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Die Lightroom-Farbräder sind das Color-Grading-Werkzeug in Lightroom Classic und Lightroom CC, das die alte Split-Toning-Funktion ablöst und getrennte Farb-Tönungen für Schatten, Mitteltöne, Lichter und das Gesamtbild erlaubt.

Rubrik: Software & Tools · Unterrubrik: Lightroom · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Color Grading Panel, Color Wheels Lightroom, Schatten/Mitten/Lichter-Räder


Was sind die Lightroom-Farbräder?

Die Farbräder sind das im Oktober 2020 mit Lightroom 10.0 / Lightroom Classic 10.0 eingeführte Color-Grading-Werkzeug. Sie ersetzen die ältere Split-Toning-Funktion und übernehmen die Bedienlogik von High-End-Grading-Suiten wie DaVinci Resolve: vier separate Farbkreise für Schatten, Mitteltöne, Lichter und einen globalen Farbkreis, die jeweils Farbtöne und deren Sättigung in einem Tonbereich verschieben.


Erklärung

Jedes der drei tonalen Farbräder (Schatten, Mitteltöne, Lichter) besteht aus einem Farbkreis mit Sättigungs-Ring außen und einem Helligkeitsregler darunter. Das Zentrum bedeutet keine Tönung, je weiter der Punkt nach außen gezogen wird, desto stärker die Sättigung. Der Winkel bestimmt den Farbton (0° = Rot, 90° = Gelbgrün, 180° = Cyan, 270° = Blau).

Das globale Farbrad wirkt über das gesamte Bild und entspricht einem klassischen Farbstich oder einer Stimmungs-Tönung — vergleichbar mit einer Lift/Gamma/Gain-Operation im globalen Bereich.

Drei zusätzliche Regler steuern, wie sich die tonalen Bereiche überlappen:

  • Mischung (Blending): Wie weich oder hart die Übergänge zwischen Schatten, Mitten und Lichtern sind.
  • Balance: Verschiebt die Tonbereiche zueinander — höhere Werte verstärken die Lichter, niedrigere die Schatten.
  • Helligkeit: Ändert die Luminanz innerhalb des jeweiligen Tonbereichs.

Anders als das frühere Split Toning, das nur Schatten und Lichter mit jeweils einem Farbton und einer Sättigung kannte, sind die Farbräder dreidimensional bedienbar: man manipuliert Farbton, Sättigung und Luminanz gleichzeitig in einem visuellen Interface. Das macht typische Looks wie Teal-and-Orange (kühle Schatten, warme Lichter), Bleach-Bypass-Effekte oder filmische Cross-Processing-Stile in Sekunden möglich.


Beispiele

  • Beispiel 1 — Teal & Orange: Schatten Richtung Cyan/Blau (ca. 210°, mittlere Sättigung), Lichter Richtung Orange (ca. 30°, leicht weniger Sättigung) — der klassische Hollywood-Look.
  • Beispiel 2 — Warmer Sonnenuntergang: Globales Rad leicht zu Rot-Orange (ca. 20°), Mitteltöne gen Magenta für gold-rosa Atmosphäre.
  • Beispiel 3 — Kühles Nordlicht: Schatten und Mitteltöne auf Blau-Cyan (200–220°), Lichter nahezu neutral mit leichtem Magenta-Touch.
  • Beispiel 4 — Vintage Filmlook: Schatten leicht ins Grün, Lichter leicht ins Gelb, Mischung auf 70 % erhöht für weichen Übergang.
  • Beispiel 5 — High-End-Portrait: Sehr dezente Werte (Sättigung 5–10), Lichter warm, Schatten kühl — verstärkt den dreidimensionalen Eindruck des Gesichts.

In der Praxis

Die Farbräder werden im Entwickeln-Modul im Panel Farbverlauf (englisch Color Grading) bedient. Über die drei Icons oben wählt man zwischen 3-Wege-Ansicht (alle drei tonalen Räder gleichzeitig) und Einzelansichten (nur Schatten, nur Mitten, nur Lichter) — Einzelansichten sind feiner steuerbar, weil das Rad größer dargestellt wird.

Bewährter Workflow: Erst Grundeinstellungen (Belichtung, Kontrast, Weißabgleich), dann HSL/Farbmischung für lokale Farbkorrektur, danach Farbräder für den finalen Look. Wer mit niedriger Sättigung arbeitet (Werte 5–20), erhält filmische, subtile Ergebnisse. Höhere Werte wirken schnell wie Instagram-Filter.

Profis kombinieren die Farbräder mit lokalen Masken: Eine Bereichsmaske auf die Schatten erlaubt, das globale Color-Grading nur dort zu intensivieren. Presets mit Farbrad-Einstellungen lassen sich über Vorgaben speichern und auf ganze Foto-Strecken übertragen — ideal für Hochzeits- oder Editorial-Serien.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalFarbräderSplit Toning (alt)HSL/Farbmischung
Tonbereiche3 + global2 (Schatten/Lichter)Nach Farbton
SteuerungFarbkreis 2DSchiebereglerSchieberegler
Luminanz pro BereichJaNeinPro Farbton
Globale TönungJaNeinNein
AnwendungsfallColor GradingEinfache TönungSelektive Farb-Korrektur

Die Farbräder sind ein Color-Grading-Werkzeug und greifen tonal — sie verändern Farben nach Helligkeit. HSL/Farbmischung verändert Farben nach Farbton (alle Rottöne, alle Blautöne). Beides ergänzt sich: HSL für selektive Korrekturen, Farbräder für den finalen Look.


Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Farbrädern und Split Toning? Split Toning kannte nur Schatten und Lichter mit je einem Farbton plus einem Balance-Regler. Die Farbräder bieten zusätzlich Mitteltöne, ein globales Rad, separate Luminanz-Regler pro Bereich und ein intuitives 2D-Interface. Split Toning ist in neueren Lightroom-Versionen automatisch in die Farbräder migriert worden.

Soll ich Farbräder oder LUTs verwenden? Beides hat seinen Platz. Farbräder geben dir interaktive Kontrolle und sind nicht-destruktiv im RAW-Workflow. LUTs liefern reproduzierbare Looks aus Film/Color-Science. Profis kombinieren oft: ein dezentes LUT-Profil als Basis, Farbräder für individuelle Anpassung.

Funktionieren die Farbräder auch in Lightroom Mobile? Ja, das Color-Grading-Panel ist in Lightroom Mobile (iOS/Android) seit Version 6.0 verfügbar und arbeitet synchron über Adobe Cloud zu Lightroom Classic und Lightroom CC am Desktop.



Weiterführend

  • Adobe Help Center (2024): Color Grading in Lightroom Classic.
  • Kelby, Scott (2023): The Adobe Photoshop Lightroom Classic Book. Rocky Nook.
  • Evening, Martin (2024): Adobe Lightroom Classic CC: The Missing FAQ. Focal Press.
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