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Rec.2020 (offiziell ITU-R BT.2020) ist der internationale Farbraum-Standard für Ultra-High-Definition-Television und HDR – mit deutlich größerem Farbumfang als das ältere Rec.709 und Basis aller modernen 4K- und 8K-Broadcasts.

Rubrik: Software-Tools · Unterrubrik: Farbmanagement · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: BT.2020, ITU-R BT.2020, UHDTV-Farbraum, Wide-Gamut-TV-Standard

Was ist Rec.2020?

Rec.2020 ist eine Empfehlung der International Telecommunication Union (ITU) aus dem Jahr 2012, die Auflösung (3840×2160 und 7680×4320), Framerate, Bit-Tiefe und vor allem den Farbraum für UHDTV definiert. Der Farbraum umfasst etwa 75 % des CIE-1931-Diagramms (sichtbare Farben) – im Vergleich zu Rec.709 (35 %, HD-TV) und DCI-P3 (53 %, digitales Kino). Vor allem das tiefe Grün und das satte Rot werden mit Rec.2020 erstmals fernsehtauglich reproduzierbar. Standard-Weißpunkt ist D65 (6500 K).

Erklärung

Rec.2020 ist der „Dachstandard" für UHD-Lieferungen: Streaming-Plattformen wie Netflix, Disney+, Amazon Prime Video, sowie HDR-Formate wie HDR10, HDR10+, Dolby Vision arbeiten alle im Rec.2020-Container. Allerdings: Kein bezahlbarer Consumer-TV deckt aktuell den vollen Rec.2020-Gamut ab. Reale Geräte erreichen etwa 70–90 % von DCI-P3, das innerhalb von Rec.2020 liegt. Der Standard ist also ein „Zukunfts-Container" – heute genutzt, aber nicht vollständig wiedergegeben.

Wichtige Eigenschaften: 10-bit (HDR10) oder 12-bit (Dolby Vision) Bit-Tiefe, OETF/EOTF in Form von PQ (Perceptual Quantizer, SMPTE ST 2084) oder HLG (Hybrid Log-Gamma, BBC/NHK). Die Übertragung erfolgt im YCbCr 4:2:0 oder 4:2:2 für Broadcast, in 4:4:4 für Mastering. Mastering-Helligkeit reicht in HDR10 bis 10.000 nits theoretisch, faktisch werden Filme meist auf 1.000 nits oder 4.000 nits gemastert.

Für die Produktion bedeutet das: Cameras müssen genug Dynamikumfang liefern (ARRI Alexa, Sony Venice, RED Komodo etc.), Color Grading Suiten brauchen Rec.2020-fähige Mastering-Monitore (Sony BVM-HX310, Canon DP-V3120, FSI XM311K), Grading-Software muss PQ- und HLG-Pipelines unterstützen (Resolve, Baselight, Nucoda – alle vollumfänglich). Der typische Mastering-Workflow läuft heute über ACEScct → ACES-ODT „Rec.2020 ST2084 1000 nits" → HDR10-Master.

Beispiele

  • Beispiel 1: Netflix-Original wird in Rec.2020 mit PQ-Curve auf 1.000 nits gemastert, parallel SDR-Trim-Pass in Rec.709 für nicht-HDR-Geräte.
  • Beispiel 2: BBC produziert Sport-Übertragung in Rec.2020 HLG – HDR-fähige TVs zeigen das volle Bild, SDR-TVs zeigen automatisch korrekte Rec.709-Variante.
  • Beispiel 3: Werbespot in DaVinci Resolve gegradet, Master als Rec.2020 PQ, sekundäre Versionen Rec.709 SDR für YouTube und Cinema P3 für Pre-Show.
  • Beispiel 4: Doku-Produktion mit Drohnen- und Action-Cam-Material – einheitlicher Rec.2020-Container, ODT pro Plattform unterschiedlich.
  • Beispiel 5: Apple TV+-Serie in Dolby Vision (Rec.2020, dynamische Metadaten), Mastering-Display ein Sony HX310 mit 1.000 nits.
  • Beispiel 6: Olympics-Broadcast 2024 in 8K Rec.2020 HLG – Live-Pipeline mit minimaler Latenz.

In der Praxis

Wer in Rec.2020 mastern will, braucht: einen Mastering-fähigen HDR-Monitor (mind. Sony BVM-HX310 oder FSI XM311K), ein I/O-Interface mit 12G-SDI (Blackmagic UltraStudio 4K Mini, AJA Kona 5), eine Color-Suite mit ACES- oder Resolve-YRGB-Pipeline, und einen kalibrierten Workflow. Wichtig: Auf einem Office-Display kann man Rec.2020 nicht beurteilen – das Setup muss präzise sein. Für Lieferung sind die Specs der Streaming-Plattformen entscheidend: Netflix verlangt z. B. 16-bit-EXR-Master, Dolby Vision Profile 5 oder 8.1, peak 1.000 nits, mit IMF-Package. Auch SDR-Trim-Passes werden gefordert, damit das gleiche Material auf älteren Endgeräten korrekt aussieht.

Vergleich & Abgrenzung

FarbraumCoverage CIE 1931Einsatz
Rec.709~35 %HD-TV, Blu-ray, klassisches Streaming
DCI-P3~53 %Digitales Kino, Apple-Displays, Smartphones
Rec.2020~75 %UHD-TV, HDR-Streaming, Master-Container
ACES AP0>100 % (überschreitet sichtbar)Pipeline-Container, nicht Display

Häufige Fragen (FAQ)

Mein TV zeigt „Rec.2020-Support". Sehe ich damit alle Farben? Wahrscheinlich nicht. Die meisten Consumer-TVs decken etwa 70–90 % von DCI-P3 ab, was nur einen Teil von Rec.2020 ist. Der Sender liefert Rec.2020, das TV-Gerät rendert das, was es kann – nicht den vollen Standard.

Was ist der Unterschied zwischen HDR10 und Rec.2020? Rec.2020 ist der Farbraum, HDR10 ist ein konkretes HDR-Format, das diesen Farbraum nutzt – plus 10-bit-Bit-Tiefe, PQ-Curve und statische Metadaten (max. Helligkeit). HDR10+ und Dolby Vision sind verwandte Formate mit dynamischen Metadaten.

Warum mastert man dann nicht direkt in P3, wenn TVs den vollen Rec.2020 nicht zeigen? Weil Rec.2020 zukunftssicher ist – sobald TVs den Gamut erreichen, profitieren bestehende Master. Außerdem nutzen Streaming-Plattformen Rec.2020 als Standard-Container. Mastering in P3-D65 innerhalb des Rec.2020-Containers ist eine gängige Strategie („P3 limited inside Rec.2020").

Weiterführend

  • ITU-R (2015): Recommendation BT.2020 – Parameter values for ultra-high definition television. itu.int
  • SMPTE (2014): ST 2084 – High Dynamic Range Electro-Optical Transfer Function. smpte.org
  • Selan, Jeremy (2023): Cinematic Color – From Your Monitor to the Big Screen. VES White Paper
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