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Die Color Page in DaVinci Resolve ist die zentrale Arbeitsumgebung für professionelles Farbmanagement, primäre und sekundäre Farbkorrektur sowie kreatives Color Grading innerhalb des Postproduktions-Workflows.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Color Grading Workspace, Grading Suite, Color Tab (Menüpfad: untere Leiste → Farbpaletten-Symbol)

Was ist die Color Page?

Die Color Page ist eines der zentralen Module von DaVinci Resolve und gilt in der Branche als Industriestandard für professionelles Farbgrading. Sie vereint alle Werkzeuge für Farbkorrektur, Gradingkurven, Scopes, Qualifier und Node-Management in einer einzigen, hochoptimierten Oberfläche. Ursprünglich war DaVinci ausschließlich ein Farbkorrektur-System – diese Herkunft spiegelt sich in der Tiefe und Präzision der Color Page wider.

Erklärung

Die Color Page ist in mehrere funktionale Bereiche gegliedert, die sich individuell konfigurieren lassen:

Viewer und Timeline (oben/mittig): Der Viewer zeigt das aktuell ausgewählte Frame. Darunter befindet sich der Mini-Timeline-Streifen (Thumbnail-Reihe), mit dem man schnell zwischen Clips navigiert. A/B-Vergleiche zwischen Original und gradiertem Bild lassen sich per Wipe, Side-by-Side oder Split-Screen anzeigen.

Scopes (oben rechts): Parade, Waveform, Vectorscope und Histogram ermöglichen präzise Bildbeurteilung ohne Abhängigkeit von der Monitor-Kalibrierung. In der Praxis wird vor allem die Parade-Ansicht genutzt, um Schwarzpunkt, Weißpunkt und Hauttöne zu kontrollieren.

Node Editor (rechts): Der Node-Tree ist das Herzstück des Grading-Workflows. Jede Korrektur wird in einem eigenen Node kapseliert, sodass komplexe, nichtdestruktive Grading-Pipelines entstehen. Serielle, parallele und Layer-Nodes ermöglichen hochflexible Strukturen.

Primäre Panels (unten links): Color Wheels, Log Wheels, Primärkurven und Parameterregler für Lift/Gamma/Gain/Offset bilden die Basis der primären Farbkorrektur. Alle Anpassungen wirken direkt auf das Bild.

Qualifizierung und Masken (unten mittig): Qualifier für Sekundärkorrekturen, Power Windows und Tracker sind direkt zugänglich.

Gallery und Stills (links): Gespeicherte Grades (Stills) können als Referenz geladen, zwischen Projekten ausgetauscht oder per PowerGrade exportiert werden.

Der typische Workflow beginnt mit einer primären Korrektur (Belichtung, Kontrastumfang, Weißabgleich), gefolgt von kreativen sekundären Eingriffen (Hauttöne, Himmel, selektive Farbgebung) und endet mit der Ausgabe per LUT oder direkt in den Deliver-Workflow.

Beispiele

  1. Primäre Farbkorrektur eines Rohfilm-Clips: Schwarzpunkt und Weißpunkt mit dem Lift/Gain-Rad anpassen, Farbtemperatur über den Farbbalken korrigieren.
  2. Log-Material (ARRI LogC, Sony S-Log3) normalisieren: Log-Wheels nutzen, um Mitteltöne anzuheben und den Kontrastumfang für den Ausgabefarbraum anzupassen.
  3. Hautton-Korrektur: Vectorscope zur Kontrolle heranziehen, Hauttöne per Qualifier isolieren und selektiv anpassen.
  4. Moody Teal-and-Orange-Look: Über Curves Schatten kühl (Teal) und Lichter warm (Orange) einfärben.
  5. Continuity-Abgleich: Mit Stills mehrerer Clips Referenzgrades erstellen und per Copy-Paste auf ähnliche Aufnahmen übertragen.

In der Praxis

Schritt-für-Schritt: Erster Grade eines Kamera-RAW-Clips

  1. Clip in der Thumbnail-Timeline auswählen.
  2. Scopes öffnen (Shift+Scope) → Parade-Ansicht aktivieren.
  3. Node 1 (Correction Node): Lift anheben/absenken bis Schwarzpunkt knapp über 0 IRE; Gain bis Weißpunkt knapp unter 100 IRE.
  4. Node 2 hinzufügen (Alt+S für seriellen Node): Farbtemperatur und Tint über Color Wheels einstellen.
  5. Still speichern (rechter Mausklick im Viewer → Grab Still), um Referenzgrade festzuhalten.

Wichtige Shortcuts:

  • Alt+S – Seriellen Node hinzufügen
  • Shift+H – Highlight-Modus (zeigt Qualifier-Maske)
  • Ctrl+D – Node deaktivieren/aktivieren
  • Shift+F – Vollbild-Viewer

Fallstricke:

  • Scopes immer auf kalibriertem oder bekanntem Monitor beurteilen.
  • Node-Reihenfolge beeinflusst das Ergebnis – Korrekturen immer von grob nach fein aufbauen.
  • Zu viele Nodes in einer seriellen Kette können den Rechenaufwand erhöhen; Cache nutzen.

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu Adobe Premiere Pro (Lumetri Color) bietet die Color Page von DaVinci Resolve deutlich mehr Tiefe: Node-basiertes Arbeiten, professionelle Scopes, umfangreichere Qualifier und native RAW-Unterstützung. Apple Final Cut Pro hat eine vereinfachte Color-Umgebung (Color Board, Color Curves), die für einfache Korrekturen ausreicht, aber die Komplexität der DaVinci Color Page nicht erreicht. Baselight (FilmLight) gilt als direkter Wettbewerber auf Studionivieau, ist jedoch deutlich teurer und weniger verbreitet.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie funktioniert die Color Page in DaVinci? Die Color Page ist eine dedizierte Grading-Umgebung mit Node-Editor, Scopes, Qualifier und Masken-Tools. Jeder Clip in der Timeline erscheint als Thumbnail; Korrekturen werden nichtdestruktiv in Node-Trees gespeichert und können jederzeit angepasst werden.

Brauche ich die Studio-Version für die Color Page? Nein – die Color Page ist in der kostenlosen Version von DaVinci Resolve vollständig nutzbar. Die Studio-Version fügt zusätzliche KI-Features (Neural Engine), mehr FX-Plugins, HDR Vivid und Noise Reduction in höherer Qualität hinzu, ist aber für den grundlegenden Grading-Workflow nicht erforderlich.

Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve 19 Reference Manual. Blackmagic Design Pty. Ltd., 2024.
  • Hurkman, Alexis Van: Color Correction Handbook. 3. Aufl. Peachpit Press, 2022.
  • Hullfish, Steve: The Art and Technique of Digital Color Correction. 3. Aufl. Focal Press, 2019.
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