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KI-Features in Adobe InDesign basieren seit 2023/2024 auf Adobe Firefly und bringen generative Bildbearbeitung, automatische Alt-Text-Generierung, Flex Layout sowie KI-gestützte Text- und Layoutfunktionen direkt in den Publishing-Workflow.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: InDesign · Niveau: Fortgeschritten


Was sind KI-Features in InDesign?

Adobe integriert Künstliche Intelligenz systematisch in alle Creative-Cloud-Anwendungen. In InDesign bedeutet das ab 2023/2024 konkrete Werkzeuge, die Arbeitsabläufe beschleunigen: Bilder werden automatisch um fehlende Bereiche ergänzt, Alternativtexte für Barrierefreiheit werden per KI generiert, und intelligente Vorschlagssysteme helfen bei Schrift- und Farbwahl. Mit den 2025/2026-Updates kommen Flex Layout, Generate Text und Generative Fill (Beta) hinzu.

Erklärung

Adobe Firefly: Die Grundlage

Adobe Firefly ist Adobes proprietäres generatives KI-Modell, das auf lizenzierten Inhalten und gemeinfreien Materialien trainiert wurde. Adobe betont, dass Firefly kommerziell sicher nutzbar ist, im Gegensatz zu KI-Modellen, deren Trainingsgrundlagen urheberrechtlich umstritten sind.

Firefly ist tief in Photoshop, Illustrator und Premiere Pro integriert. In InDesign kommen die Firefly-Features hauptsächlich als Bildbearbeitungsfunktionen für platzierte Grafiken und als Text-zu-Bild-Generierung zum Einsatz.

Generative Expand (Generatives Erweitern)

Problemstellung: Ein Foto hat ein Format, das nicht zum Bildrahmen im Layout passt. Klassischerweise musste der Bildrahmen angepasst oder das Bild in Photoshop erweitert werden.

Firefly-Lösung: Generative Expand füllt den leeren Bereich außerhalb des Originalfotos automatisch mit KI-generiertem Inhalt, der nahtlos zum Originalfoto passt. Himmel, Hintergründe, Bodenpartien, Seiten, alles wird plausibel ergänzt.

Workflow in InDesign (ab Version 2024):

  1. Bild in InDesign platzieren
  2. Bildrahmen größer ziehen als das platzierte Bild
  3. Im Kontextmenü oder über das Eigenschaften-Panel erscheint der „Generative Expand"-Button
  4. InDesign schickt die Anfrage an Adobe Sensei/Firefly
  5. Das Bild wird erweitert und automatisch als neue Version des platzierten Bildes angezeigt

Alternativ: Das Feature in Photoshop verwenden und das erweiterte Bild dann in InDesign neu verknüpfen, für mehr Kontrolle über das Ergebnis.

Qualität und Grenzen: Generative Expand ist für einfache Hintergründe (Himmel, Natur, Architektur) sehr überzeugend. Bei komplexen Elementen (Personen, spezifische Logos, Text) sind die Ergebnisse weniger zuverlässig und müssen manuell nachbearbeitet werden.

Generative Fill (Beta) in InDesign

Ab InDesign 2026 steht Generative Fill (Beta) auch direkt in InDesign zur Verfügung, ohne den Umweg über Photoshop. Die Funktion arbeitet innerhalb von Photoshop-Bildrahmen, die in InDesign platziert sind: Bereiche eines Bildes lassen sich per Auswahl und Textprompt ersetzen oder ergänzen. Für einfache Hintergrundkorrekturen und Formatanpassungen ist das ein erheblicher Zeitgewinn im Produktionsworkflow. Das Feature befindet sich noch im Beta-Status; für kritische Produktionen empfiehlt sich weiterhin die vollständige Kontrolle über Photoshop.

Automatische Alt-Text-Generierung

Hintergrund: Alt-Texte (Alternative Texte) sind Bildbeschreibungen, die Screenreader für sehbehinderte Nutzer/innen vorlesen. Sie sind rechtlich für barrierefreie digitale Publikationen vorgeschrieben und für gutes EPUB-Export: Reflowable & Fixed Layout und PDF-Export: Druck, Interaktiv, PDF/X unverzichtbar.

Manuelles Schreiben von Alt-Texten für Hunderte von Bildern ist zeitaufwändig. KI-Unterstützung ist hier ein erheblicher Zeitgewinn.

InDesign-Funktion (ab 2024): InDesign kann über Adobe Sensei automatisch Alt-Texte für alle Bilder im Dokument generieren. Der Workflow:

  1. Ein Bild im Dokument auswählen
  2. Rechtsklick, Bildoptionen exportieren, Alt-Text
  3. Unter „Alt-Text-Quelle" die Option „Aus KI generiert" wählen
  4. Adobe Sensei analysiert das Bild und generiert eine englischsprachige Bildbeschreibung

Batch-Generierung: Über ein Skript oder eine Funktion im Preflight können Alt-Texte für alle Bilder im Dokument auf einmal generiert werden; für große Projekte ein enormer Zeitgewinn.

