Variables in Figma sind benannte, typisierte Wert-Behälter – für Farben, Zahlen, Strings und Booleans –, die modusspezifisch variieren können und systemweit in Designs, Prototypen und Bibliotheken referenziert werden.
Rubrik: Software & Tools Deep-Dive · Unterrubrik: Figma · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Design Tokens, Token-Variablen, Figma Tokens
Was sind Variables?
Variables (eingeführt 2023) sind Figmas nativer Ansatz für Design-Token-Systeme. Eine Variable hat einen Namen, einen Typ und mindestens einen Wert. Der entscheidende Vorteil gegenüber Styles: Variables unterstützen Modes – ein Variable-Set kann für Light Mode und Dark Mode unterschiedliche Werte haben, und mit einem Klick wechselt das gesamte Design zwischen diesen Modi.
Erklärung
Variable-Typen
Figma kennt vier Typen:
- Color: Farbwerte (Hex, RGB, RGBA) – für semantische Farb-Tokens wie
color/surface/default,color/interactive/primary. - Number: Zahlenwerte – für Spacing, Radien, Schriftgrößen, Opacity:
spacing/4,radius/medium. - String: Textwerte – für Inhalte oder Token-Namen, die Prototype-Logik steuern.
- Boolean: Wahr/Falsch-Werte – für Sichtbarkeits-Properties in Components oder Prototype-Conditions.
Collections und Groups
Variables werden in Collections organisiert. Eine Collection ist ein Set von Variables mit gemeinsamen Modes. Typische Collections:
Primitive Tokens– rohe Werte:blue/500 = #3B82F6Semantic Tokens– benannte Bedeutungen:color/interactive/primary = {blue/500}Component Tokens– komponentenspezifisch:button/background = {color/interactive/primary}
Innerhalb einer Collection werden Variables durch Schrägstriche in Gruppen eingeteilt.
Modes
Jede Collection kann mehrere Modes haben. Ein Mode ist eine benannte Ausprägung des gesamten Variable-Sets. Klassische Beispiele:
Light/Dark(Farbschemata)Mobile/Desktop(Spacing-Skala)Brand A/Brand B(Multi-Theming)
Ein Frame kann einem bestimmten Mode zugewiesen werden: Rechtsklick → Assign Variable Mode. Der gesamte Frame-Inhalt rendert dann mit den Werten des gewählten Modes.
Aliasse (Token-Referenzierung)
Variables können andere Variables referenzieren (Aliasse). button/background kann auf color/interactive/primary verweisen, das wiederum auf blue/500. Ändert man blue/500, propagiert die Änderung durch die gesamte Alias-Kette. Das entspricht dem Token-Tier-Modell moderner Design-Token-Systeme (Primitive → Semantic → Component).
Variables in der Praxis
Variables können auf folgende Figma-Properties angewendet werden:
- Fill-Farben (Color Variables)
- Stroke-Farben (Color Variables)
- Breite, Höhe, Radius (Number Variables)
- Auto-Layout Gap, Padding (Number Variables)
- Text-Inhalte (String Variables)
- Component-Properties Boolean (Boolean Variables)
- Prototype-Conditions (alle Typen)
Export für Entwickler
Variables lassen sich per Plugin (z. B. „Tokens Studio for Figma", „Variables2JSON") in JSON exportieren und als CSS Custom Properties, SCSS-Variablen oder JavaScript-Objekte in Code-Repositories einbinden – die Single Source of Truth für Design und Entwicklung.
Beispiele
- Komponenten-System:
button/padding-horizontalist eine Number Variable mit Wert 16 (Mobile) und 20 (Desktop). Der Button-Component referenziert diese Variable für Auto-Layout-Padding; im Desktop-Mode wird der Button automatisch weiter. - Responsive Design: Ein
spacing/gapVariable-Set mit ModesMobile=8undDesktop=16steuert alle Grid-Abstände zentral. - Prototyping/Handoff: Color Variables erscheinen im Dev-Mode als Token-Namen, die Entwickler direkt in CSS Custom Properties umwandeln.
- Dark Mode: Ein Frame wird auf den Mode
Darkgesetzt; alle Color Variables wechseln auf ihre Dark-Mode-Werte. Der Prototype zeigt Light und Dark Mode als interaktiven Toggle. - Multi-Brand Theming: Zwei Marken
Brand AundBrand Bsind als Modes einer Color-Collection definiert. Mit einem Klick kann man die gesamte UI-Datei zwischen den Markendesigns umschalten.
In der Praxis
Variable erstellen: Rechtes Panel → Variables-Icon → Collection erstellen → + Variable hinzufügen → Typ und Wert setzen Mode hinzufügen: Im Variable-Panel → Collection-Header → „Add Mode" → Mode benennen → Werte für neuen Mode setzen Variable anwenden: Element Fill auswählen → Farbpicker → Libraries-Tab → Variable aus Liste auswählen Mode zuweisen: Frame auswählen → Rechtsklick → Assign Variable Mode Alias setzen: Variable bearbeiten → Wert-Feld → Library-Icon → andere Variable als Referenz wählen
Vergleich & Abgrenzung
| Figma Variables | Figma Styles | Tokens Studio Plugin | |
|---|---|---|---|
| Modes/Theming | Ja | Nein | Ja |
| Aliasse | Ja | Nein | Ja |
| Typen | Color, Number, String, Boolean | Color, Text, Effect, Grid | Alle Token-Typen |
| Export | Plugins nötig | Nein | JSON-Export nativ |
Variables sind mächtiger als Styles für Token-Systeme, ersetzen aber Text- und Effect-Styles nicht vollständig. Tokens Studio for Figma erweitert Variables um komplexere Token-Hierarchien und direkten W3C Design Token-Export.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich Variables in Prototype-Interaktionen nutzen? Ja. Boolean und Number Variables können als Conditions in Conditional Prototyping verwendet werden (z. B. „Zeige Overlay, wenn Variable isLoggedIn = true"). Das ermöglicht komplexe, zustandsbehaftete Prototypen ohne externe Tools.
Wie unterscheiden sich Variables von Design Tokens? Design Tokens sind ein generelles Konzept (W3C Standard); Variables sind Figmas Implementierung dieses Konzepts. Figma Variables decken den Kerngedanken ab, sind aber noch nicht vollständig W3C-kompatibel (Stand 2024). Plugins wie Tokens Studio schließen diese Lücke.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Figma Help Center – help.figma.com/hc/en-us/articles/15145852043927
- Figma (2024): Variables overview. Figma Docs.
- Online: tokens.studio – Tokens Studio für Figma Dokumentation
