Dev Mode ist Figmas spezialisierter Arbeitsmodus für Entwickler, der Designspezifikationen, Maßangaben, CSS-Code, Variables-Werte und Export-Assets direkt aus einer Figma-Datei zugänglich macht – ohne Designkenntnisse oder Editierrechte.
Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Figma · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Developer Handoff, Inspect Mode (Vorgänger), Design Redline, Figma Dev; Tastenkürzel Shift+D (Dev Mode ein-/ausschalten)
Was ist der Dev Mode?
Der Dev Mode wurde 2023 als eigenständiger Modus in Figma eingeführt und löste den vorherigen „Inspect"-Tab als primären Handoff-Kanal ab. Er ist für Entwickler und Entwicklerinnen konzipiert, die Designspezifikationen aus Figma extrahieren müssen, ohne selbst Designer zu sein oder die vollständige Figma-Oberfläche navigieren zu müssen.
Im Dev Mode sehen Entwickler Abmessungen, Abstände, Farben (inkl. Variable-Namen), Typografiedaten, Effekte und können Code-Snippets (CSS, iOS, Android) direkt kopieren. Außerdem können Assets (SVGs, PNGs, PDFs) exportiert werden.
In Figmas Preismodell (ab 2023) ist der Dev Mode für Entwickler in einer separaten „Dev"-Sitzung kostenlos zugänglich, wenn sie einen Einladungs-Link erhalten.
Erklärung
Dev Mode aktivieren
- Tastenkürzel:
Shift+D - Über das Menü: Figma-Logo → Dev Mode aktivieren
- Oder: Oben rechts im Interface auf das Code-Symbol klicken
Im Dev Mode ändert sich die Oberfläche: Die Canvas ist nicht mehr editierbar, das rechte Panel zeigt Entwickler-spezifische Informationen, und eine neue Toolbar erscheint.
Inspect-Panel
Das Inspect-Panel ist das Herzstück des Dev Mode. Wenn ein Element ausgewählt wird, zeigt es:
Für Frames und Shapes:
- Exakte Abmessungen (Width, Height)
- Position (X, Y)
- Corner Radius
- Füllfarben mit Hex-Werten, RGB-Werten und – wenn angewendet – dem Namen der Color Variable oder des Color Style
- Stroke-Eigenschaften
- Effekte (Schatten, Blur) mit allen Parametern
- Opacity
Für Text-Elemente:
- Schriftfamilie, Schriftgröße, Gewicht
- Zeilenhöhe, Buchstabenabstand
- Textausrichtung
- Text-Variable oder Text-Style-Name
- Der tatsächliche Textinhalt
Für Auto-Layout-Frames:
- Direction (horizontal/vertikal)
- Gap (Spacing zwischen Kindelementen)
- Padding (alle vier Seiten)
- Alignment
Abstände zwischen Elementen: Im Dev Mode kann man zwischen zwei Elementen hovern, während Alt/Option gedrückt wird – Figma zeigt dann die Abstände zwischen den Elementen in roten Pfeilen an (sogenannte Red Lines oder Annotations).
Code-Snippets
Im rechten Panel unter „Code" können Entwickler fertige Code-Snippets kopieren:
- CSS: Vollständige CSS-Eigenschaften für das ausgewählte Element (inkl.
border-radius,box-shadow,font-family, etc.) - iOS (Swift): SwiftUI oder UIKit-Code-Snippets für native iOS-Entwicklung.
- Android: Compose oder XML-Snippets für native Android-Entwicklung.
Die CSS-Snippets sind ein guter Startpunkt, aber nicht blindlings kopierbar – sie enthalten oft absolute Positionierungen (position: absolute) statt moderner Flexbox- oder Grid-CSS. Entwickler nutzen sie als Referenz für Werte, nicht als direkt deployable Code.
Variables und Styles im Dev Mode
Wenn Variables und Styles verwendet wurden, zeigt das Dev Mode deren Namen:
- Statt
#3B82F6erscheintcolor/primary/500oder der Variable-Name. - Statt
16pxSpacing erscheintspacing/4als Token-Name.
Das ermöglicht Entwicklern, direkt die Token-Namen aus dem Code-System zu verwenden, was den Handoff erheblich verbessert.
Component-Links
Wenn eine Component-Instanz ausgewählt ist, zeigt der Dev Mode:
- Den Namen der Main Component.
- Links zur Main Component.
- Component Properties und deren aktuelle Werte.
Über das Plugin-API können Component-Links mit Storybook oder anderen Component-Libraries verknüpft werden.
Asset-Export
Assets (Icons, Illustrationen, Fotos) können im Dev Mode direkt exportiert werden:
- Element oder Frame auswählen.
- Im rechten Panel den Export-Bereich finden.
- Format (PNG, SVG, JPG, PDF, WebP) und Skalierung (1x, 2x, 3x) wählen.