Grenzen: Automatisch generierte Alt-Texte sind oft korrekt, aber generisch. Für Bilder mit spezifischem inhaltlichem Kontext (Fachbücher, Lehrmittel) sollten die generierten Texte manuell geprüft und präzisiert werden. Die automatische Generierung ist auf Englisch optimiert; für andere Sprachen ist manuelle Kontrolle nötig.

Generate Text

Ab 2026 können Texte direkt in InDesign per KI generiert oder verfeinert werden. Die Funktion Generate Text bietet:

  • Erzeugung von Entwurfstexten aus einem kurzen Prompt (etwa für Platzhaltercontent oder erste Entwürfe)
  • Tonvarianten: derselbe Text in formell, sachlich, freundlich oder prägnant
  • Sprachanpassung: Texte in andere Sprachen übertragen, direkt im Textrahmen

Generate Text ist kein Ersatz für redaktionelle Arbeit, aber nützlich für schnelle Entwürfe und für die Anpassung von Texten an verschiedene Kanäle oder Zielgruppen in einem Dokument.

Adobe Fonts und KI-Schriftvorschläge

InDesign ist tief mit Adobe Fonts (früher Typekit) integriert. Über das Cloud-Dokumentenformat können KI-basierte Schriftvorschläge angeboten werden:

  • Font Similarity: Adobe Fonts kann ähnliche Schriften zu einer vorhandenen finden (nützlich, wenn eine Schrift nicht verfügbar ist)
  • Font Pairing Suggestions: Vorschläge für harmonische Schriftkombinationen basierend auf Design-Richtlinien
  • Sensei Font Match: Schriften aus einem Foto erkennen und als InDesign-Font identifizieren (hauptsächlich in Capture)

Flex Layout

Flex Layout ist Adobes Antwort auf responsive Layouts für Print und Digital: Rahmen und Textelemente passen sich dynamisch an unterschiedliche Formate und Gerätegrößen an, ohne jedes Layout manuell neu aufzusetzen.

#### Flex Layout in InDesign 2026

InDesign 2026 erweitert Flex Layout um mehrere praxisrelevante Verbesserungen:

  • Transform ohne Panel-Deaktivierung: Flex-Layout-Frames lassen sich jetzt direkt transformieren (skalieren, drehen), ohne dass das Flex-Layout-Panel deaktiviert werden muss. Das spart Arbeitsschritte bei der Feinabstimmung.
  • Spacing direkt auf dem Canvas: Abstände zwischen Elementen können jetzt interaktiv auf dem Canvas angepasst werden, nicht nur über Zahleneingaben im Panel. Das macht Layoutanpassungen intuitiver.
  • Bessere Auswahl verschachtelter Frames: In komplexen, verschachtelten Flex-Strukturen lassen sich einzelne Child-Frames jetzt präziser auswählen und bearbeiten.
  • Interaktive Elemente in Flex Layout: Schaltflächen, Formulare und andere interaktive Objekte können jetzt direkt in Flex-Layout-Container eingebettet werden; praktisch für digitale Publikationen und interaktive PDFs.
  • Sperren von Child-Elementen: Einzelne Child-Elemente können innerhalb eines Flex-Layout-Containers gesperrt werden, sodass sie sich bei Größenänderungen des Containers nicht mitverändern. Das ist nützlich für Logos oder feste Grafikelemente, die ihre Position und Größe behalten sollen.

KI-gestütztes Layout und Content Suggestions

Adobe experimentiert mit weiteren KI-Features für InDesign:

Auto Layout: Intelligente Vorschläge für Layoutoptimierungen, Ausrichtungen und Abstände basierend auf Design-Prinzipien. In frühen Phasen als experimentelles Feature verfügbar.

Firefly Vector (über Illustrator-Brücke): Vektorgrafiken, die in Firefly generiert wurden, können als AI-Dateien in InDesign platziert werden. Dies erweitert die Möglichkeiten für KI-generierte Illustrationen erheblich.

Datenschutz und kommerzielle Sicherheit

Adobe betont die kommerzielle Sicherheit von Firefly-generierten Inhalten: Das Modell wurde ausschließlich mit lizenzierten Adobe-Stock-Bildern und gemeinfreien Materialien trainiert. Adobe bietet eine IP-Indemnity-Garantie für Inhalte, die mit Firefly generiert wurden.

Für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen: Inhalte, die an die Firefly-API gesendet werden, verlassen das Gerät des Nutzers. Adobe hat Enterprise-Datenschutzabkommen, die sicherstellen, dass keine Unternehmensinhalte zum Training verwendet werden.

