warum DaVinci Resolve in der professionellen Kinopostproduktion zur Industrie-Standardsoftware für Coloristen geworden ist. Im Gegensatz zu Premiere Pros Lumetri-Color-Panel (Effekt-basiert) arbeitet die Color Page mit einem Node-System: Korrekturen werden nicht als Liste von Effekten, sondern als Netzwerk von Knoten (Nodes) strukturiert, die miteinander verbunden werden können. Jeder Node ist ein eigenständiger Korrekturschritt, der serielle, parallele und Layer-Verknüpfungen ermöglicht.


Erklärung

Benutzeroberfläche der Color Page

Die Color Page teilt sich in folgende Hauptbereiche:

1. Viewer (oben links): Vorschau des aktuellen Clips. Wählbar zwischen Clip-only-View und Split-Screen (Before/After).

2. Scopes (oben Mitte/rechts): Professionelle Mess-Instrumente: - Waveform: Helligkeitsverteilung über die Bildbreite. - Parade (RGB): Rot-, Grün- und Blau-Kanäle separat als Waveform. - Vectorscope: Farbsättigung und Farbton als Kreisdiagramm. Der Fleischton-Linie (Skin Tone Line) kommt bei der Kalibrierung besondere Bedeutung zu. - Histogramm: Häufigkeitsverteilung von Helligkeitswerten. - CIE-Chromatizitätsdiagramm: Gamut-Analyse.

3. Gallery (oben, wenn geöffnet): Speicherung und Verwaltung von Stills (Einzelframes mit eingefrorenen Grading-Daten). Stills ermöglichen den schnellen Vergleich und das Übertragen von Gradings.

4. Clips (Timeline-Streifen, unten): Miniaturansicht aller Clips in der Timeline. Farbige Balken unter den Clips zeigen an, ob und welche Art von Korrekturen angewendet wurden (Grün = Primär, Gelb = Sekundär, Blau = PowerWindow etc.).

5. Node-Editor (Mitte rechts): Das zentrale Element. Hier wird die Grading-Pipeline als Knoten-Netzwerk aufgebaut.

6. Color-Wheels / Kurven / Qualifier (unten): Der Hauptarbeitsbereich für Korrekturen, zwischen dem per Tab gewechselt wird: - Color Wheels: Farbräder für Lift (Tiefen), Gamma (Mitteltöne), Gain (Lichter) sowie Master-Wheel. Modus wählbar: Log-Modus, Offset-Modus. - Kurven (Custom Curves): RGB-Master-Kurve und individuelle Kanalkurven (R, G, B). Hue-Kurven: Hue vs. Saturation, Hue vs. Hue, Hue vs. Luma, Saturation vs. Saturation, Luma vs. Saturation. - Qualifier: HSL-Qualifier (Farbauswahl per Pipette), Luminance-Qualifier und 3D-Qualifier. - PowerWindows: Fenster/Masken für lokale Korrekturen (separater Wiki-Eintrag). - Tracker: Automatische Verfolgung von PowerWindows (separater Wiki-Eintrag).

Das Node-System

Nodes sind das fundamentale Konzept der Color Page. Jeder Node ist ein Verarbeitungsschritt, der Bild-Input erhält und (modifiziert) ausgibt:

  • Serieller Node (Serial Node): Verarbeitung nacheinander. Output von Node 1 ist Input von Node 2. Korrekturen stapeln sich. Shortcut: Alt+S.
  • Paralleler Node (Parallel Node): Mehrere Nodes verarbeiten denselben Input parallel; ihre Outputs werden gemischt/addiert. Shortcut: Alt+P.
  • Layer-Node: Ähnlich wie Parallel, aber mit Blending-Optionen (Über/Unter).
  • Außenmask (Outside Node): Korrekturen außerhalb einer Maske anwenden.
  • Splitter/Combiner: Ermöglicht die Arbeit auf einzelnen Farbkanälen (Y, Cb, Cr oder R, G, B).

Typische Node-Struktur für professionelles Grading:

  • Node 1: Technische LUT-Anwendung (z. B. Log → Rec.709)
  • Node 2: Primäre Balancierung (Weißabgleich, Kontrast)
  • Node 3: Creative Look (künstlerisches Grading, Tonwertanpassung)
  • Node 4: Sekundäre Korrekturen (z. B. Hautton-Qualifizierung)
  • Node 5: Output-Shaping (finale Helligkeitsbegrenzung für Broadcast)

Primäre Korrekturen

Im Bereich „Color Wheels" werden die drei klassischen Zonen bearbeitet:

  • Lift (Tiefen): Beeinflusst die dunkelsten Bereiche des Bildes.
  • Gamma (Mitteltöne): Beeinflusst die mittleren Helligkeitsbereiche.
  • Gain (Lichter): Beeinflusst die hellsten Bereiche.
  • Offset: Verschiebt alle Tonwerte gleichzeitig (praktisch für globale Farbtemperatur-Anpassungen).

