Die Deliver Page in DaVinci Resolve ist die Exportumgebung für das finale Rendering von Timelines und Clips in alle gängigen Ausgabeformate, Codecs und Plattform-Presets für Kino, Broadcast, Streaming und Online-Verteilung.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Export Page, Render Page, Output, Delivery (Menüpfad: untere Leiste → Deliver-Symbol, Raketen-Icon)
Was ist die Deliver Page?
Die Deliver Page ist das finale Glied in der DaVinci-Resolve-Workflow-Kette. Nach Schnitt, Color Grading und Audiomix wird hier das fertige Projekt in die gewünschten Ausgabeformate gerendert. Die Deliver Page bietet vorkonfigurierte Presets für gängige Zielplattformen (YouTube, Vimeo, Netflix IMF, DCP, ProRes, DNxHD usw.), ermöglicht vollständig benutzerdefinierte Codec-Konfigurationen und unterstützt Batch-Rendering mehrerer Jobs in einer Queue.
Erklärung
Aufbau der Deliver Page
Render Settings (links): Alle Parameter für den Exportjob: Dateiname, Zielordner, Format, Codec, Auflösung, Framerate, Bitrate, Audio-Einstellungen und Metadaten. Vorkonfigurierte Presets sind im oberen Bereich sortiert.
Render Queue (unten links): Mehrere Render-Jobs können hintereinander in die Queue gestellt werden; das Rendering kann über Nacht oder im Hintergrund ablaufen.
Timeline/Viewer (mitte/rechts): Zeigt die Sequenz mit In/Out-Markierungen für den zu rendernden Bereich.
Ausgabe-Formate und Codecs
DaVinci Resolve unterstützt eine breite Palette an Formaten und Codecs:
Produktionsformate: ProRes (422, 4444, RAW), DNxHR/DNxHD, MXF (XDCAM, AVC-Intra), CinemaDNG, BRAW. Distributionsformate: H.264, H.265/HEVC, AV1 (Studio), MP4, MOV, MKV. Archivformate: DPX (Bildsequenz), TIFF-Sequenz, EXR. Speziell: DCP (Digital Cinema Package, erfordert DCP-Mastering-Integration), IMF (Interoperable Master Format für Netflix/Studio).
Plattform-Presets
Vorkonfigurierte Presets für häufige Ziele:
- YouTube 1080p / 4K: H.264/H.265, korrekter Farbraum (Rec.709), Bitrate für Upload optimiert.
- Vimeo: Ähnlich YouTube, höhere Bitrate.
- H.264 Master: Hohe Qualität für Archiv.
- ProRes Master: Verlustfreies Intermediate für Weiterbearbeitung.
- Twitter/Instagram: Für Social-Media-Optimierungen.
- Dolby Vision / HDR10 (Studio): Mit Metadaten für HDR-Streaming-Plattformen.
Individual Clips vs. Single Clip
Single Clip: Rendert die gesamte Timeline als eine Datei (Standard für finale Ausgabe). Individual Source Clips: Rendert jeden Clip der Timeline separat (nützlich für VFX-Turnover oder Conform-Workflows). Individual Timeline Clips: Rendert Clips nach Timeline-Segment (für Kapitel-Ausgaben).
Audio-Einstellungen
Audiospur-Konfigurationen für Stereo, 5.1 Surround oder Mehrspur (z.B. separate Audiodatei als Wave-Sidecar) sind konfigurierbar. Für Broadcast werden häufig separate Audio-Deliveries (OMF, AAF für Pro-Tools-Roundtrip) benötigt.
Dateinamens-Tokens
Dateinamen können mit Tokens automatisiert werden: {Szene}, {Take}, {Timecode}, {Clip Name} – nützlich für Series-Delivery mit standardisierten Benennungskonventionen.
Burn-In
Timecode, Clip-Name, Version und andere Metadaten können als Burn-In (eingeblendet im Bild) für Review-Screener oder QC-Prozesse eingefügt werden.