- Herunterladen.
SVG-Exporte sind besonders nützlich für Icons. Der „Copy as SVG"-Button kopiert den SVG-Code direkt in die Zwischenablage.
Annotations (Figma 2024)
Seit 2024 unterstützt Figma Designerannotationen im Dev Mode: Designer können Notizen direkt an Design-Elemente anheften, die im Dev Mode sichtbar sind. Diese Annotations ersetzen teilweise externe Kommentar-Tools für Handoff-Zwecke.
Dev Mode und Plugins
Dev Mode unterstützt Plugins, die speziell für Entwickler entwickelt wurden:
- Anima: Generiert React- oder HTML/CSS-Code aus Figma-Designs.
- Locofy: Generiert Next.js-, React- oder Angular-Code.
- Copilot by Zeplin: Alternative Handoff-Integration.
- EightShapes Specs: Generiert detaillierte Designspezifikations-Dokumentationen.
Ready for Dev (Figma 2024)
Entwickler können in Figma (ab Professional-Plan) Frames und Components als „Ready for Dev" markieren. Das signalisiert, welche Designs implementierungsbereit sind. Im Dev Mode erscheinen entsprechend markierte Elemente mit einem grünen Badge.
Beispiele
- Button-Spezifikation: Entwickler wählt Button-Instanz → sieht:
background: var(--color-primary-500),border-radius: 8px,padding: 12px 24px,font-size: 16px,font-weight: 600. - Spacing-Abstände: Entwickler hält Alt/Option und hovert zwischen Card-Komponente und dem nächsten Element → sieht:
24pxAbstand = entspricht Variablespacing/6. - SVG-Icon-Export: Icon-Komponente auswählen → „Copy as SVG" → direkt in React-Komponente einfügen.
- Dark-Mode-Farben: Element mit Color Variable auswählen → Dev Mode zeigt
color/background/default: Light: #FFFFFF, Dark: #1A1A2E. - Component-Dokumentation: Main Component mit Annotation verknüpft zu Storybook-Story → Entwickler sieht direkten Link zur lebenden Komponente.
In der Praxis
Shortcuts:
- Dev Mode ein/ausschalten:
Shift+D - Abstand zu benachbarten Elementen messen: Alt/Option halten + auf Element hovern
- Element-Ausrichtung messen: Alt/Option + auf Kindelement hovern, wenn Parent-Frame ausgewählt ist
Best Practices (für Designer):
- Schichten sauber benennen – Entwickler sehen alle Layer-Namen im Dev Mode.
- Variables statt raw Werte verwenden – Token-Namen machen den Handoff eindeutiger.
- Export-Einstellungen für Assets definieren, bevor der Handoff beginnt.
- „Ready for Dev" konsequent nutzen, um Entwicklern klare Signale zu geben.
Best Practices (für Entwickler):
- CSS-Snippets als Referenz verwenden, nicht blind kopieren.
- Variable-Namen aus Figma 1:1 in den Code übernehmen für konsistente Token-Benennung.
- Annotationen lesen, bevor man mit der Implementierung beginnt.
Vergleich & Abgrenzung
Zeplin war lange das Standard-Handoff-Tool, bevor Figma einen eigenen Dev Mode einführte. Zeplin bietet mehr Projektmanagement-Features, aber Figmas nativer Dev Mode ist für die meisten Teams ausreichend. Avocode (eingestellt) war ein weiteres Handoff-Tool. Storybook ist das Pendant auf Entwickler-Seite – eine lebende Component-Library. Im Vergleich zu Adobe XDs Inspect-Panel ist Figmas Dev Mode vollständiger und besser in das Design-Workflow integriert.
Häufige Fragen (FAQ)
Müssen Entwickler einen Figma-Account haben? Für den Dev Mode benötigen Entwickler einen Figma-Account, können aber kostenlos als „Viewer" oder mit einem Dev-Seat auf die Datei zugreifen, wenn sie eingeladen wurden. Sie benötigen keinen bezahlten Editor-Seat.
Warum sehe ich im Dev Mode keine Variable-Namen, sondern nur Hex-Werte? Das passiert, wenn Elemente mit raw Farben (ohne Variable-Referenz) befüllt wurden. Nur Elemente, auf die tatsächlich eine Variable angewendet wurde, zeigen den Token-Namen. Designer müssen konsequent Variables verwenden.
Kann ich im Dev Mode Änderungen vornehmen? Nein, der Dev Mode ist ein reiner Read-only-Modus. Um Elemente zu bearbeiten, muss in den regulären Editor-Modus gewechselt werden (Shift+D oder über das Menü).
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Figma Help Center – help.figma.com/de
- Figma-Dokumentation: „Dev Mode overview" – help.figma.com/hc/en-us/articles/15023124644247
- Figma Config 2023: „Introducing Dev Mode" (Figma YouTube, 2023)
