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Fusion ist die in DaVinci Resolve integrierte, node-basierte Compositing- und VFX-Umgebung, die professionelles Green-Screen-Keying, 3D-Integration, Partikel-Systeme, Motion Graphics und Planar-Tracking direkt innerhalb des NLE-Ökosystems ohne Programmwechsel ermöglicht.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: DaVinci Resolve · Niveau: Profi Synonyme / Auch bekannt als: Fusion-Seite, Fusion Studio; Menüpfad: Sechstes Icon von links in der unteren Navigationsleiste (Rautenmuster); Shortcut: Shift+5 (Fusion-Seite)


Was ist Fusion?

Fusion war ursprünglich eine eigenständige Software von eyeon Software, wurde 2014 von Blackmagic Design übernommen und 2017 vollständig in DaVinci Resolve integriert. Als eigenständige Anwendung (Fusion Studio) konkurrierte es direkt mit Adobe After Effects und Nuke von Foundry. Heute ist Fusion als dedizierte Seite in DaVinci Resolve kostenlos verfügbar (in der Studio-Version mit erweiterten 3D-Funktionen). Der fundamentale Unterschied zu After Effects: Fusion ist vollständig node-basiert (wie die Color Page), während After Effects auf einer Layer-Hierarchie arbeitet. Jeder Effekt, jede Transformation, jedes Compositing-Element ist ein Node in einem Netzwerk.


Erklärung

Die Fusion-Oberfläche

Die Fusion-Seite gliedert sich in:

  • Viewer (oben): Zwei Anzeigebereiche (linkes und rechtes Auge / oder zwei verschiedene Node-Ausgaben). Zwischen diesen Viewern werden Nodes per 1 und 2 angezeigt.
  • Node-Editor (Mitte): Das Herzstück. Alle Compositing-Elemente werden als Nodes dargestellt und durch Verbindungskabel (Pfeile) zu einem Compositing-Baum verbunden.
  • Inspekter (rechts): Parameter des aktuell ausgewählten Nodes.
  • Effekt-Bibliothek (links, einklappbar): Alle verfügbaren Nodes, gegliedert in Kategorien.
  • Keyframe-Editor / Splines (unten, umschaltbar): Animation von Parametern über Zeit.

Grundlegende Node-Typen

Medien-Input-Nodes:

  • MediaIn / Clip: Quell-Clip aus der Timeline. In DaVinci Resolve wird beim Öffnen des Fusion-Bereichs automatisch ein MediaIn-Node für den aktuellen Clip und ein MediaOut-Node (Ausgabe zurück in die Timeline) erstellt.
  • Loader: Importiert Bildsequenzen, EXR-Dateien oder andere Medien.

Compositing-Nodes:

  • Merge: Der wichtigste Compositing-Node. Kombiniert zwei Bilder (Vordergrund und Hintergrund) nach dem Alpha-Kanal-Verfahren. Entspricht dem „over"-Operator in Compositing.
  • Multi-Merge: Kombiniert mehrere Inputs gleichzeitig.
  • Background: Erstellt einen einfarbigen oder farbverlaufenden Hintergrund.

Effekt-Nodes:

  • Blur (Fast Blur, Gaussian Blur): Weichzeichner verschiedener Art.
  • Color Corrector: Farbkorrektur innerhalb Fusion (nicht zu verwechseln mit der Color Page).
  • Transform: Skalierung, Rotation, Translation.
  • Crop: Beschneiden des Bildes.
  • Dissolve: Überblendung zwischen zwei Inputs.

Keying-Nodes:

  • Delta Keyer: Leistungsstarker Green/Blue-Screen-Keyer für sauberes Chroma-Keying.
  • Luma Keyer: Keying nach Helligkeitswerten.
  • Ultra Keyer: Erweiterte Keying-Optionen (Studio).
  • Primatte Keyer: Professionelles Keying-Plugin (Studio).

3D-Nodes (nur Studio oder DaVinci Resolve 18+):

  • 3D-Szene: Öffnet einen 3D-Compositing-Bereich.
  • Shape 3D: Primitive 3D-Objekte (Kugel, Würfel, Zylinder).
  • FBX Mesh: Import von externen 3D-Modellen (FBX, OBJ).
  • Camera 3D: Virtuelle Kamera für 3D-Szenen.
  • Renderer 3D: Rendert die 3D-Szene in ein 2D-Bild.

Partikel-Nodes:

  • pEmitter: Quell-Emitter für Partikel (Position, Richtung, Emissionsrate).
  • pRender: Rendert das Partikelsystem in ein Bild.
  • pDirectionalForce, pGravity, pTurbulence: Kräfte, die auf Partikel wirken.

