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PDG (Procedural Dependency Graph, auch TOPs: Task Operators) ist Houdinis Framework zur Beschreibung und Ausführung von Aufgaben-Graphen, das Pipeline-Prozesse parallelisiert, Abhängigkeiten verwaltet und Arbeit auf lokale Kerne oder externe Render-Farmen verteilt.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Houdini · Niveau: Fortgeschritten


Was ist PDG?

PDG wurde mit Houdini 17 (2018) eingeführt und löst ein fundamentales Problem in der 3D-Produktion: die Koordination von Abhängigkeiten zwischen Tasks. Eine VFX-Produktion besteht aus hunderten voneinander abhängigen Prozessen, Geometrie-Exports, Simulationsläufe, Render-Jobs, Compositing-Skripte. PDG beschreibt diese Abhängigkeiten als Graph und kann sie parallelisiert auf lokalen Rechnern oder verteilten Rechner-Clustern (Render-Farmen) ausführen.


Erklärung

Kernkonzepte

Work Items: Die kleinste Ausführungseinheit in PDG ist ein Work Item. Ein Work Item repräsentiert einen konkreten Task, z. B. „Rendere Frame 42 mit diesen Parametern". Jeder Work Item trägt Attribute (Dateinamen, Parameter, Frame-Nummern), die den Task beschreiben.

TOP Nodes: TOP-Nodes erzeugen, verarbeiten oder konvertieren Work Items. Wichtige Kategorien:

KategorieBeispiele
GeneratorFile Pattern, Wedge, Python Script
ProcessorHoudini Top-Level Cook, Geometry Import
SchedulerLocal Scheduler, HQueue Scheduler, Deadline
OutputFile Copy, FTP Upload, Notification
UtilityWait for All, Partition, Sort

Schedulers: Schedulers entscheiden, wo und wie Work Items ausgeführt werden:

  • Local Scheduler: Nutzt lokale CPU-Kerne
  • HQueue Scheduler: Houdinis eigenes Render-Farm-System
  • Deadline Scheduler: Integration mit Thinkbox Deadline (Industriestandard)
  • Tractor / Qube: Integration mit anderen Render-Managern

Wedging, Parameterraum-Exploration

Eine der mächtigsten PDG-Funktionen ist Wedging: Die automatische Erzeugung einer Vielzahl von Work Items, die denselben Job mit leicht veränderten Parametern ausführen. Beispiele:

  • Simulation mit 20 verschiedenen Random Seeds ausführen → besten Look auswählen
  • Rendering mit 5 verschiedenen Licht-Setups → vergleichen
  • Geometrie-Cache mit 10 verschiedenen Frakturdichten generieren

`` [Wedge Node: seed=1..20] → [Houdini Cook: sim] → [Render Node] → [File Output] ``

PDG für Simulationspipelines

Ein typischer PDG-Workflow für eine große Simulation:

  1. Geometry Export: SOP-Geometrie als Alembic-Sequenz cachen
  2. Simulation Cook: DOP-Simulation für alle Frames rechnen
  3. Mesh Extraction: VDB → Mesh für alle Frames parallel
  4. Render: Karma-Jobs für alle Frames auf der Farm
  5. Notification: E-Mail wenn fertig

Alle Schritte sind als TOP-Nodes verbunden; PDG analysiert die Abhängigkeiten und startet jeden Schritt, sobald seine Vorbedingungen erfüllt sind.

Python-Integration

TOPs unterstützen benutzerdefinierte Python-Skripte als Work Items:

``python work_item = pdg.currentWorkItem() input_file = work_item.attrib("input_file").asString() work_item.setAttrib("output_file", output_path) ``


Beispiele

Verschiebenes Test-Rendering: Wedge (5 HDRI-Varianten) × Wedge (3 Material-Varianten) = 15 Work Items → Local Scheduler (alle CPU-Kerne) → Thumbnail-Output für Vergleich.

Nightly Build Pipeline: Python-Script (Asset-Liste aus Datenbank laden) → HDA-Cook → Alembic-Export → Karma-Render → FTP-Upload → Slack-Notification.

Distributed Crowd Simulation: Crowd-Sim (1000 Frames) → Partitionierung (je 50 Frames) → 20 parallele Simulations-Jobs auf Farm → Merge → Render.


In der Praxis

PDG wird in Studios eingesetzt, um das Pipeline-Management direkt im Houdini-Workflow zu integrieren. Statt manueller Job-Submits oder externer Scripting-Lösungen beschreibt der TD (Technical Director) den gesamten Produktionsfluss als TOP-Graph.

Vorteile in der Praxis:

  • Reproduzierbarkeit: Der gesamte Pipeline-Prozess ist als Graph dokumentiert
  • Fehlertoleranz: Failed Work Items können einzeln wiederholt werden
  • Skalierbarkeit: Von einer Workstation bis zu hunderten Farm-Knoten skalierbar

Vergleich & Abgrenzung

Ähnliche Konzepte finden sich in Apache Airflow (Daten-Pipelines), Nuke Studio (Comp-Pipelines) und spezialisierten Render-Manager-UIs. PDG hat den Vorteil, direkt in Houdinis Geometrie- und Simulations-Workflow integriert zu sein, was den Context-Switch zwischen DCC und Pipeline-Tool entfällt.


Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich eine Render-Farm für PDG? Nein, PDG läuft vollständig lokal über den Local Scheduler. Für Produktionsvolumen ist jedoch eine Render-Farm sinnvoll.

Kann PDG mit Cloud-Rendering integriert werden? Ja, über Custom Schedulers können AWS, Google Cloud und Azure-Rendering angebunden werden. SideFX bietet Referenz-Implementierungen.

Ist PDG für kleine Studios relevant? Ja, besonders Wedging für Design-Exploration ist bereits mit einer Workstation sehr wertvoll.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • SideFX (2026): PDG/TOPs Documentation. URL:
  • SideFX (2022): PDG for Indie Artists. Tutorial-Serie. URL:
  • CGMA (2023): Houdini PDG for Production Pipelines. Online-Kurs.
  • Blackstein, M. (2022): Procedural Pipeline Management with Houdini PDG. Vortrag, FMX Stuttgart.
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