← Zurück zu Software & Tools
Node-basiertes Color Grading in DaVinci Resolve ist ein System aus visuell verknüpften Bearbeitungsknoten, die jeweils eine isolierte Farbkorrektur tragen und in beliebiger Reihenfolge kombiniert werden können.

Rubrik: Software-Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Node Tree, Node Graph, Color Nodes, Resolve Nodes

Was ist Node-basiertes Color Grading?

Im Color-Tab von DaVinci Resolve baust du deinen Look nicht als eine große Korrektur auf, sondern in einer Kette aus „Nodes". Jeder Node enthält genau einen Schritt — z.B. Belichtung, Weißabgleich, Hautton, Look — und die Signalverarbeitung läuft von links nach rechts durch alle Nodes hindurch. Das System ist nicht-destruktiv, vollständig nachvollziehbar und erlaubt komplexe Maskierungen, parallele Korrekturen und das gezielte Aktivieren oder Deaktivieren einzelner Schritte.

Erklärung

Resolves Node-Graph stammt konzeptionell aus dem Compositing-Bereich (Nuke, Fusion) und unterscheidet das Programm grundlegend von Layer-basierten Konkurrenten wie Premiere Pro mit Lumetri oder Final Cut Pro mit Color Boards. Statt einer einzelnen Korrektur-Box pro Clip bekommst du eine Pipeline aus Operationen, deren Reihenfolge das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.

Es gibt drei Haupt-Node-Typen:

  1. Serial Node (Alt+S / Option+S): Der Standard. Hängt einen neuen Node hinter den aktuellen — die Korrekturen wirken nacheinander, wie hintereinandergeschaltete Filter. Reihenfolge ist relevant: ein Kontrastregler nach einer Sättigung wirkt anders als davor.
  2. Parallel Node (Alt+P): Mehrere Nodes laufen gleichzeitig vom gleichen Eingangspunkt und werden additiv gemischt. Nützlich, um z.B. Schatten, Mitten und Highlights getrennt zu bearbeiten, ohne dass die Korrekturen sich verstärken.
  3. Layer Mixer Node (Alt+L): Ähnlich Parallel, aber mit Compositing-Modi (Overlay, Multiply, Screen etc.) wie in Photoshop. Wird gerne für Looks und kreative Effekte genutzt.

Hinzu kommen Outside Nodes (Alt+O), die die Inverse einer Power-Window-Maske bearbeiten, und Splitter/Combiner Nodes, die das Bild in RGB-Kanäle aufteilen.

Eine professionelle Node-Tree-Struktur folgt einer typischen Hierarchie: 1. Normalisierung (z.B. LOG zu Rec.709), 2. Primärkorrektur (Belichtung, Weißabgleich), 3. Sekundärkorrekturen (Hauttöne, Himmel, Augen — meist mit Power Windows und Qualifier), 4. Look (LUT oder kreatives Grading), 5. Output-Anpassung (Vignette, Film Grain).

Mit „Pre Clip" und „Post Clip" Nodes lassen sich zusätzlich Korrekturen vor und nach der gesamten Clip-Kette einfügen.

Beispiele

  • Hauttonkorrektur isolieren: Serial Node hinzufügen, mit Qualifier den Hauttonbereich auswählen, leichtere Sättigung — wirkt nur auf die Haut.
  • Himmel separat bearbeiten: Power Window über den Himmel, Outside Node für alles andere — Tracking sorgt dafür, dass die Maske dem Kameraschwenk folgt.
  • Look mit LUT aufbauen: Letzter Node in der Kette trägt eine Kodak 2383 LUT, vorgeschaltete Nodes regeln die Bild-Vorbereitung.
  • Schatten/Highlights aufhellen (Parallel): Drei Parallel-Nodes für Schatten, Mitten, Highlights — keine ungewollte Überlagerung.
  • Vignette als Layer-Mixer-Multiply: Letzter Layer-Mixer-Node mit Multiply-Blend für eine sanfte Randabdunklung.
  • Match-Grade auf zweiten Clip: Per Stillgrab und Drag-and-Drop wird der komplette Node-Tree von Clip A auf Clip B übertragen.

In der Praxis

Profis arbeiten mit benannten und farbcodierten Nodes (Rechtsklick → „Label Node"), damit der Tree auch nach Wochen lesbar bleibt. Häufige Templates werden als PowerGrade in der Gallery gespeichert und projektübergreifend wiederverwendet. Bei komplexen Korrekturen empfiehlt sich die Trennung in Group Pre-Clip (gilt für alle Clips einer Group, etwa eine Szene), Clip-Nodes (individuelle Korrektur) und Group Post-Clip (finaler Look der Szene). Wichtig: Die Reihenfolge der Nodes verändert das Ergebnis dramatisch — z.B. wirkt ein Kontrast-Boost nach einer Sättigung anders als umgekehrt. Wer schnell mehrere Versionen testen will, deaktiviert Nodes per Klick auf das kleine grüne Lämpchen unten links am Node, statt sie zu löschen.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalNode-Tree (Resolve)Layer-System (Lumetri, FCP)
StrukturVisueller GraphStapel von Filtern
Parallele KorrekturenJa, mit Parallel NodeBegrenzt
Lesbarkeit komplexer SetupsHochNiedrig
LernkurveSteilerFlach
WiederverwendbarkeitPowerGrades, Drag-DropPresets

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Nodes sollte ein Grade haben? Es gibt keine harte Grenze, aber als Faustregel: ein klarer Node pro Aufgabe. Ein typisches Pro-Grade hat zwischen 5 und 15 Nodes. Mehr als 30 deuten meist auf ineffizienten Aufbau hin.

Wirken Korrekturen in Resolve linear oder Gamma-korrigiert? Hängt vom gewählten Color Science und Color Space ab. In DaVinci YRGB Color Managed Workflow rechnet Resolve intern in einem definierten Arbeitsfarbraum (z.B. ACEScct), wodurch Korrekturen physikalisch sinnvoller wirken.

Was ist der Unterschied zwischen Serial und Parallel Node? Serial Nodes wirken hintereinander wie Filter — der Output des einen ist Input des nächsten. Parallel Nodes laufen gleichzeitig vom gleichen Eingang und werden additiv gemischt. Serial verändert das Bild progressiv, Parallel ergänzt nebeneinander.

Kann ich Node-Trees zwischen Projekten teilen? Ja, über die Gallery als PowerGrade oder per Export als DRX-Datei. Achtung: LUTs müssen separat eingebunden werden.

Weiterführend

  • Blackmagic Design (2024): DaVinci Resolve 19 Reference Manual. blackmagicdesign.com
  • Hullfish, Steve (2023): The Art and Technique of Digital Color Correction. Routledge
  • Van Hurkman, Alexis (2022): Color Correction Handbook (3rd Ed.). Peachpit Press
  • Mixing Light Tutorials: mixinglight.com
← Zurück zu Software & Tools
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar