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Die Edit Page in DaVinci Resolve ist die vollständige NLE-Arbeitsumgebung (Non-Linear Editor) mit mehrspuriger Timeline, Multicam-Schnitt, Effekten, Titelgenerator, Retiming und direkter Anbindung an Color, Fusion und Fairlight.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Edit Tab, Timeline Editor, NLE (Menüpfad: untere Leiste → Edit-Symbol, Film-Icon)

Was ist die Edit Page?

Die Edit Page ist die klassische Schneideumgebung in DaVinci Resolve und entspricht dem NLE-Konzept, das Editoren von Avid, Premiere Pro oder Final Cut Pro kennen. Sie bietet eine mehrspurige Timeline, vollständige Clip-Bearbeitung, Effekte, Transitions, Titelgenerator und Multicam-Schnitt. Im Unterschied zur Cut Page ist die Edit Page auf Präzision und Vollständigkeit ausgelegt: komplexe Mehrspurstrukturen, Verschachtelungen, Subclips und umfangreiche Effektanwendungen sind hier zu Hause.

Erklärung

Aufbau der Edit Page

Media Pool (links oben): Alle importierten Medien werden hier organisiert. Ordner (Bins) können für Szenen, Kamerawinkel oder Medientypen angelegt werden. Smart Bins filtern automatisch nach Metadaten (Clip-Typ, Format, Datum).

Viewer (mitte oben): Source Viewer (links) zeigt das ausgewählte Clip-Material; Timeline Viewer (rechts) zeigt die aktuelle Position in der Sequenz. In/Out-Punkte werden per I und O gesetzt.

Effekte-Bibliothek (links): Übergänge (Dissolve, Wipe, Iris), Titles (Text, Animationen), Generators und Fusion Transitions/Effects sind hier kategorisiert und per Drag & Drop anwendbar.

Timeline (mittig/unten): Mehrspurige Sequenz mit Videospuren (V1–V∞) und Audiospuren (A1–A∞). Clips können über alle Standard-NLE-Methoden bearbeitet werden: Trim, Slip, Slide, Ripple, Roll.

Inspector (rechts): Zeigt Clip-Parameter: Transform (Position, Zoom, Rotation), Composite Mode, Speed, Stabilization, Color-Warper und angewandte Effekte.

Trim-Tools

DaVinci bietet alle klassischen Trim-Werkzeuge:

  • Selection Tool: Einfacher Clip-Move.
  • Trim Mode: Ripple, Roll, Slip, Slide in einem Modi.
  • Dynamic Trim: JKL-Tasten für präzises Trim im Play-Modus.
  • Precision Editor: Detailansicht eines Schnittpunktes für exaktes Frame-Trimming.

Multicam-Schnitt

Mehrere synchronisierte Kamerawinkel können als Multicam Clip zusammengefasst werden (Rechtsklick → Create Multicam Clip). Im Multicam-Viewer werden alle Winkel gleichzeitig angezeigt; der aktive Winkel wird per Klick oder Tastatur (1–9) ausgewählt. Nachträgliche Korrekturen einzelner Winkel sind über „Open in Timeline" möglich.

Retiming (Speed)

Clips können in der Geschwindigkeit verändert werden:

  • Einfach: Rechtsklick → Change Clip Speed.
  • Retiming-Kurven: Smooth Slow-Motion mit variablen Geschwindigkeitsrampen per Spline-Kurve.
  • Optical Flow: Interpoliert fehlende Frames für flüssige Zeitlupe (Qualität abhängig vom Material und der aktivierten Optical-Flow-Methode in den Projekt-Einstellungen).

Fusion und Color-Integration

Aus der Edit Page heraus lassen sich Clips direkt in Fusion (Rechtsklick → Open in Fusion Page) oder zur Color Page (Rechtsklick → Open in Color Page) senden. Alle Änderungen werden sofort zurück in die Edit-Timeline übertragen.

Titles und Fusion Titles

Der integrierte Titelgenerator bietet Standard-Text-Clips sowie Fusion-Title-Templates mit voranimierten Designs. Fusion Titles können direkt in der Fusion Page individuell angepasst werden.

