Die Deliver Page ist die Export- und Rendering-Umgebung von DaVinci Resolve, in der alle Einstellungen für den finalen Video-Export konfiguriert, Jobs in eine Render-Queue eingereiht und Dateien in verschiedene Codecs und Formate ausgegeben werden.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Deliver-Seite, Render-Seite, Export-Seite; Menüpfad: Letztes Icon rechts in der unteren Navigationsleiste (Raketenstart-Symbol); Shortcut: Shift+9 (Deliver-Seite)
Was ist die Deliver Page?
Die Deliver Page ist die letzte Station im DaVinci-Resolve-Workflow und dient dem finalen Rendering und Export. Sie bietet einen zentralen, übersichtlichen Ort für alle Export-Parameter: Dateiformat, Codec, Auflösung, Framerate, Audio-Einstellungen, Untertitel und spezielle Liefervorgaben für Broadcast, Streaming-Plattformen und digitale Kinoverteilung (DCP). Im Gegensatz zu einem einfachen „Export"-Menü in anderen Programmen können in der Deliver Page mehrere Export-Jobs gleichzeitig in einer Render-Queue verwaltet und sequenziell oder parallel gerendert werden.
Erklärung
Aufbau der Deliver-Oberfläche
1. Render-Einstellungen (links): Der Hauptbereich mit allen Konfigurationsoptionen. 2. Vorschau-Viewer (Mitte): Zeigt das zu exportierende Material; In- und Out-Punkte können hier gesetzt werden. 3. Timeline (unten Mitte): Die Sequenz-Timeline zum Navigieren. 4. Render-Queue (rechts): Liste aller zur Verarbeitung eingereihten Export-Jobs.
Render-Einstellungen im Detail
Reiter „Video":
- Format: Container-Format der Ausgabedatei (QuickTime .mov, MP4, MXF, AVI, MKV, JPEG 2000 für DCP etc.).
- Codec: Kompressionsverfahren innerhalb des Containers:
- H.264: Standard-Webcodec, kleine Dateien, breite Kompatibilität. - H.265 (HEVC): Bessere Qualität als H.264 bei gleicher Dateigröße, für 4K-Web-Ausgabe. - Apple ProRes: Hohe Qualität, große Dateien, ideal für Weitergabe an Coloristen und andere Post-Stationen. Varianten: ProRes 4444, ProRes 422, ProRes 422 HQ, ProRes 422 LT, ProRes Proxy. - Avid DNxHR / DNxHD: Professional-Format für Avid-Ecosysteme. - JPEG 2000: Für Digital Cinema Package (DCP). - Blackmagic RAW (BRAW): Proprietäres Blackmagic-RAW-Format für Kamera-Archivierung.
- Auflösung: Ziel-Auflösung (1920×1080, 3840×2160, 4096×2160 etc.).
- Framerate: Bildrate (24, 25, 30, 50, 60 fps etc.).
- Qualität: Bei verlustbehafteten Codecs (H.264/H.265): Bitrate in Mbit/s oder CRF-Wert (Qualitätsfaktor).
- Data Level: Full (0–255) oder Video (16–235) – Wichtig für korrekte Darstellung auf verschiedenen Zielgeräten.
- HDR: High Dynamic Range-Export-Optionen (HDR10, HLG, Dolby Vision) bei kompatiblen Timelines.
Reiter „Audio":
- Audio-Format: Linear PCM (unkomprimiert), AAC, Dolby Digital, Dolby Atmos.
- Samplerate: 48.000 Hz Standard für Video; 44.100 Hz für Musik.
- Bit-Tiefe: 16 Bit, 24 Bit, 32 Bit (Float).
- Separate Audiospuren exportieren: Einzelne Buses als separate Audiodateien.
Reiter „Untertitel" (Subtitle):
- Untertitelspuren können eingebrannt (Burned-in) oder als Sidecar-Dateien (SRT, SCC) exportiert werden.
Voreinstellungen (Presets)
Die Deliver Page bietet vorgefertigte Voreinstellungen für häufige Zielplattformen:
- YouTube 1080p/4K HD: H.264 oder H.265, für Upload optimiert.
- Vimeo 1080p: H.264, höhere Bitrate als YouTube für bessere Ausgangsqualität.
- Twitter: Optimierte Einstellungen für Social-Media-Upload.
- IMF: Interoperable Master Format für internationale Broadcast-Lieferung.
- ProRes Master: Apple ProRes 422 HQ für Archivierung und Weitergabe.
- Custom: Eigene Voreinstellungen speichern und wiederverwenden.
