Die Cut Page ist eine auf maximale Schnittgeschwindigkeit optimierte Editing-Umgebung in DaVinci Resolve, die mit vereinfachter Oberfläche, automatisierten Werkzeugen und dem Source-Tape-Konzept besonders für Nachrichten-Editing, Social-Media-Content und schnelle Erst-Assemblies ausgelegt ist.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Cut-Seite, Fast Edit; Menüpfad: Zweites Symbol von links in der unteren Navigationsleiste (Schere-Icon); Shortcut: Shift+2 (Cut Page)
Was ist die Cut Page?
Die Cut Page wurde mit DaVinci Resolve 16 (2019) eingeführt und ist konzeptionell ein eigenständiges Editing-Interface neben der vollständigen Edit Page. Sie wurde speziell für Situationen entwickelt, in denen Geschwindigkeit wichtiger ist als Kontrolle: Event-Videoproduzenten, die in kurzer Zeit einen Nachmittagsschnitt liefern müssen; Social-Media-Redakteure, die täglich viele kurze Clips produzieren; Journalisten, die Nachrichtenbeiträge mit strikter Deadline schneiden. Die Cut Page und die Edit Page teilen dieselbe Timeline und denselben Media Pool – Änderungen in einer Seite sind sofort in der anderen sichtbar.
Erklärung
Aufbau der Cut-Page-Oberfläche
Die Cut Page zeigt zwei Fenster übereinander:
Oben: Doppel-Viewer-Fenster:
- Linkes Fenster (Source): Zeigt das aktuell ausgewählte Material aus dem Media Pool.
- Rechtes Fenster (Timeline): Zeigt die aktuelle Position in der Schnittsequenz.
Unten: Die Timeline in zwei Ebenen:
- Obere Leiste (Gesamtübersicht): Zeigt die gesamte Sequenz in einer komprimierten Ansicht – immer sieht man alles.
- Untere Leiste (Detail-Ansicht): Zeigt einen zoombaren Ausschnitt der Timeline für Feinschnitte.
Diese Doppel-Timeline ist das Alleinstellungsmerkmal der Cut Page: Man verliert nie den Überblick über die Gesamtstruktur, während man gleichzeitig im Detail arbeitet.
Das Source-Tape-Konzept
Ein einzigartiges Feature der Cut Page ist das Source Tape: Anstatt einzelne Clips aus dem Media Pool auszuwählen, werden alle Clips des Media Pools (oder eines Bins) als ein einziges, kontinuierliches Band dargestellt – ähnlich einem linearen Videoband. Der Schnittredakteur scrollt durch das gesamte Material und setzt In- und Out-Punkte, ohne einzelne Clips vorher benennen oder organisieren zu müssen. Das Source Tape ist besonders nützlich, wenn das Material noch nicht verschlagwortet ist und man es „durchfahren" möchte.
Schnellschnitt-Funktionen
Smart Insert: Der Clip wird automatisch an der Stelle eingefügt, die inhaltlich am sinnvollsten ist – DaVinci analysiert Gesprächspausen und setzt den Clip an einer Atempause.
Append: Fügt den nächsten Clip einfach am Ende der Sequenz an. Ideal für das schnelle Aufbauen eines linearen Erst-Assemblies.
Ripple Overwrite: Überschreibt einen Clip in der Timeline und schiebt den Rest automatisch nach hinten oder vorne, ohne manuelle Ripple-Delete-Operationen.
Close Up: Zoomt automatisch auf einen Clip im Timeline-Viewer heran, um einen Close-Up-Effekt ohne Zweitkamera zu simulieren. Nützlich für Schnelldokumentation.
Sync Bin: Wenn in der Timeline ein Clip mit Audioeinhalt liegt, zeigt der Sync Bin alle anderen Clips, die zeitlich (Timecode) mit diesem Clip übereinstimmen – perfekt für Multicam-Szenen ohne formale Multicam-Sequenz.
Transition und Effekte
Die Cut Page bietet eine vereinfachte Auswahl an Transitions und grundlegenden Effekten:
- Harter Schnitt (Standard)
- Cross Dissolve
- Fade-in / Fade-out
Für komplexe Transitions und Effekte muss auf die Edit Page gewechselt werden.