Beispiele

  1. Dokumentarfilm-Schnitt: Multiple Footage-Bins (Interview, B-Roll, Archiv); Multicam für zwei Kamerawinkel; Voiceover auf separater Audiospur.
  2. Werbespot: Effekt-Stack auf Videoclip (Blur, Mosaic, Lumetri-ähnliche Farbanpassung via Clip Color); Fusion-Title-Intro.
  3. Retiming Sportevent: Zeitlupe mit Optical Flow auf Highspeed-Material; Rampen per Spline-Kurve für dramatischen Effekt.
  4. Multicam-Konzert: 4-Kamera-Setup synchronisiert per Timecode; Multicam-Schnitt mit Überblendungen zwischen Winkeln.
  5. Social-Media-Package: Vertikales Format (9:16), Kurztitel per Fusion Template, Export-Preset für TikTok.

In der Praxis

Schritt-für-Schritt: Assembly Cut erstellen

  1. Edit Page öffnen (Shift+4 oder Edit-Icon).
  2. Media Pool → Material in Bins organisieren.
  3. Source Viewer: Clip öffnen, In/Out setzen (I/O), in Timeline einfügen (F9/F10).
  4. Mehrere Clips nacheinander einfügen bis Assembly-Struktur steht.
  5. Trim-Werkzeug aktivieren (T) → Schnittkanten nachjustieren.
  6. Precision Editor (Doppelklick auf Schnittpunkt) für frame-genaue Cuts.
  7. Audiospuren separat bearbeiten oder zu Fairlight Page wechseln.

Shortcuts:

  • Shift+4 – Edit Page öffnen
  • I / O – In/Out-Punkt
  • F9 – Insert, F10 – Overwrite
  • T – Trim Tool
  • Ctrl+R – Speed Change Dialog
  • Shift+Space – Vorwärts Play

Fallstricke:

  • Optical-Flow-Retiming bei Material mit schnellen Bewegungen oder Kameraschwenks erzeugt Artefakte – Frame-Blending als Alternative nutzen.
  • Multicam Clips verlieren Sync bei inkonsistentem Timecode-Quellmaterial – immer Audio-Sync als Backup prüfen.
  • Zu viele Effektebenen auf einer Videospur erhöhen den Renderaufwand; Smart Render Cache aktivieren.

Vergleich & Abgrenzung

Adobe Premiere Pro ist die direkte Entsprechung mit vergleichbarem NLE-Konzept, hat aber eine stärkere Integration mit After Effects (Dynamic Link). Final Cut Pro verwendet ein Magnetic Timeline-Prinzip (keine separaten Spurspuren im klassischen Sinne), das für manche Editoren einfacher, für andere weniger präzise ist. Avid Media Composer gilt als Industriestandard für Kinofilm- und Broadcast-Editing mit überlegenem Medienverwaltungs-System (Avid Interplay).

Häufige Fragen (FAQ)

Wie funktioniert die Edit Page in DaVinci? Die Edit Page ist ein klassisches NLE mit Source/Record-Workflow: Material wird im Media Pool geordnet, im Source Viewer mit In/Out-Punkten markiert und per Tastenkürzel in die mehrspurige Timeline eingefügt. Schnitte, Trims, Effekte, Übergänge und Titelanimationen können direkt in der Timeline bearbeitet werden; komplexere VFX und Grading erfolgen über Fusion und Color Page.

Brauche ich die Studio-Version für die Edit Page? Nein – die Edit Page mit allen grundlegenden Editing-Funktionen ist in der kostenlosen Version vollständig enthalten. Die Studio-Version ergänzt Noise Reduction in der Timeline, erweiterte Stabilisierung via DaVinci Neural Engine und Premium Fusion-Titel-Templates.

Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve 19 Reference Manual – Edit Page. Blackmagic Design Pty. Ltd., 2024.
  • Schnaidt, Patricia: Non-Linear Editing: Storytelling, Aesthetics, and Craft. CMP Books, 2012.
  • Chandler, Gael: Cut by Cut: Editing Your Film or Video. 3. Aufl. Michael Wiese Productions, 2020.
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