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Bildnachzeichner (englisch: Image Trace, früher Live Trace) ist eine Funktion in Adobe Illustrator, die Pixelgrafiken (Fotos, Scans, Handzeichnungen) automatisch durch Analyse von Farb- und Kantendaten in skalierbare Vektorpfade umwandelt.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Adobe Illustrator · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Image Trace (englisch), Live Trace (ältere Bezeichnung bis CS5); Menüpfad: Objekt > Bild nachzeichnen > Nachzeichnen; Schaltfläche in der Optionsleiste bei platziertem Rasterbild; Bedienfeld: Fenster > Bild nachzeichnen

Was ist der Bildnachzeichner?

Der Bildnachzeichner wurde als „Live Trace" mit Adobe Illustrator CS2 (2005) eingeführt und mit CS6 (2012) grundlegend überarbeitet sowie in „Bildnachzeichner" (Image Trace) umbenannt. Die neue Implementierung bietet erheblich mehr Kontrolle über das Nachzeichenergebnis und ein dediziertes Bedienfeld für alle Parameter. Die Funktion löst den aufwendigen manuellen Prozess, ein Rasterbild Punkt für Punkt mit dem Zeichenstift nachzufahren, und automatisiert ihn in Sekunden.

Erklärung

Um den Bildnachzeichner zu verwenden, muss zunächst ein platziertes Rasterbild im Dokument ausgewählt sein. Das Bild kann über Datei > Platzieren (Shift+Strg/Cmd+P) eingebettet oder verknüpft werden.

Schneller Start über die Optionsleiste: Bei ausgewähltem Rasterbild erscheint in der Optionsleiste die Schaltfläche „Nachzeichnen" für die Standardeinstellung sowie ein Dropdown mit Voreinstellungen.

Bedienfeld Bild nachzeichnen (Fenster > Bild nachzeichnen): Das vollständige Bedienfeld bietet alle Parameter im Überblick:

Voreinstellungen:

  • Schwarzweißes Logo: Konturen und einfarbige Flächen für technische Logos und Piktogramme.
  • Logo mit hohem Detailgrad: Mehr Ankerpunkte für detaillierte Logos.
  • 3 Farben / 6 Farben / 16 Farben: Begrenzte Farbpaletten für reduziertes, illustratives Aussehen.
  • Foto (hohe Genauigkeit) / Foto (niedrige Genauigkeit): Für fotografische Motive; hohe Genauigkeit erzeugt mehr Pfade und Farbtreue.
  • Fotoillustration: Stilisierter Look zwischen Foto und Illustration.
  • Handgezeichneter Sketch: Optimiert für eingescannte Bleistift- oder Tintenzeichnungen.
  • Silhouette: Reine Schwarz-Weiß-Umrissformen.

Manuelle Parameter:

Modus: Farbe, Graustufen oder Schwarzweiß – bestimmt die Farbreduktion.

Farben: Bei aktivem Farbmodus: Anzahl der zu verwendenden Farben (2–30 bei manuell; bis 16 Mio. bei Volltonfarbe-Modus). Weniger Farben = simplere Vektoren; mehr Farben = fotorealistischeres Ergebnis mit sehr vielen Pfaden.

Graustufen: Im Graustufenmodus: Anzahl der Grauabstufungen.

Schwellenwert: Im Schwarzweiß-Modus: Helligkeitswert, ab dem ein Pixel als weiß oder schwarz klassifiziert wird. Niedrige Werte = mehr Weiß; hohe Werte = mehr Schwarz.

Pfade: Bestimmt die Toleranz zwischen der Kontur des Nachzeichenergebnisses und der ursprünglichen Kontur des Rasterbilds. Niedrige Toleranz (Wert nah an 1) = sehr enger Pfad mit vielen Ankerpunkten; hohe Toleranz = vereinfachte Kontur mit wenigen Ankerpunkten.

Ecken: Sensitivität für Eckerkennung. Höhere Werte erzeugen mehr Eckpunkte (kantigere Formen); niedrigere Werte produzieren weichere Kurven.

Rauschen: Mindestgröße von Farbflächen, die als Pfad erkannt werden (in Pixeln). Höhere Werte reduzieren Rausch-Artefakte und kleine Detailflächen; niedrigere Werte erhalten auch feinste Details.

Methode: „Überlappend" (Standard) oder „Aneinanderstoßend". Überlappend erzeugt Objekte, die sich überlappen wie Schichten; Aneinanderstoßend erzeugt Puzzleteile, die genau aneinander passen.