Kritische Perspektive

Die Integration von generativer KI in Produktions-Tools wie InDesign wirft Fragen auf:

Arbeitspraxis: KI beschleunigt bestimmte Aufgaben erheblich (Alt-Texte, Bildergänzung, Textentwürfe), verdrängt aber keine layouterischen Kernkompetenzen. Die Qualitätskontrolle durch erfahrene Designer/innen bleibt unverzichtbar.

Qualität vs. Effizienz: Automatisch generierte Inhalte erreichen nie die Qualität manuell erstellter Professionellenarbeit. Der Nutzen liegt in der Menge: Hundert Alt-Texte in Minuten statt Stunden.

Copyright und Originalität: Generativ erweiterte Bilder haben einen unklaren Copyright-Status. Adobe arbeitet an klaren Richtlinien, die Branche entwickelt sich schnell.

Beispiele

Magazin-Titelbild mit Generative Expand: Ein Redakteur hat ein hochwertiges Portrait-Foto, das im 4:3-Format vorliegt. Der Umschlag braucht ein 3:4-Hochformat. Statt ein neues Shooting zu beauftragen oder das Bild stark zu beschneiden, erweitert Generative Expand den Hintergrund oben und unten. Das Ergebnis wird in Photoshop feinabgestimmt und dann in InDesign platziert.

EPUB-Barrierefreiheit für 500-seitiges Handbuch: Ein technisches Handbuch hat 300 Abbildungen ohne Alt-Texte. Ein Batch-Lauf mit der KI-Alt-Text-Funktion generiert in 15 Minuten 300 erste Alt-Text-Entwürfe. Ein technischer Redakteur prüft und verfeinert diese, statt alle 300 von Grund auf zu schreiben.

In der Praxis

KI als Assistenz, nicht als Ersatz: KI-Features in InDesign sind am nützlichsten als Beschleuniger für repetitive Aufgaben. Die konzeptionelle und ästhetische Designarbeit bleibt menschlich.

Aktualität beachten: KI-Features in InDesign entwickeln sich schnell. Mit dem monatlichen Update-Rhythmus der Creative Cloud kommen regelmäßig neue Funktionen. Adobes Release Notes und der Adobe Blog sind die besten Quellen für aktuelle Entwicklungen.

Vergleich & Abgrenzung

Firefly in InDesign vs. Midjourney: Midjourney und ähnliche Standalone-KI-Tools bieten kreativ leistungsfähigere Generierung, sind aber nicht in den Produktionsworkflow integriert. Firefly in InDesign ist praktischer für Produktionsaufgaben, ästhetisch aber oft begrenzter.

KI-Alt-Text in InDesign vs. manuell: Automatisch generierte Alt-Texte sind ein guter Ausgangspunkt, können aber den Kontext eines Bildes nicht verstehen. Bei Fachinhalten immer manuell prüfen.

Häufige Fragen (FAQ)

Sind Firefly-generierte Inhalte urheberrechtlich geschützt? Laut Adobe sind Firefly-Outputs kommerziell nutzbar und durch die IP-Indemnity-Garantie abgesichert. Inwiefern KI-generierte Inhalte urheberrechtlichen Schutz genießen, ist je nach Jurisdiktion unterschiedlich geregelt und rechtlich noch nicht abschließend geklärt.

Funktionieren KI-Features ohne Internetverbindung? Nein, Firefly-basierte Features benötigen eine Verbindung zu Adobes Cloud-Servern. Offline stehen diese Funktionen nicht zur Verfügung.

Was ist Flex Layout in InDesign? Flex Layout ist ein System für responsive, formatadaptive Layouts: Rahmen, Texte und Grafiken passen sich automatisch an unterschiedliche Seitenformate oder Bildschirmgrößen an, ohne jedes Format manuell neu layouten zu müssen. Nützlich für Publikationen, die in mehreren Formaten erscheinen (Print A4, Tablet, Smartphone). InDesign 2026 erweitert Flex Layout um direkte Canvas-Bearbeitung, Sperren einzelner Child-Elemente und bessere Auswahl in verschachtelten Strukturen.

Können KI-Features in InDesign Server genutzt werden? In der Regel nicht ohne spezielle API-Integration. InDesign Server läuft ohne UI, und Firefly-Features sind UI-gebunden. Für Server-basierte KI-Integration gibt es separate API-Zugänge.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Adobe Inc. (2026): Generative AI features in InDesign. Adobe Help Center.
  • Adobe (2026): What's new in InDesign (June 2026 release). Adobe Help Center.
  • Adobe: Adobe Firefly, Commercial Safety and IP Indemnification. Adobe, 2024.
  • Stott, Robin: AI in Publishing: Opportunities and Challenges. Publishers Weekly, 2024.
  • Frischer, Paul: Generative AI Tools for Designers: A Practical Guide. Peachpit Press, 2024.
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