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Color Managed Workflow ist die automatische, projektweite Farbraum-Transformation in DaVinci Resolve, bei der Input-Material, Timeline und Output in definierten Farbräumen liegen und Resolve die mathematisch korrekten Umrechnungen übernimmt.

Rubrik: Software-Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: RCM (Resolve Color Management), DaVinci YRGB Color Managed, ACES Workflow

Was ist Color Managed Workflow?

Im Color Managed Workflow weiß DaVinci Resolve für jeden Clip, in welchem Farbraum er aufgenommen wurde (Input), in welchem Farbraum die Bearbeitung passiert (Timeline) und in welchem Farbraum exportiert wird (Output). Resolve führt alle nötigen Farbraum-Transformationen automatisch durch — das Grading findet in einem definierten, mathematisch sauberen Arbeitsfarbraum statt, statt manuell mit LUTs zwischen LOG- und Display-Räumen zu jonglieren.

Erklärung

Ohne Color Management arbeitest du in Resolve direkt mit dem Material, wie es kommt — z.B. Sony S-Log3 erscheint flach und milchig, weil es für die Bearbeitung gedacht ist, nicht für die Anzeige. Ein typischer Workflow legt dann eine Display-LUT (z.B. S-Log3 zu Rec.709) auf den letzten Node und alle Korrekturen passieren davor. Das funktioniert, ist aber bei gemischtem Footage (mehrere Kameras, RAW + ProRes + iPhone) fragil und führt schnell zu Inkonsistenzen.

DaVinci YRGB Color Managed (RCM) löst das eleganter:

  1. Input Color Space wird pro Clip gesetzt (z.B. Sony S-Log3 / S-Gamut3.Cine, Canon C-Log3 / Cinema Gamut, ARRI LogC). Resolve erkennt das oft automatisch aus den Metadaten.
  2. Timeline Color Space ist der Arbeitsraum, in dem das Grading stattfindet — typisch DaVinci Wide Gamut Intermediate oder ACEScct.
  3. Output Color Space entspricht dem Ziel-Display (Rec.709 für Web/TV, DCI-P3 für Kino, Rec.2020 PQ für HDR).

Resolve transformiert jeden Clip automatisch in den Timeline-Space, du gradest in einem perceptually-uniformen Raum und am Schluss wird in den Output-Space transformiert. Alle Kameras sehen ähnlich aus, weil sie auf gemeinsamen Boden gebracht wurden.

ACES (Academy Color Encoding System) ist eine standardisierte Alternative zu RCM, die in Hollywood-Produktionen und VFX-Pipelines etabliert ist. ACES nutzt ACES2065-1 als Master-Container und ACEScct als Working Space. Vorteil: branchenweite Interoperabilität, etwa wenn VFX-Shots zwischen Studios wandern. Nachteil: weniger flexibel als RCM, steile Lernkurve.

Color Management ändert nichts an deinen Korrekturen — es ändert nur den Raum, in dem sie stattfinden. Das hat aber große Auswirkungen: ein Sättigungs-Regler in ACEScct wirkt anders als in Rec.709, ein Kontrast-Schub respektiert die Highlights besser, und Skin-Tones bleiben über alle Kameras hinweg konsistent.

Beispiele

  • Multi-Camera-Doku: ARRI Alexa, Sony FX9 und DJI Drohne werden alle in DaVinci Wide Gamut transformiert — die Hauttöne sitzen sofort ohne große Manual-Match-Arbeit.
  • HDR-Master für Netflix: Output Color Space wird auf Rec.2020 / ST.2084 (PQ) gesetzt, dieselbe Timeline kann parallel auf Rec.709 SDR ausgespielt werden.
  • ACES-VFX-Pipeline: VFX-Studio liefert EXR in ACES2065-1, Resolve liest und grader in ACEScct — die Farben matchen am Color Display ohne Konvertierungstricks.
  • iPhone + Kino-Footage: iPhone-Clips als Rec.709 markiert, Kino-Clips als LogC — Resolve transformiert beide in DaVinci Wide Gamut, der Color-Match passt von Anfang an.
  • YouTube-Export: Output auf Rec.709 / Gamma 2.4 — der Web-Export sieht genauso aus wie im Studio-Monitor.
  • Kino-DCP: Output auf DCI-P3 / Gamma 2.6 — die Korrekturen werden korrekt in den Kino-Farbraum übersetzt.

In der Praxis

Color Management aktivierst du in Project Settings → Color Management → Color Science: „DaVinci YRGB Color Managed". Wichtig: in den Modus „Automatic" gehen Resolve und die Clip-Metadaten den Input-Farbraum selbst zuweisen — bei klar getaggtem Footage funktioniert das gut, bei manchen RAW-Formaten musst du nachhelfen (Rechtsklick Clip → „Input Color Space"). Der Timeline Color Space sollte zu deinem Output passen: für SDR-Workflows DaVinci Wide Gamut Intermediate / DaVinci Intermediate, für HDR DaVinci Wide Gamut / ST.2084. Wer von Premiere oder FCP umsteigt, sollte sich einen Tag Zeit nehmen, RCM zu verstehen — der Mehrwert ist enorm. Häufiger Fehler: doppelte Korrekturen, weil noch eine LUT im Node-Tree liegt — bei aktiviertem RCM gehören Display-LUTs raus.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalColor Managed (RCM)Manueller Workflow
SetupProject-weitPro Clip / Node
Multi-Camera-MatchAutomatisch sauberManuell, fehleranfällig
HDR-WorkflowEingebautKomplex
LernkurveMittelNiedrig
ACES kompatibelJa, separater ModusNein

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen RCM und ACES? RCM ist Blackmagics eigenes Color-Management-System, flexibel und tief in Resolve integriert. ACES ist der branchenweite Standard, der von Hollywood und Streaming-Plattformen genutzt wird und für Interoperabilität sorgt. Beide arbeiten konzeptionell ähnlich.

Muss ich Color Management nutzen? Nicht zwingend — aber sobald du gemischtes Footage, HDR-Output oder eine VFX-Pipeline hast, ist RCM enorm hilfreich. Für einfache Single-Camera-Projekte reicht oft ein traditioneller Workflow mit Display-LUT.

Verändert RCM mein Bild? RCM verändert nicht das gegradede Bild, sondern den Raum, in dem du gradest. Die mathematische Transformation ist verlustfrei. Korrekturen können sich anders „anfühlen", weil sie in einem anderen Raum wirken.

Welcher Timeline Color Space ist Standard? Für SDR-Projekte „DaVinci Wide Gamut Intermediate", für HDR-Workflows „DaVinci Wide Gamut / ST.2084". Blackmagic empfiehlt diese Defaults für die meisten Anwendungsfälle.

Weiterführend

  • Blackmagic Design (2024): DaVinci Resolve 19 Color Management Guide. blackmagicdesign.com
  • Academy of Motion Picture Arts and Sciences: ACES Documentation. acescentral.com
  • Hullfish, Steve (2023): The Art and Technique of Digital Color Correction. Routledge
  • Mixing Light: Resolve Color Management Tutorials. mixinglight.com
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