Erstellen von Konturlinien: Extrahiert die erkannten Kantenlinien als separate Pfade zusätzlich zu den Farbflächen.

Einpassen: Füllt den Zeichenbereich mit dem Nachzeichenergebnis.

Nachzeichnen erweitern: Das Bildnachzeichner-Ergebnis ist zunächst ein Live-Trace-Objekt, das noch mit dem Originalbild verknüpft ist. Über Objekt > Ergebnis erweitern oder die Schaltfläche „Erweitern" in der Optionsleiste wird das Ergebnis in vollständig editierbare Vektorpfade umgewandelt. Danach kann mit dem Direktauswahl-Werkzeug (A) jeder einzelne Pfad bearbeitet werden.

Beispiele

  1. Logo-Digitalisierung: Eingescanntes gedrucktes Logo (PNG/JPEG) mit der Voreinstellung „Schwarzweißes Logo" nachzeichnen, erweitern und Farben manuell anpassen.
  2. Handgezeichnetes Branding: Mit Tusche auf Papier gezeichnetes Schriftzug-Logo einscannen, mit „Handgezeichneter Sketch" nachzeichnen, weiße Flächen entfernen.
  3. Illustrationsstil: Fotografie mit „6 Farben" nachzeichnen für einen reduzierten, posterartigen Illustration-Look.
  4. Silhouetten für Piktogramme: Foto eines Gegenstands oder Tieres mit „Silhouette" nachzeichnen und als Basis für Icons verwenden.
  5. Alte Karten und Dokumente digitalisieren: Eingescannte historische Karten durch selektives Nachzeichnen in editierbare Vektoren überführen.

In der Praxis

  • Bildqualität vor dem Nachzeichnen optimieren: Kontrast und Schärfe des Rasterbilds (in Photoshop) vor dem Nachzeichnen erhöhen. Schlechte Bildqualität führt zu schlechten Nachzeichenergebnissen – Garbage in, Garbage out.
  • Ergebnis vor dem Erweitern prüfen: Das Live-Trace-Objekt ist so lange editierbar (Parameter änderbar), bis „Erweitern" gedrückt wird. Parameter ausgiebig testen, bevor das Ergebnis festgeschrieben wird.
  • Ankerpunkte reduzieren: Nach dem Erweitern oft zu viele Ankerpunkte. Über Objekt > Pfad > Vereinfachen lässt sich die Punktanzahl reduzieren, ohne das Aussehen wesentlich zu verändern.
  • Weiße Flächen nach dem Erweitern entfernen: Bei Schwarzweiß-Nachzeichnungen enthalten die Ergebnisse oft weiße Hintergrundflächen. Mit Bearbeiten > Gleiche Füllfarbe auswählen → Löschen können alle weißen Flächen auf einmal entfernt werden.

Vergleich & Abgrenzung

Das manuelle Nachzeichnen mit dem Zeichenstift (P) liefert präzisere, sauberere Pfade mit weniger Ankerpunkten, ist aber zeitaufwendig. Der Bildnachzeichner ist für schnelle Vektorisierungen und Experimente ideal, aber bei sehr präzisen Logos oder Illustrationen oft nur Ausgangspunkt für manuelle Nacharbeit. Adobe Capture (Smartphone-App) bietet ebenfalls automatisches Nachzeichnen direkt aus der Kamera-Aufnahme.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Farben sollte ich beim Nachzeichnen von Logos verwenden? Für einfarbige oder zweifarbige Logos reicht die Voreinstellung „Schwarzweißes Logo" oder „3 Farben". Für komplexe mehrfarbige Logos 6–16 Farben verwenden. Mehr Farben bedeutet mehr Pfade und eine größere Datei – für druckfähige Logos sollte die Pfadzahl minimal gehalten werden.

Kann ich den Bildnachzeichner auf Live-Bilder aus Adobe Stock anwenden? Ja, platzierte oder eingebettete Rasterbilder jeder Quelle können nachgezeichnet werden. Bei eingebetteten Bildern wird das Rasterbild direkt im Dokument gespeichert; bei verknüpften Bildern muss die Quelldatei erreichbar sein. Lizenzrechtlich ist zu prüfen, ob der Vektor-Export des nachgezeichneten Bildes durch die Lizenz abgedeckt ist.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Benutzerhandbuch – helpx.adobe.com/de/illustrator/using/image-trace.html
  • Adobe Learn: „Tracing Images in Illustrator" – adobe.com/learn (2024)
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