Beispiele
- YouTube-Upload: Preset „YouTube 4K" wählen, H.265, 8 Bit, Rec.709, Audio AAC 320 kbps – ready for upload.
- Netflix-Delivery (IMF): IMF-Preset (Studio), HDR10-Metadaten, AudioTrack-Konfiguration per Netflix-Spezifikation.
- Broadcast-Ausgabe: MXF XDCAM 50 Mbit/s, Stereo PCM Audio, Burn-In Timecode, AS-11-Wrapper.
- VFX-Turnover: Individual Source Clips, EXR-Bildsequenzen, Full-Res ProRes 4444 – für VFX-Haus.
- Trailer mit Screener: Zwei Jobs in der Queue: einer mit Burn-In (QC-Screener), einer clean (finale Ausgabe).
In der Praxis
Schritt-für-Schritt: YouTube-Export
- Deliver Page öffnen (Shift+7 oder Symbol in Menüleiste).
- Im Render Settings Panel: Preset „YouTube" oder „Vimeo" wählen.
- Format: MP4, Video-Codec: H.264, Auflösung: 3840×2160 (wenn 4K-Timeline).
- Quality: Automatic (oder Custom Bitrate: 40 Mbps für 4K).
- Audio: AAC, 320 kbps.
- Dateiname und Zielordner festlegen.
- „Add to Render Queue" klicken.
- „Start Render" – Queue abarbeiten; Status in Echtzeit verfolgen.
Shortcuts:
Shift+7– Deliver Page öffnenCtrl+E– Render Settings Export-DialogCtrl+R– Render starten (wenn Queue gefüllt)
Fallstricke:
- Farbraum-Fehler beim Export: Sicherstellen, dass Color Science und Output Color Space konsistent sind (besonders bei HDR-Projekten).
- H.264-Export bei langen Timelines kann GPU-überhitzen lassen – CPU-Encoding als Alternative testen.
- Für Netflix/Amazon sind spezifische Codec- und Bitrate-Spezifikationen Pflicht; Delivery-Specs immer beim Plattform-Partner erfragen.
- Audio-Pegel vor dem Export immer auf -1 dBFS True Peak limitieren (Fairlight Loudness-Meter nutzen).
Vergleich & Abgrenzung
Adobe Media Encoder ist Adobes dedizierte Export-Lösung und bietet mehr Codec-Optionen und Plattform-Integrationen, ist aber von der Timeline getrennt. Compressor (Apple) ist Final Cut Pros Pendant, gut in den Apple-Workflow integriert, aber nur auf macOS verfügbar. DaVincis Deliver Page überzeugt durch direkte Timeline-Integration ohne Round-Tripping und bietet für professionelle Deliveries (IMF, DCP) alles nötige ohne zusätzliche Software.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie funktioniert die Deliver Page in DaVinci? Die Deliver Page nimmt die fertige Timeline als Input und rendert sie per definierten Einstellungen in eine oder mehrere Ausgabedateien. Codec, Auflösung, Framerate, Bitrate, Audioformat und Dateiname werden im Render Settings Panel eingestellt; Jobs werden in einer Queue gesammelt und sequenziell oder parallel gerendert.
Brauche ich die Studio-Version für die Deliver Page? Grundlegendes Rendering (H.264, H.265, ProRes usw.) ist in der kostenlosen Version enthalten. Die Studio-Version schaltet IMF-Export, Dolby Vision Delivery, DCP-Output und erweiterte Codec-Optionen (AV1, bestimmte MXF-Formate) frei.
Weiterführend
- Blackmagic Design: DaVinci Resolve 19 Reference Manual – Deliver Page. Blackmagic Design Pty. Ltd., 2024.
- Netflix: Netflix Post-Production Delivery Specifications. Netflix, Inc., 2024.
- EBU: EBU R128 – Loudness Normalisation and Permitted Maximum Level of Audio Signals. European Broadcasting Union, 2020.