Die Contrast- und Pivot-Regler sowie Sättigungs-, Farbton- und Luminanz-Regler ergänzen die Farbräder.

LUT-Import und -Verwaltung

LUTs (Look-Up Tables) können über File > Import > LUT in DaVinci Resolve importiert werden. Im Node-System werden LUTs per Rechtsklick auf einen Node > „LUTs" > LUT auswählen angewendet. Die Intensität kann mit dem LUT-Stärke-Regler reduziert werden (0–100 %).


Beispiele

  1. Log-Material graden: ARRI LogC-Footage erhält auf Node 1 die ARRI LogC-to-Rec.709-LUT. Node 2 balanciert Weißabgleich per Farbrad-Offset. Node 3 fügt einen cineastischen Look mit abgesenkten Tiefen (Lift Blau leicht erhöht) hinzu.
  2. Kamera-Matching: Zwei Kameras (Sony und Canon) werden per Scopes visuell angeglichen. Der Waveform zeigt exakt, welche Kamera in den Tiefen heller ist; mit dem Lift-Rad wird angepasst.
  3. Skin-Tone-Isolierung: Mit dem HSL-Qualifier werden Hauttöne qualifiziert (Pipette auf Gesicht), ein Parallel-Node verändert nur diese Zone in Sättigung und Farbton.
  4. Split Toning: Die Tiefen erhalten im Lift-Farbrad einen leichten Blau-Push, die Lichter im Gain-Rad einen Orange-Hauch – klassischer cinematischer Teal-and-Orange-Look.

In der Praxis

  • Stills für Referenz nutzen: Vor jedem Grading-Schritt ein Grab-Still (Strg+G) machen. Damit lässt sich jederzeit zum vorherigen Stand zurückkehren.
  • Remote Grades: In DaVinci Resolve können Grading-Einstellungen als „Remote Grade" auf alle Clips desselben Quellmaterials gleichzeitig angewendet werden – ideal für Material, das an mehreren Stellen in der Timeline vorkommt.
  • Gallery und PowerGrades nutzen: Fertige Grading-Presets als PowerGrade in der Gallery speichern und auf andere Projekte anwenden.
  • Scopes permanent einblenden: Waveform und Vectorscope immer sichtbar lassen. Niemals nach Augenmaß graden – der Monitor ist selten perfekt kalibriert.
  • Shortcut Nodes: Alt+S (Serial), Alt+P (Parallel), Alt+L (Layer Node), Strg+D (Node deaktivieren/aktivieren).

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalColor Page (DaVinci)Lumetri Color (Premiere)Baselight
Node-SystemJaNein (Effekt-Liste)Ja
ScopesVollständigVollständigVollständig
Kino-StandardJaNeinJa
HDR-WorkflowVollständig (HDR Wheels)BegrenztVollständig
KostenKostenlos (Basis) / 300 € (Studio)CC-AboLizenz (teuer)

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen dem Log-Modus und dem Video-Modus bei den Farbrädern? Im Video-Modus entsprechen Lift, Gamma und Gain klassischen Helligkeit-Zonenbereichen (Tiefen, Mitteltöne, Lichter) auf einer linearen Skala. Im Log-Modus werden die Übergänge sanfter und logarithmisch verteilt, was für Log-codiertes Kameramaterial aus der Praxis natürlichere Ergebnisse liefert. Für gedrehtes Filmmaterial wird der Log-Modus bevorzugt.

Wie viele Nodes kann ich in einem Grade verwenden? Theoretisch unbegrenzt. In der Praxis werden komplexe Grades mit 10–25 Nodes gebaut. Die DaVinci-Studio-Version (kostenpflichtig) bietet zusätzliche Node-Typen und bessere GPU-Beschleunigung für sehr umfangreiche Grading-Pipelines.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve Referenzhandbuch – Color. (2024)
  • Hurkman, Alexis Van: Color Correction Handbook: Professional Techniques for Video and Cinema. 3. Aufl. Peachpit Press, 2022.
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