Audio-Bearbeitung in der Cut Page
Grundlegende Audiospur-Steuerung ist vorhanden (Lautstärke, Stummschaltung), aber keine detaillierte Audio-Bearbeitung. Für ernsthafte Audio-Arbeit ist die Fairlight-Seite zu verwenden.
Integration mit Edit Page und Color Page
Da Cut Page und Edit Page dieselbe Timeline teilen, kann ein Workflow so aussehen:
- Cut Page: Schnelles Assembly des Rohschnitts (Material durchfahren, Clips aneinanderhängen).
- Edit Page: Feinschnitt, Transitions, Effekte, Titles.
- Color Page: Farbkorrektur und Color Grading.
- Fairlight: Audio-Mixing.
- Deliver Page: Export.
Beispiele
- Nachrichten-Clip: Ein Außenreporter schickt 20 Minuten Rohmaterial ein. In der Cut Page wird über das Source Tape alles durchgefahren; in 15 Minuten ist ein 2-Minuten-Beitrag zusammengestellt und der Ton grundlegend ausgepegelt.
- Event-Recap: Eventfotos und Kameraclips werden im Sync Bin durchgesehen; eine 90-Sekunden-Zusammenfassung ist in einer halben Stunde fertig.
- Social-Media-Reel: 10 kurze Clips aus einem Shoot werden per Append schnell hintereinandergefügt und mit einer einheitlichen Musik-Unterspur versehen.
- Erst-Assembly für Langfilm: Ein Dokumentarfilm-Rohschnitt wird zunächst in der Cut Page aus dem gesamten Material zusammengestellt; der Feinschnitt folgt in der Edit Page.
In der Praxis
- Source Tape für unkatalogisiertes Material: Wenn das Material noch nicht sortiert oder verschlagwortet ist, ist das Source Tape der effizienteste Einstieg – einfach durchfahren und Clips herausschneiden.
- Cut Page als Einstieg für Anfänger: Die vereinfachte Oberfläche ist weniger überwältigend als die Edit Page und eignet sich gut für Einsteiger, die grundlegende Schnittkonzepte erlernen möchten.
- Nicht für komplexe Timelines: Bei Projekten mit vielen Videospuren, komplexen VFX-Layers oder detaillierten Audio-Splits sollte direkt die Edit Page verwendet werden.
- Shortcut für Append: Der Shortcut zum Anhängen eines Clips an die Timeline ist F12 (oder der Append-Button in der Werkzeugleiste). Das ist der schnellste Weg zum Aufbau eines linearen Assemblies.
- Zwischen Cut und Edit Page wechseln: Shift+2 (Cut Page) und Shift+3 (Edit Page) sind die direkten Shortcuts; die aktuelle Timeline bleibt beim Wechsel vollständig erhalten.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Cut Page | Edit Page | Premiere Pro Schnitt-Panel |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Schnellschnitt, Einsteiger | Professioneller Schnitt | Professioneller Schnitt |
| Source Tape | Ja (Alleinstellungsmerkmal) | Nein | Nein |
| Doppel-Timeline | Ja | Nein | Nein |
| Effekte/Transitions | Eingeschränkt | Vollständig | Vollständig |
| Audio-Bearbeitung | Basis | Vollständig | Vollständig |
| Multicam | Via Sync Bin | Vollständig | Vollständig |
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich eine auf der Cut Page begonnene Sequenz auf der Edit Page weiterschneiden? Ja, ohne Einschränkungen. Cut Page und Edit Page teilen vollständig dieselbe Timeline und denselben Media Pool. Alle auf der Cut Page gesetzten Schnitte, Clips und Anpassungen sind sofort auf der Edit Page sichtbar und umgekehrt. Ein typischer Workflow ist: Erst-Assembly in der Cut Page, Feinschnitt in der Edit Page.
Warum fehlen auf der Cut Page viele Effekte und Transitions? Die Cut Page ist bewusst auf minimale, essentielle Werkzeuge reduziert, um die Oberfläche schlank und schnell zu halten. Transitions wie Wischblenden, Zoom-Ins oder komplexe Compositing-Effekte sind intentional nicht vorhanden. Für diese Operationen ist die Edit Page vorgesehen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Blackmagic Design: DaVinci Resolve Referenzhandbuch – Cut Page. (2024)
- Brinkmann, Ron: The Art and Science of Digital Compositing. 2. Aufl. Morgan Kaufmann, 2008.