Render-Queue
Ein Export-Job wird nicht sofort gerendert, sondern zunächst der Render-Queue hinzugefügt:
- Alle Render-Einstellungen konfigurieren.
- „Zur Render-Queue hinzufügen" klicken (oder Ctrl+Return).
- Den nächsten Export konfigurieren und ebenfalls hinzufügen (z. B. H.264 für Web + ProRes für Archiv).
- Auf „Alle rendern" klicken, um alle Queue-Jobs sequenziell zu starten.
Die Render-Queue zeigt Status, Fortschritt und Fehlermeldungen für jeden Job.
Export-Bereich definieren
In der Deliver-Timeline kann ein In-Punkt und Out-Punkt gesetzt werden, um nur einen Teil der Sequenz zu rendern. Alternativ kann die gesamte Timeline oder einzelne Clips exportiert werden. Bei der Einzel-Clip-Option wird jeder Clip als separate Datei exportiert (z. B. für Dailies oder Rohschnitt-Lieferung).
Beispiele
- YouTube-Upload: Sequenz auf H.265 4K 50 Mbit/s (YouTube 4K Preset), Audio AAC 320 kbit/s, Untertitel als SRT-Sidecar exportieren.
- Broadcast-Lieferung: MXF-Format, DNxHR HQ 1080p 25fps, Audio-PCM 48 kHz 24-Bit, Dialog-Bus und M&E-Bus als separate Audiodateien.
- Archiv-Export: Apple ProRes 4444 für Archivierung des finalen Masters, volle Auflösung, kein Qualitätsverlust.
- Social-Media-Paket: Drei Export-Jobs in die Queue: 9:16 H.264 für TikTok, 1:1 H.264 für Instagram, 16:9 H.264 für YouTube. Alle starten automatisch nacheinander.
- DCP für Kinovorführung: JPEG 2000 / MXF, DCI 4K 24fps, Dolby-Surround-Audio – als Digital Cinema Package für Kinoprojektor.
In der Praxis
- Render-Cache vor Export leeren: Vor einem wichtigen Export unter Wiedergabe > Render-Cache löschen den Cache bereinigen, um sicherzustellen, dass keine alten gecachten Versionen im Export landen.
- Ausgabedateinamen planen: Im Dateiname-Feld des Deliver-Panels aussagekräftige Namen mit Datum und Version verwenden (z. B. „Projektnamev032024-05-10_1080p").
- Custom Preset speichern: Eigene, kundenbezogene oder plattformspezifische Export-Presets über das Disketten-Symbol in den Render-Einstellungen speichern.
- Render im Hintergrund: DaVinci Resolve kann weiter genutzt werden, während im Hintergrund gerendert wird (andere Seiten). Allerdings verlangsamt das aktiven Grading/Editing.
- Frame-Rate-Konversion: Bei Konversion von 25 fps zu 24 fps oder umgekehrt die Option „Conform Frame Rate" aktivieren, sonst kommt es zu Ton-Bild-Versatz.
Vergleich & Abgrenzung
| Merkmal | Deliver Page (DaVinci) | Adobe Media Encoder | Export in Premiere |
|---|---|---|---|
| Render-Queue | Ja | Ja | Eingeschränkt |
| Hintergrund-Rendering | Ja | Ja (eigenständig) | Nein |
| Voreinstellungen | Ja | Sehr viele | Ja |
| DCP-Export | Ja | Nein | Nein |
| Separate Audio-Buses | Ja | Via Sequence-Export | Nein |
Häufige Fragen (FAQ)
Warum dauert mein Export so lange? Die Renderdauer hängt von Codec, Auflösung, Effekten und Hardware ab. H.265-Encoding ist deutlich rechenintensiver als H.264. Nvidia CUDA und Apple Metal ermöglichen GPU-beschleunigtes Encoding (Preferences > Memory and GPU > GPU-Encoding aktivieren). Ein 1080p-H.264-Export ist in DaVinci Resolve mit GPU-Support oft schneller als in Premiere ohne.
Kann ich auf mehreren Rechnern gleichzeitig rendern (Render Farm)? DaVinci Resolve Studio unterstützt Remote Rendering über mehrere Workstations in einem Netzwerk. Die kostenlose Version unterstützt nur lokales Rendering auf einem Rechner.
Verwandte Einträge
- Color Page Grundlagen (DaVinci Resolve)
- Fairlight Audio (DaVinci Resolve)
- Proxy-Workflow (Premiere Pro)
Weiterführend
- Blackmagic Design: DaVinci Resolve Referenzhandbuch – Deliver Page. (2024)
- Geuens, Jean-Pierre: Film Production Theory. State University of New York Press, 2000.
