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Der Color Tracker in DaVinci Resolve verfolgt die Bewegung von Objekten, Personen oder Kameraschwenks automatisch und verknüpft PowerWindows mit dieser Bewegungsanalyse, sodass lokale Farbkorrekturen auch in bewegten Szenen präzise am Zielobjekt bleiben.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Tracker, Motion Tracking, Window-Tracker; Menüpfad: Color Page > Tab „Tracker" (Ziel-Icon in der unteren Panel-Leiste); Shortcut: kein Standard


Was ist der Color Tracker?

In der Praxis der Farbkorrektur ist ein PowerWindow nur dann nützlich, wenn es an derselben Bildposition bleibt, für die es erstellt wurde. Sobald sich die Kamera bewegt (Schwenk, Fahrt, Handkamera) oder das korrigierte Motiv sich im Bild bewegt (Person geht durch Szene, Fahrzeug fährt), verlässt das statische Window seinen Bereich und die Korrektur wirkt auf falsche Bildteile. Der Color Tracker löst dieses Problem: Er analysiert die Bildbewegung (Translation, Rotation, Skalierung, perspektivische Verzerrung) und berechnet automatisch die nötige Window-Bewegung für jeden Frame.


Erklärung

Tracking-Modi

DaVinci Resolve bietet zwei grundlegende Tracking-Ansätze:

1. Point-Tracker (klassisches Feature-Tracking) Der klassische Tracker verfolgt markante Bildmerkmale (Kontrast-Übergänge, Texturen) über die Zeit:

  • Analyse-Parameter:

- Translation (X/Y): Positions-Verschiebung des Objekts. - Rotation: Drehung des Objekts. - Scale (Skalierung): Größenveränderung (z. B. Objekt kommt näher). - Perspective: 3D-Perspektivveränderung (Keystone-Effekt).

  • Analyse-Richtung: Vorwärts (Forward), Rückwärts (Backward), Bidirektional (Bidirectional).

2. DaVinci Neural Engine Tracker (KI-basiert) Seit DaVinci Resolve 17 steht ein KI-gestützter Tracker zur Verfügung (unter „Cloud" oder „Neural Engine" im Tracker-Panel). Dieser erkennt Gesichter und Objekte semantisch, anstatt nur Bildmerkmale zu verfolgen. Für Gesichter ist er deutlich robuster als der klassische Point-Tracker.

Schritt-für-Schritt: Tracking mit PowerWindow

  1. Node für lokale Korrektur anlegen: Einen neuen seriellen Node erstellen (Alt+S).
  2. Korrektur einstellen: Die gewünschte Farbkorrektur im Node vornehmen (z. B. Gesicht aufhellen).
  3. PowerWindow zeichnen: Im Windows-Tab (Alt+W) ein Ellipsen-Window um das zu verfolgende Objekt zeichnen.
  4. Tracker-Tab öffnen: Auf den Tracker-Tab klicken (Ziel-Symbol in der Tab-Leiste).
  5. Tracking-Parameter wählen: Die Parameter ankreuzen, die relevant sind (Translation immer, Rotation und Scale je nach Objekt).
  6. Track Forward: Auf die „Track Forward"-Schaltfläche klicken (Play-Symbol nach rechts). DaVinci analysiert alle Frames vorwärts und bewegt das Window automatisch mit dem Objekt mit.
  7. Ergebnis prüfen: Die Timeline durchfahren und prüfen, ob das Window dem Motiv korrekt folgt.
  8. Manuelle Korrekturen: An Frames, wo das Tracking versagt hat (z. B. bei Verdeckung), können manuell Keyframes für die Window-Position gesetzt werden.

Tracking-Analyse vs. Keyframe-Modus

Im Tracker-Panel gibt es zwei Ansichts-Modi:

  • Tracking-Modus: Analyse der Bildbewegung. Hier werden Trackpunkte gesetzt und die Analyse gestartet.
  • Keyframe-Modus: Hier sind alle generierten Keyframes sichtbar und können manuell angepasst werden. Fehlerhaft getrackte Frames werden hier korrigiert.

Kopieren von Track-Daten

Track-Daten eines Windows können auf andere Windows desselben Nodes oder auf andere Nodes übertragen werden (Rechtsklick auf Tracker > Tracking-Daten kopieren). Das ist nützlich, wenn mehrere Windows dasselbe Objekt verfolgen sollen.