Tracking-Nodes:

  • Tracker: 2D-Punkt-Tracker für Feature-Tracking.
  • PlanarTracker: Planares Tracking für Text auf Flächen (z. B. Plakat, Fahrzeugseite).
  • Camera Tracker: 3D-Kamerarekonstruktion aus Filmmaterial.

Typischer Green-Screen-Workflow

  1. MediaIn (Green-Screen-Footage) → Delta KeyerMerge (Hintergrund als BG-Input) → MediaOut.
  2. Im Delta Keyer: Pipette auf den Greenscreen-Bereich setzen. Der Keyer isoliert automatisch den Grün-Kanal.
  3. Matte-Reinigung: Softness, Fringe-Removal, Spill-Suppression im Delta Keyer anpassen.
  4. Garbage Matte: Ein Polygon-Node (oder Bitmap-Mask) löscht unerwünschte Bereiche (Kameraausrüstung, schwarze Bereiche außerhalb des Green-Screens).
  5. Color Match: Den Vordergrund (gekeyten Clip) farblich an den Hintergrund anpassen (Farbkorrektur-Node vor dem Merge).

Beispiele

  1. Green-Screen-Interview: Person vor Greenscreen, virtueller Büro-Hintergrund als JPG. Delta Keyer schält die Person aus, Merge kombiniert sie mit dem Hintergrund. Color Match gleicht Lichtfarben an.
  2. Text auf Fahrzeug kleben: Planar Tracker verfolgt die Fahrzeugseite durch die Szene. Ein Text-Node folgt den Tracking-Daten – der Text klebt perspektivisch korrekt auf dem Fahrzeug.
  3. Partikel-Intro: Partikelsystem mit 500 Partikeln (pEmitter → pForce → pRender) erzeugt einen Goldstaub-Effekt, der über ein Firmenlogo-Intro eingeblendet wird.
  4. Bildschirm-Compositing: Laptop-Bildschirm soll im Film ein anderes Video zeigen. PlanarTracker erfasst die Bildschirmfläche, ein MediaIn (Ziel-Video) wird per Merge und Corner Pinner perspektivisch eingesetzt.
  5. Explosions-VFX: EXR-Explosionssequenz (aus einer VFX-Datenbank) wird per Merge über die Actionszene gelegt, Helligkeit und Farbe angepasst.

In der Praxis

  • Nodes benennen: Beim Aufbau komplexer Compositing-Netzwerke alle Nodes mit Ctrl+F2 umbenennen. Ein unbeschrifteter Node-Baum wird schnell unübersichtlich.
  • Viewer-Output wählen: 1 und 2 drücken, um verschiedene Nodes in den linken/rechten Viewer zu laden. Zum Vergleichen von Alpha-Matten und RGB gleichzeitig ideal.
  • EXR für VFX-Dateien nutzen: OpenEXR-Sequenzen als Austauschformat zwischen 3D-Software (Cinema 4D, Blender) und Fusion verwenden – sie unterstützen Multi-Channel und 32-Bit-Tiefe.
  • Render-Cache nutzen: Fusion kann Zwischen-Renders cachen (Preferences > Memory and GPU). Bei rechenintensiven Nodes (3D, Partikel) den Cache vor der Voraschau berechnen.
  • Shortcuts: F1/F2 für zwei Viewer, Alt+S für neuen Node nach Auswahl, Delete für Nodes entfernen, Leertaste für Wiedergabe.

Vergleich & Abgrenzung

MerkmalFusion (DaVinci, integriert)Fusion Studio (standalone)After EffectsNuke (Foundry)
Node-basiertJaJaNein (Layer)Ja
3D-CompositingBasis (Resolve) / Voll (Studio)VollständigEingeschränktVollständig
KostenKostenlos (in Resolve)~300 €CC-AboAb ~400 €/Monat
VFX-Pipeline-StandardNeinNeinSemi-StandardKino-Standard
Integration in DaVinciDirektExternVia Dynamic LinkExtern

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich Fusion für Motion Graphics wie in After Effects nutzen? Ja. Fusion bietet Text-Tools, Vektorgrafik-Support, Partikel und animierbare Parameter. Für einfache Lower Thirds und Animationen ist es vollständig ausreichend. For hochkomplexe Animationen mit Expression-Scripting und umfangreichen Plug-in-Ökosystemen (z. B. für MoGraph-Workflows) ist After Effects derzeit noch führend.

Werden Fusion-Effekte beim Export in die Deliver-Page übergeben? Ja. Die Fusion-Komposition ist direkt in die Timeline-Pipeline integriert. Beim Export auf der Deliver-Page werden alle Fusion-Effekte vollständig gerendert und in das Ausgabevideo integriert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Blackmagic Design: DaVinci Resolve Fusion Referenzhandbuch. (2024)
  • Peachey, Steve: DaVinci Resolve Fusion: Compositing and VFX. Blackmagic Design, 2020.
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