Collaboration in DaVinci Resolve ist ein Multi-User-Modus, der es mehreren Personen erlaubt, gleichzeitig am selben Projekt zu arbeiten – etwa Editor:in, Colorist:in, VFX-Artist:in und Sound Designer:in parallel.
Rubrik: Software-Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Multi-User Collaboration, Shared Project, Resolve Collab Mode
Was ist Collaboration in DaVinci Resolve?
Collaboration in DaVinci Resolve ist ein Modus, in dem mehrere Resolve-Stationen gleichzeitig auf dasselbe Projekt zugreifen. Änderungen werden via Bin-Locking, Versionsverwaltung und Konflikt-Resolution synchronisiert – kein „letzter speichert gewinnt", sondern echtes Teamwork.
Erklärung
Resolve Collaboration setzt zwei Dinge voraus: erstens eine zentrale PostgreSQL-Project-Library (statt der lokalen Disk-Database), die alle beteiligten Workstations als gemeinsame Datenbank ansprechen. Zweitens Shared Storage – also einen schnellen Netzwerkspeicher (NAS, SAN, Blackmagic Cloud, LucidLink), auf dem das Footage liegt und auf den alle Stationen denselben Pfad sehen.
Im Collaboration-Modus reserviert jede:r User:in einzelne Timelines („Bins" und „Timelines lock"), sodass es zu keinen direkten Schreibkonflikten kommt. Andere können das gesperrte Element nur lesen. Innerhalb derselben Timeline arbeiten verschiedene Pages parallel: Während der Editor noch im Cut/Edit-Modus schneidet, kann der Colorist bereits an Color arbeiten (auf einer separaten Timeline-Kopie oder via „Remote Grades"). Updates fließen über die zentrale Datenbank zurück; ein „Refresh"-Button zeigt die Änderungen anderer User:innen.
Für maximale Effizienz empfiehlt sich eine klare Rollenverteilung: Editor besitzt die Edit-Page-Hoheit, Colorist arbeitet primär auf Color, Fairlight-Mixer auf Fairlight, Fusion-Artist auf Fusion. Konflikte entstehen vor allem dann, wenn zwei Personen an derselben Clip-Version arbeiten. DaVinci Resolve unterstützt deshalb Bin Locking und ein Change-List-System, in dem Updates explizit übernommen oder abgelehnt werden.
Collaboration ist nur in DaVinci Resolve Studio verfügbar; die kostenlose Version unterstützt diesen Modus nicht.
Beispiele
- Beispiel 1: Doku-Produktion – Editor schneidet Folge 1 weiter, während Colorist parallel Folge 1 Reel 1 grading-finalisiert.
- Beispiel 2: Werbespot-Postproduktion – VFX-Artist arbeitet auf Fusion-Page an Compositing, gleichzeitig mischt Tontechniker:in auf Fairlight.
- Beispiel 3: Serien-Pipeline – Assistant Editor importiert Footage und macht String-Outs, während Hauptcutter:in im selben Projekt anderen Reel schneidet.
- Beispiel 4: Remote-Color-Session – Colorist arbeitet von zuhause via LucidLink, sieht in Echtzeit Updates des Editors im Studio.
- Beispiel 5: Bildung – mehrere Studierende in einer Lehrsituation greifen gemeinsam auf ein Demo-Projekt zu, alle sehen Live-Änderungen.
In der Praxis
Empfohlener Stack: Blackmagic Cloud Store oder professionelles SAN (z. B. Studio Network Solutions EVO) für Footage, dedizierter PostgreSQL-Server (kann ein Synology mit Docker oder ein dedizierter Mac/PC sein) für die Project Library. Alle Workstations müssen identische Resolve-Versionen fahren – schon eine Punkt-Version Unterschied bricht Collab. Vor jeder Session: alle Bins korrekt entsperren, Backups der PostgreSQL-DB anlegen. Für Color-Workflows hilft die DaVinci Remote Grades-Funktion, mit der CDLs oder Power Grades zwischen Sessions synchronisiert werden.
Vergleich & Abgrenzung
Collaboration unterscheidet sich grundlegend von „Project Sharing" via Disk-Database, bei dem nur eine Person zur Zeit schreiben darf. Im Vergleich zu Avid Media Composers Bin Locking ist Resolves Modell jünger, aber ähnlich strukturiert.
| Merkmal | Resolve Collaboration | Avid Bin Locking |
|---|---|---|
| Page-spezifisch | Ja (Edit/Color/Fusion/Fairlight) | Nein, Bin-Ebene |
| Standalone-Server | Optional | Avid Nexis empfohlen |
| Cloud-Storage-Support | Blackmagic Cloud, LucidLink | Avid MediaCentral |
| Lizenz | Studio | Composer / Ultimate |
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich teuren Shared Storage für Collaboration? Nicht zwingend. Für kleine Teams reicht oft LucidLink oder ein 10-GbE-NAS. Wichtig ist nur, dass alle Stationen denselben Pfad zur selben Mediendatei sehen – sonst gibt es „Offline Media".
Funktioniert Collaboration auch ohne PostgreSQL? Nein. Die lokale Disk-Database unterstützt keinen Multi-User-Zugriff. Für Collaboration ist eine PostgreSQL-Project-Library Pflicht. Glücklicherweise ist die Einrichtung gut dokumentiert und der Server kann auf jedem halbwegs aktuellen Rechner laufen.
Wie viele User:innen schaffen es in ein Projekt? Offiziell unterstützt Resolve Studio bis zu 20 gleichzeitige User:innen pro Projekt. In der Praxis arbeiten meist 3–6 Personen parallel – mehr Köche brauchen klare Bin-Strukturen.
Weiterführend
- Blackmagic Design (2024): DaVinci Resolve Reference Manual – Collaboration. blackmagicdesign.com/products/davinciresolve/training
- Hullfish, Steve (2023): The Art and Technique of Postproduction Editing. Routledge.
- Mixing Light (2024): Multi-User Collaboration in DaVinci Resolve. mixinglight.com