Stabilisierung (Kamera-Tracker)

Eine Sonderform des Trackings ist die Kamera-Stabilisierung, die über Clip > Stabilize (im Edit-Seiten-Inspector) oder in der Color Page über Tracker > Stabilizer erreichbar ist. Hier wird die Kamerabewegung analysiert und die gegenläufige Bewegung automatisch auf den Clip angewendet, um verwackelte Aufnahmen zu stabilisieren.


Beispiele

  1. Gesichts-Aufhellung: Eine Person läuft quer durch das Bild. Ein Ellipsen-Window um das Gesicht wird mit Translation+Rotation getrackt. Die Gesichts-Aufhellungskorrektur folgt dem Gesicht über den gesamten Shot.
  2. Kfz-Nummernschildunkenntlichmachung: Das Nummernschild eines Fahrzeugs soll unkenntlich gemacht werden. Ein Rechteck-Window wird platziert und mit Scale+Translation getrackt, da das Fahrzeug sich nähert (Skalierung ändert sich).
  3. Himmelskorrektur bei Schwenk: Ein Gradient-Window für den Himmel muss bei einem Kameraschwenk mitschwenken. Tracking mit Translation und Rotation liefert eine saubere Lösung.
  4. Produktplatzierung retuschieren: Ein Logo auf einem T-Shirt soll entfernt (durch Unschärfe ersetzt) werden. Das Window folgt dem Schauspieler durch die Szene dank Translation+Scale.

In der Praxis

  • Trackpunkte auf kontrastreiche Stellen setzen: Der klassische Tracker funktioniert am besten auf Bildmerkmalen mit hohem Kontrast (Kante, Textur). Gleichmäßige Flächen (Himmel, einfarbige Wände) eignen sich schlecht.
  • Bidirektionales Tracking bevorzugen: Bidirektional liefert oft bessere Ergebnisse als Vorwärts allein, da Fehler durch doppelte Analyse reduziert werden.
  • Nicht überoptimieren: Nicht alle Track-Parameter gleichzeitig aktivieren. Bei einer statischen Kamera mit sich bewegendem Objekt reicht Translation. Perspective nur bei wirklich starker 3D-Perspektivänderung aktivieren – sonst erzeugt es Fehler.
  • Keyframe-Modus für Feinarbeit: Tracing ist selten perfekt für einen gesamten Shot. Den Keyframe-Modus nutzen, um Einzelframes zu korrigieren.
  • Neural Engine für Gesichter: Sobald Gesichts-Tracking gefragt ist, den KI-Tracker (Neural Engine) bevorzugen. Er ist robuster bei Verdeckungen, schnellen Bewegungen und Mimikveränderungen.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalColor Tracker (DaVinci)After Effects Motion TrackerPremiere Pro (kein Tracker)
Integration in GradingDirekt (Color Page)Über Dynamic LinkNicht vorhanden
KI-Tracker verfügbarJa (Neural Engine)Mocha PluginNein
Point-TrackingJaJaNein
Perspektivisches TrackingJaJaNein
Für Coloristen optimiertJaNeinNicht zutreffend

Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert bei Verdeckungen (Objekt geht hinter etwas)? Wenn das Trackobjekt vorübergehend verdeckt wird (z. B. Person geht hinter Türrahmen), verliert der klassische Tracker den Anker und liefert ab dem Verdeckungspunkt fehlerhafte Ergebnisse. Lösung: Tracking bis kurz vor die Verdeckung durchführen, manuellen Keyframe an der Verdeckungsstelle setzen und dann nach der Verdeckung erneut tracken. Der KI-Tracker (Neural Engine) ist in solchen Situationen deutlich robuster.

Kann ich Tracking-Daten für Fusion oder Cut-Page-Stabilisierung nutzen? Tracking-Daten aus der Color Page sind nur für die Color Page verfügbar. Die Fusion-Seite hat einen eigenen Tracker (Tracker-Tool in Fusion). Die Kamera-Stabilisierung ist separat über den Clip-Inspector im Edit- oder Cut-Bereich zugänglich. DaVinci Resolve hat keine gemeinsame Tracking-Datenbank zwischen den Seiten.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve Referenzhandbuch – Tracking und Stabilisierung. (2024)
  • Hurkman, Alexis Van: Color Correction Look Book. Peachpit Press, 2014.
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